108 r
|
Hÿe hebt sich an die glos vnd die
auslegu~g der kunst des kampffechtens die do geticht vnd gemacht
hat Peter von danckgs zu° Ingelstat | vber
den text den do hat gesatzt | Johannes liechtenawer
mit verporgen | vnd ver dackten worten | vnd
hat das getan das die selbigen wort ÿeder man dester
pas versten sol ~
Das ist der text
Wer absÿnnet fechtens zu° fuess
begÿnnet der schick sein sper zwaÿ sten an heben
recht were | Glosa | merck
das ist das du dich schicken solt ritterlich mit geleicher
were das du deine~ veint chain vortail geben noch vbersehen
solt lassen ~
Das ist der text
Sper vnd ort den vorstich stich an voricht | Glosa | merck
das ist wenn du° dich hast recht gesetzt | oder
geschickt mit deinem sper zu°m [der letzte Buchstabe ist
etwas unleserlich, da er ein ursprüngliches »z« überschreibt]
schiessen | So scheus den vorschus
an alle sarg | Trifstu so volg pald
dem schuss nach | Also tu°e auch | ob
du wilt stechen | vnd nicht schiessen | Nu° merck ni trifstu
nicht recht die plöss mit dem schiessen | oder
stechen so fall nicht in dein sper das du dich nicht gebst
aus der wag | vnd er dich nyder werf
sunder greif zum swert ~
Das ist der text
Spring wind setz recht an Wert er zuck
das gesigt Im an | Glosa merck
das ist ~~
|
Hier beginnen die Kommentare und Erläuterungen der
Kunst des Zweikampffechtens, die Peter von Danzig aus Ingolstadt
verfaßt und erstellt hat
Sie behandeln den Text, den Johannes Liechtenauer mit geheimen
und verschlüsselten Worten festgesetzt hat. Er hat das
getan, damit jedermann diese Worte besser verstehen kann.
Wer sich abwendet, beginnt das Fechten
zu Fuß. Er richte seinen Speer aus. Wehr in zwei
Stehen zu Beginn richtig ab.
Hier
wird beschrieben, wie du dich ritterlich mit gleicher Bewaffnung
stellen sollst, so daß du deinem Gegner keinen Vorteil
gibst noch sehen läßt.
Speer und Ort. Stich den Vor-Stich ohne
Furcht.
Wenn
du dich richtig gestellt und bereitgemacht hast, um mit deinem
Speer zu werfen, so wirf den Vor-Wurf ohne jegliche Sorge.
Triffst du, folg dem Wurf sofort. Tu dies auch, wenn du stechen
und nicht werfen willst. Triffst du mit dem Wurf oder dem Stich
die Blöße nicht richtig, so stürz nicht auf
deinen Speer, damit du dich nicht aus dem Gleichgewicht begibst,
so daß er dich niederwerfen kann, sondern greif zum Schwert.
Spring, winde, setz richtig an. Wehrt er ab,
zuck. Das besiegt ihn.
|
 |
108 v
|
wiltu pleiben | vnd arbaitten mit
der langen were | oder mit dem sper
nach dem stich | vnd nicht wil vor
schiessen das sper | So pis rasch
vnd spring | vnd stich mit künsten | vnd
als pald du hast an gesetzt in sein gesicht oder vnder sein
vchsen | oder in sein hantschuech
Inwendig oder wo du ein plöss hast gefunden so wind dein
sper vnder dein vchsen | vnd druck
für sich ob du Im magst die seittñ an gewinnen
sich magstu In stechen durch sein fuess welicher das seÿ | oder
durch sein fuß zuck dein sper nicht vntz das er sich
ergeb | vnd su°ch kain ander vortail
du magst in deñ habñ gar gewis an allen zweifel | Wert
er aber dem ansetzen deins ortz wo die ansatzu~g sey als vorgeschriben
ist | So zuck dein sper | vnd
setz ÿm wider an wo du magst an die | oder
an der plöss mit kunst | vnd
arbait mit dem ort | oder sich auf
die ringen als hernach geschriben stet | vnd
wenn er sticht so spring auf ein seittñ aus dem sper ~
Das Ist der text
Wiltu vor stechen mit zucken ler wer prechen | Glosa
merck das ist | Ist das du stichst
felst | vnd in nicht hast getroffen
das Im schädlich seÿ | vnd
frum dir pringen mag | So zuck dein
sper | vnd stich wider | vnd
wart In auf sein leip mit
|
Willst du bei der langen Waffe bleiben und damit arbeiten
oder mit dem Speer stechen und nicht damit werfen, so sei schnell,
und spring und stich mit Kunstfertigkeit. Sobald du ihm in
sein Gesicht oder unter seiner Achsel angesetzt hast, innen
in seinen Handschuh oder wo du sonst eine Blöße
gefunden hast, winde deinen Speer unter deine Achsel und drück
nach vorne. Schau, ob du ihn in der Seite besiegen kannst.
Kannst du ihn durch gleich welchen Fuß stechen oder durch
seinen Fuß, zuck dein Schwert, solange er sich nicht
ergibt. Such keinen anderen Vorteil, es sei denn, du hast ihn
völlig sicher und ohne jeden Zweifel. Wehrt er aber das
Ansetzen deines Orts dort ab, wenn angesetzt ist, wie eben
beschrieben, dann zuck deinen Speer und setz ihm mit Geschicklichkeit
erneut in die oder an der Blöße an, wo du kannst.
Arbeite mit dem Ort oder beachte die Ringtechniken, die im
folgenden beschrieben werden. Wenn er sticht, spring zu einer
Seite vom Speer weg.
Willst du im Vor stechen, lern, mit Zucken
den Widerstand zu brechen.
Wenn
du deinen Stich verfehlst und ihn nicht so getroffen hast,
daß du ihm schaden konntest, um dir Nutzen zu bringen,
so zuck deinen Speer. Stich erneut und kümmer dich um
seinen Körper mit deinem Ringen, wie im weiteren beschrieben
steht.
|
 |
109 r
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deinen ringen als her nach stet geschriben | Es
ist zu° wissen das | Das zucken
zu° get also | Nÿm dein sper
in ped hënd in aller mass als das halb swert das die daume~
zu samen sten | vnd wenn du wild zucken
so zeuch das sper mit der rechten hant hindersich | vnd
mit linden fülñ dein sper gen lest in der dencken
hant | Hastu denn vnden gestochen
einen freÿen stich zu° den henden oder anders wo wo
es seÿ so stich mit zucken Im zu° dem fisir oben ~
| Item du magst auch zucken vnden
durch an sein sper | oder wechselñ | vnd
wider an setzen ye zu° der ploss | vnd wider
an setzen nicht anders ~
Das ist der text
Merck wil er zyehen von schaiden vnd wil
er fliehen So soltu Im nahen Zu weislich wartes fachen | Glosa | merck
das ist das wenn du Im zuckest vnd Im sein kunst vnd stuck
zu° nicht machst | vnd In nicht
lest kumen zu° schlegen oder zu° stichen | vnd
Im sein were zu° lanck | vnd
zu° kurtz worden ist | vnd mit
seinen henden dein ort aus wil reissen von der seittñ do
du Im hast angesetzt | oder chihen | oder
wil zu° dem swert | oder degen
greiffen das sein | vnd wild fliechen
|
Man muß wissen, daß das Zucken folgendermaßen
geht: Nimm deinen Speer in beide Hände in derselben Weise
wie das Halbschwert, so daß die Daumen zusammenstehen.
Wenn du zucken willst, zieh den Speer mit der rechten Hand
nach hinten und laß deinen Speer mit zartem Fühlen
in deiner linken Hand laufen. Wenn du dann unten einen freien
Stich zu den Händen oder wo auch immer hin gestochen hast,
stich ihm mit dem Zucken oben zum Visier.
Du kannst überdies unten an seinem Speer durchzucken oder
wechseln und stets erneut an jegliche Blöße ansetzen.
Tu nichts anderes.
Wenn er von der Scheide ziehen und fliehen
will, sollst du dich ihm nähern. Beachte sehr klug das
Erfassen.
Wenn
du zuckst, mach deinem Gegner seine Kunstfertigkeit und seine
Stücke zunichte, indem du ihn nicht zu Schlägen oder
Stichen kommen läßt. Wenn ihm seine Waffe zu lang
oder zu kurz geworden ist und er mit seinen Händen deinen
Ort von der Seite, an der du ihm angesetzt hast, wegreißen
oder -ziehen will, oder wenn er sein Schwert oder Dolch ergreifen
und fliehen oder nach hinten gehen will, so sollst du seinem
verlorenen Gleichgewicht nachfolgen, und zwar mit deiner kurzen
oder langen Waffe, ganz was dir das beste scheint.
|
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109 v
|
| oder tretten hinder sich | So
soltu Im nach volgen nach seine~ verloren gewicht mit deiner
kurtzen | oder langen were was dich
das pest gedunckt | Also wiltu In
fachen oder werfen weislich | vnd
pald so pleib peÿ der kurtzen were | vnd
nicht peÿ der langen so hastu deñ die vorgreiffen
zu° seine~ leib das pricht sein sterck ~~
Das ist der text
Ob du wil ringen Hinder pain recht lere
springen Rigel für schiessen das vor pain kunstlich schliessen
von paiden henden ob du mit kunst gerest wenden | Glosa | merck
das ist | vnd sind ringen die du
treiben | vnd suechen soldest Im
kampf das erst ist hinder pain zu° springen | oder
Im rasch hinder sein ruck zu° tretten mit deinem rechten
fuess hinder sein lincks pain | oder
seiten so dauch vnden mit deine~ rechten knÿe sein linck
knÿepüg | vnd nahen | Im
fast mit deine~ leib | vnd oben mit
der rechten hant zeuch auch zu° ruck | Also
das das knÿe vnden | vnd die
hant oben mit ein ander gee mit dem zÿehen | vnd
dauchen
| Item du magst auch hinder ruck
springen oder tretten mit schnellichait | vnd
mit deine~ knÿe in sein ruck gesetzt | vnd
druck von dir | vnd oben peÿ seiner
hauben gezogen zu° dir hu°tt dich aber das er dein
knÿe | oder pein nicht begreiff | vnd
sich
|
So erfaßt oder wirfst du ihn gewiß. Bleib sofort
bei deiner kurzen Waffe und nicht bei der langen, so hast du
den Vor-Griff zu seinem Körper. Dies bricht seine Stärke.
Wenn du ringen willst, lern, richtig hinters
Bein zu springen, einen Riegel vorzuschieben, das Bein kunstfertig
zu verschließen. Von beiden Seiten, wenn du mit Können
aufhören möchtest. [Im ersten Kampffechtenteil und
auch in der Einleitung der Handschrift heißt es »enden«,
hier aber »wenden«. Die Übersetzung muß dadurch
nicht einmal notwendigerweise modifiziert werden.]
Dies
sind die Ringen, die du ausführen und um die du dich im
Zweikampf bemühen sollst. Das erste: Spring hinters Bein,
oder tritt ihm mit deinem rechten Fuß schnell hinter
seinem Rücken hinter sein linkes Bein oder die Seite.
Drück dann unten mit deinem rechten Knie seine linke Kniebeuge.
Näher dich ihm kräftig mit deinem Körper und
zieh ihn außerdem oben mit der rechten Hand zurück,
und zwar so, daß das Knie unten und die Hand oben gemeinsam
ziehen, beziehungsweise drücken.
Du kannst auch schnell hinter den Rücken springen oder
treten und dein Knie in seinen Rücken setzen. Drück
ihn von dir und zieh ihn oben am Helm zu dir. Paß aber
auf, daß er nicht dein Knie oder Bein greift und sich
umdreht.
|
 |
110 r
|
vmb drät | Dar vmb ist es pesser
vermiten wenn es hat vil pruch ~
| Item das ander ringen | Ist
der rigel für schiessen fur einen oder paide pain | vnd
von paiden seitten ist es albeg gu°t | vnd
gewis | Also siech welches pain er
vor gesetzt hat das selb setz | Im
auch für fur einen rigel | Ist
das er setzt für das recht pain so nah im nach | vnd
setz dein rechts pain Im zwischen sein paide das dein rechte
scheib wol stee an seiner rechten scheiben ~
| Doch vor allen sachen so müstu
vor begreiffen sein rechte hant in der wag Im gelenck mit deiner
lincken | vnd dein rechte hant auswendig
in der püg zu° dir mit deiner rechten hant | oder
mit deine~ rechten arm~ von vnden auf dein hant seÿ | vnd
dein arm~ oben seÿ so zeuch oben den arm~ zu° dir | vnd
dauch mit deine~ rigel vnden von dir | vnd
würf In auf dein rechte seitten auf das maul | oder
arm~ prich
| Item das dritt ringen ist das
vor pain kunstigklich schliessen | Also
merck auf sein pain das dir am nagstenn ist | wenn
du in der arbait in wild werfen | vnd
mit vortail dar zu° ku~men magst | So
far mit deinen paiden offen painen vmb sein pain das da vor
stet vmb sein knÿscheib mit deinen paiden scheÿben | vnd
druck dein paidew knÿe zu° sam~en fast | Also
das sein scheÿb seins pains nicht von dir chöme
|
Deshalb sollte man es besser vermeiden, denn es gibt viele
Brüche.
Das zweite Ringen heißt den Riegel vorlegen und zwar
vor ein oder beide Beine. Es ist auf beiden Seiten immer gut
und sicher. Schau also, welches Bein er vorgesetzt hat und
setz ihm das selbe vor, um es zu verriegeln. Ist es das rechte
Bein, näher dich ihm und setz ihm dein rechtes Bein zwischen
seine beiden, so daß deine rechte Kniescheibe genau an
seiner rechten steht.
Vor allem aber mußt du zuvor sein rechtes Handgelenk
im Gleichgewicht mit deiner Linken ergreifen und deine rechte
Hand außen in der Beuge bei dir. Mit deiner rechten Hand
oder mit deinem rechten Arm sollst du von unten auf deiner
Hand sein, so daß dein Arm oben ist. Zieh oben den Arm
zu dir und drück unten mit deinem Riegel von dir weg.
Wirf ihn auf deine rechte Seite auf das Gesicht, oder brich
den Arm.
Das dritte Ringen ist, das vordere Bein geschickt zu verschließen.
Achte hierfür auf das Bein, das dir am nächsten ist.
Wenn du ihn im Kampf werfen willst und zu deinem Vorteil dazu
kommen kannst, fahr mit deinen beiden offenen Beinen um sein
vorstehendes Bein, und zwar mit deinen Kniescheiben um seine
Kniescheibe. Drück beide Knie fest zusammen, so daß er
mit seiner Kniescheibe nicht von dir entkommen kann.
|
 |
110 v
|
| vnd stos in oben peÿ seiner
hauben | So ruck mit einer | oder
mit paiden henden pricht er mit hinder rucken | oder
zucken | vnd trit hindersich folg ÿm
nach vnd gewin Im an die ander seitt ~
Das ist der text
Ob sich vor ruckt das swert gegen sper
wirt gezuckt der stich Ju war nÿm spring vach ringes
eil zu Im linck lanck von hant slach spring weislich vnd deñ vach vnd
druck Ob er wil zuchen von schaidñ vach vnd druck
In das er die plöss mit swertes ort verdröss | Glosa
merck das ist hastu ein swert | vnd
er ein sper | vnd er auf dich sticht
mit dem sper | vnd dich vber lengen
wil | vnd sticht einen langen freÿen
stich zu° deinem leib | So nÿm
war wenn er sticht so spring weislich | vnd
rasch aus dem stich des spers | vnd
begreif in vnd würf in mit dem vorgeschriben ringen | ee
er wider sticht | Hastu aber kein
were In deinen henden | So streich
ab mit lerer hend als | Im ross vechten
geschriben stet | Hastu aber ein
swert so streich von der lincken seittñ zu° seine~
sper | vnd als pald du sein sper
trifst | vnd dir nicht zuckt | oder
zucken mag | Also wenn er sticht | vnd
du wol trifst zu° Im gesprungen oder getretñ hast
so vach | oder begreif in mit vernüft
|
Stoß ihn oben an seinem Helm und reiß mit einer
oder mit beiden Händen. Wenn er das mit Nach-hinten-Reißen
oder Zucken bricht und nach hinten geht, folg ihm und besieg
ihn auf der anderen Seite.
Wenn es so endet, daß Schwert gegen
Speer gezogen wird, achte genau auf die Stiche. Spring, fang,
eil mit Ringen zu ihm. Schlag links sofort lang mit der Hand.
Spring geschickt und fang dann. Wenn er von der Scheide ziehen
will, fang und bedräng ihn, damit er die Blößen
mit dem Ort des Schwertes aufgibt.
Wenn
du ein Schwert hast und er einen Speer, mit dem er zu dir sticht,
um dich aus der Distanz anzugreifen, wobei er einen langen
freien Stich zu deinem Körper sticht, so beachte, daß,
wenn er sticht, du besonnen und schnell vom Speerstich wegspringst.
Ergreif ihn und wirf ihn mit dem oben erwähnten Ringen,
bevor er erneut sticht. Hast du aber keine Waffe in deinen
Händen, streich mit leerer Hand ab, wie es im Roßfechten
beschrieben wird. Hast du aber ein Schwert, streich von der
linken Seite zu seinem Speer. Sobald du diesen triffst und
er nicht zuckt oder nicht zucken kann, wenn er sticht, nachdem
du gut getroffen hast und auf ihn zu gesprungen oder gegangen
bist, so fang oder greif ihn mit Umsicht und wirf.
|
 |
111 r
|
| vnd würf | Wil
er aber zucken swert oder degen | vnd
wil das sper fallen lassen | So lug
auf den degen | oder messer oder swert
zyehen | Ee er zeucht | vnd
lass in nicht dar zu° chu~men | Sunder
begreif Im vorñ sein hant | oder
sein leip | vnd druck in dar nÿder
mit kunsten als vor geschriben ist Im ringen | vnd
du Im nahent zu° chumpst so mag er dir kainen schadñ zu° zÿehen
mit seine~ swert weder mit an setzen | weder
mit slachen mit dem kloß | wenn
ir seit paid zu° nahent an ein ander das er nicht mag dar
zu° chömen ~
Das ist der text
Leder vnd hantschuech vnder augen die plössen
recht suech Verpotne ringen weislich zu° lere pringen
zu° schliessen finde die starcken do mit vberwinde | Glosa | merck
das ist | vnd sind die plöss
die du suechen solt Im fechten | oder
wenn du In geworffen hast | vnd sein
mächtig pist also du solt Im stechen vnden zu° dem
hantschuech | oder stich Im vnder
sein vchsen | oder stich zu° allen
pauchflecken | vnd huett dich das
du zu° nider nicht stichst als zu° den hoden | Anders
er vber lauft dich | vnd wirft dich
auch ~ ~
|
Will er aber Schwert oder Dolch ziehen und den Speer fallen
lassen, achte auf das Dolch-, Messer- oder Schwertziehen, bevor
er zieht. Laß ihn nicht dazu kommen, sondern ergreif
vorne seine Hand oder seinen Körper und drück ihn
geschickt nach unten, wie oben beim Ringen beschrieben. Wenn
du nahe zu ihm kommst, kann er dir mit seinem Schwert keinen
Schaden zufügen, weder mit Ansetzen, noch mit Knaufschlägen,
denn ihr seid beide zu nahe aneinander, so daß er nicht
dazu kommen kann.
Leder und Handschuh, im Gesicht. Such die
Blößen genau. Lern, die verbotenen Ringen geschickt
anzuwenden. Finde Verschließen, überwinde damit
die Starken.
Dies
behandelt die Blößen, die du beim Fechten suchen
sollst. Wenn du ihn geworfen und ihn überwältigt
hast, sollst du ihm unten in den Handschuh stechen, unter seine
Achsel oder zu allen Stellen am Bauch. Hüte dich davor,
nicht tiefer zu stechen als zu den Hoden, denn sonst überläuft
er dich und wirft dich ebenfalls.
|
 |
111 v
|
| Merck hastu recht an gesetzt den
ort vnden in sein hantschuech | oder
zu°m leder | vnd merckest das
du hafst vnd er plu°tt vom stich | oder
nicht so ring nicht | Sunder druck
in mit deine~ ort von dir zu°m kraiß vntz er sich
ergeit das selb setzt du Im recht an in sein visir zuck nicht
dein ort die weil du magst | vnd wenn
ers prechñ wil mit seinen stucken so prichß | vnd
ring | vnd volg Im albeg | vnd
fleuch nicht von Im | vnd vber gib
Im nicht der vor gewunnen vortail mit der ploss ~
| Merck eben ist das du Im mit deiner
were alc? also chumen pist In sein plöss vnder
den hantschu°ch | vnd In also
auf sperrest | vnd die seitt also
gewunnen hast deinem veint | Ju ringen
wilt oder müest | So wart der
nagsten seittñ do begreif Im sein pain mit deinen paiden
henden | Also far mit deiner ainen
hant vorñ durch sein paide pain | vnd
chum ir zu° hilff mit deiner anderñ hant hinden
hoch pey seinem archs | vñ schleus
dein paide hendt in ein ander heb | vnd
würf in pald auf sein seitten | vnd
puck dich nicht nÿder mit dem haubt in dem ringen sunder
prüst dich auf forñ | vnd
senck dich mit nider mit dem arch | vñ das
haubt hindersich | Ist es not das
emphinstu wol an seiner leng oder kürtz
|
Hast du den Ort richtig unten in seinen Handschuh angesetzt
oder am Leder und merkst, daß du Halt gefunden hast und
er durch den Stich blutet oder auch nicht, so ring nicht. Drück
ihn statt dessen mit deinem Ort von dir weg zum Kreis, solange,
bis er sich ergibt. Setz ihm gleichfalls direkt in sein Visier
an. Zuck deinen Ort nicht, während du kannst. Wenn er
das mit seinen Stücken brechen will, brich es und ring.
Folg ihm stets und flieh nicht vor ihm. Überlaß ihm
nicht den zuvor errungenen Vorteil der Blöße.
Wenn du ihm mit deiner Waffe so an seine Blöße
unter dem Handschuh gekommen bist, daß du ihn aufschließt
und du deinen Gegner an der Seite besiegt hast und ringen willst
oder mußt, so achte auf die nächste Seite. Ergreif
dort sein Bein mit deinen beiden Händen. Fahr so mit einer
Hand vorne durch seine beiden Beine und unterstütz sie
mit der anderen Hand hinten oben bei seinem Gesäß.
Verschließ deine beiden Hände ineinander, heb und
wirf ihn sofort auf seine Seite. Bück dich beim Ringen
mit dem Kopf nicht nach unten, sondern richte dich vorne auf
und sink mit dem Gesäß nach unten und dem Kopf nach
hinten, wenn es nötig ist. Das kannst du an seiner langen
oder kurzen Reichweite gut spüren.
|
 |
112 r
|
| Oder würf in mit dem vor
geschriben ringen | Also suech deine
vortail geleicher weiß in allen plössen die | oder
ander nach deiner vernüft ~
Das ist der text
In aller ler den ort gegen der plöss
ker | Glosa | merck
das ist das du nÿndert solt an setzen den ort denn zu° der
plöss | oder do der man zu° gewinnen
ist | vñ du dich nicht vorgebst
aus der wag
Das Ist der text
Wo man von schaiden swert zucken sicht
von in paiden do sol man stercken die schutten recht eben
mercken
| Glosa | merck
das ist wenn Ir nu chu~men seit von den spiessen | vnd
paid swert habt so sterck dein swert also hab deins swertz hanthab
mit der rechten hant | vnd mit der
lincken hant vorñ das swert nahent mitten in der clingen | vnd
gee auf den man | vnd süech In
mit schlegen | vnd an setzen | Schlecht
er auf dich mit seiner kloßen vor setzt mit halbem swert
den schlack | vnd setz den ort Im wider
zu° den plössen zu° dem visir zu° der prust
oder vnden zu° seiner voderñ hant | vnd
merck eben die schütteñ | Wenn
du an ferst mit deinem swert das du recht | vñ hochgenüg
|
Oder wirf ihn mit dem oben beschriebenen Ringen. Such so
mit Verständigkeit auf gleiche Weise deinen Vorteil in
jeglicher Blöße, sei es die eine oder die andere.
Wende mit jeder Waffe den Ort zur Blöße.
Du sollst
den Ort nirgendwo ansetzen außer an der Blöße
oder wo man den Gegner bezwingen kann, wobei du dich nicht
aus dem Gleichgewicht begeben sollst.
Wenn man sieht, daß beide das Schwert
aus der Scheide ziehen, soll man stark sein. Beachte genau
das Erschüttern.
Wenn
ihr nun von den Spießen abgelassen und beide ein Schwert
habt, stärk dein Schwert, so daß du deinen Schwertgriff
mit der rechten Hand hältst und mit der linken Hand vorne
das Schwert in der Nähe der Klingenmitte. Geh auf den
Gegner zu und versuch, ihn mit Schlägen und Ansetzen zu
erreichen. Schlägt er mit seinem Knauf zu dir, versetz
den Schlag mit dem Halbschwert. Setz den Ort wieder zu den
Blößen: zum Visier, der Brust oder unten zu seiner
vorderen Hand. Beachte genau das Erschüttern, daß,
wenn du dein Schwert bewegst, du richtig und hoch genug mit
entsprechender Stärke versetzt, damit er dich nicht schlägt
und du nach seinem Schlag den Ort erneut direkt ansetzen kannst.
|
 |
112 v
|
mit guter sterck | Vor setzst das
er dich nicht slach | vnd das du nach
seine~ slag den ort an mügst wider recht an gesetzt | Oder
merck eben auf in wenn er tu°t ob er mit dem kloß dich
slachen wolt | vnd nicht schlüg | vnd
griff zu° ringen | oder zu° hend
stechen ~
Das ist der text
Vor nach die zwaÿ dingk prüf
weislich lere mit abspringk volg allen treffen den starcken
wiltu sÿ effen wert er so zuck stich wert er Jü zu° Im
ruck Aber lanck ficht so pistu kunstlich bericht | Glosa | merck
das ist das du in allen sachen albeg solt vor chumen es seÿ mit
stichen mit schlegen mit ringen magstu aber nicht chumen dar
zu° ee deñ dein feint so wart klugklich auf noch
das sind die prüch auf alle sach die er ver maint | vnd
begert zu° tu°n vñ prich ÿe sein stuck
Im noch ee ers vor pringt oder er gesigt dir an | Merck
also wil er dich werfen | vnd setzt
dir ein schrãck so kum vor vnd wirf In zu° ruck
swingt er dich vmb Im ringen so swing Im nach | vnd
würf in Im nach swang also geleicher weis wenn ir euch
zerrett vmb ein swert paid | vnd
ein ÿeder es haben wolt ~
| Merck wil er dich slachen zum
kopf mit seine~ kloß mit dem vor | So
spring | oder schreit | oder
trit klugklich ab dem slag
|
Oder beobachte ihn sorgfältig, ob er so tut, als wolle
er mit dem Knauf schlagen, aber nicht schlägt. Ring oder
stich zu den Händen.
Vor und Nach: Bedenk besonnen diese zwei
Dinge. Lern mit Wegspringen. Folg in jedem Aufeinandertreffen
den Starken, wenn du sie narren willst. Wehrt er ab, so zuck,
stich. Wehrt er ab, bedräng ihn weiter. Falls er lang
ficht, bist du geschickt vorbereitet.
Du sollst
stets in allen Dingen im »Vor« vorkommen, sei es
mit Stichen, Schlägen oder dem Ringen. Kannst du aber
nicht vor deinem Gegner dazu kommen, so achte verständig
auf das »Nach«, dazu gehören die Brüche
gegen alle Dinge, die er beabsichtigt und auszuführen
wünscht. Brich ihm jedes seiner Stücke noch bevor
er es ausführt, oder er besiegt dich.
Will
er dich werfen und setzt dir eine Grenze, komm vor und wirf
ihn zurück. Dreht er dich im Ringen um, dreh dich ihm
nach und wirf ihn im Nach-Schwung auf gleiche Weise, wenn ihr
euch beide um ein Schwert reißt und jeder es haben will.
Wenn er dir im »Vor« mit seinem Knauf zum Kopf
schlagen, spring oder geh oder tritt geschickt vom Schlag weg
auf seine Seite und wirf ihn.
|
 |
113 r
|
auf sein seitten | vnd wirff In | Ist
er dir aber zu° starck so volg Im albeg nach in seinen
sachen es sey schlahen | oder stechen
mit deine~ an setzen | vnd wenn du
das tüst so mag er zu° slag nicht chumen er prech
dir denn dein an satz so sich auf das nach | Oder
ist das er wert so zuck vnd setz wider an | vnd
volg albeg mit deine~ zucken Im nach | vnd
lass In nicht aus seinem ort kumpstu aber zu° vorsläg | vnd
er dir zu° starck ist so slach einen schlack nach dem anderñ als
oft du magst zu° seiner hauben zu° seinen armen zu° seinen
elpogen zw° seinen henden zu° seinen fuessen | vnd
wo du In geswechen magst | vnd ist
das er lanck ficht | Also das er sich
langk strecht | vnd weit streicht | vnd
sleg tu°t | So pistu vor Im sicher ~
Das ist der twext
Greift er auch sterck an Das schiessen
gesigt Im an Mit seine~ schlahenden orte Schutzt er sich trif
an foricht mit paiden henden den ort zu° den augen lere
wenden Des voderñ fuess mit schlegen du hüetten
müest | Glosa | merck
das ist wenn du auf dein feint zw° dem kopf zu° der
hauben slachen wild | vnd er starck
mit kurtzem swert mit paiden henden dir den slag vor setzen
wil | so drëw Im oben mit schlachen | vnd
pring sein swert wider
|
Ist er dir aber zu stark, folg ihm stets in seinen Angelegenheiten
nach, sei es mit Schlägen oder Stichen mit Ansetzen. Wenn
du das tust, kann er nicht zu Schlägen kommen, es sei
denn, er bricht dir dein Ansetzen. Achte in diesem Fall auf
das »Nach«. Oder, wenn er dich abwehrt, zuck und
setz erneut an. Folg ihm immer mit deinem Zucken und laß ihn
nicht von deinem [»seinem« laut Manuskript] Ort.
Kommst du aber zu Schlägen im Vor und er ist dir zu stark,
so schlag einen Hieb nach dem anderen so oft du kannst zu seinem
Helm, den Armen, Ellenbogen, Händen, Füßen
und wo du ihn sonst schwächen kannst. Wenn er lang ficht,
indem er sich lang streckt und weit schlägt und Hiebe
austeilt, bist du so vor ihm sicher.
Greift er überdies stark an, besiegt
ihn das Werfen. Mit seinem schlagenden Ort schützt er
sich. Triff ohne Furcht. Lern, mit beiden Händen den
Ort zu den Augen zu wenden. Auf den vorderen Fuß mußt
du mit Schlägen achten.
Wenn
du deinem Gegner zum Kopf und zum Helm schlagen willst und
er dir den Schlag stark mit dem kurzen Schwert mit beiden Händen
versetzen will, bedroh ihn oben mit Hieben und bring dein [»sein« laut
Manuskript] Schwert erneut in Stichposition.
|
 |
113 v
|
Zw° dem sticht | vnd
stich zwischen sein paid arm~ von oben nÿder nahent peÿ den
henden | Im gelenck | vnd
druck nÿder mit deinem swert | Das
get auch zw° von vnden auff | Dar
nach so fass mit kunst dein swert zum slag wider | vnd
schlag an alle sarg ein grossen gewissen schlack auf dein veint
mit dem schlachenden ort das ist der kloß deins swertz | Ist
das er vor setzt mit halbem swert vnd springt nach dem schlag
deine~ ort Im wider zw° seinen augen | vnd
hüett er nicht wol seines vorsatzten fuess mit hÿnder
triten | So schlach ÿm zu°m
pain zu° der knÿescheib mit dem kloß | vnd
verschlach dich nicht aus der wag | Anders
er gewüñ dir den ruck an | vnd
würf dich nider hinderwärtz | oder
sünst darnach vnd er gelerñt hiet | Es
ist zw° wissen das du nicht mer mortschleg süllest
dann einen | Es wär dann das
du In treffen mügst das es nÿder fiel oder Im ein
arm~ | oder sünst ein nämlich
led lam | oder abschlügst so
schlach oder stich als vil du mügst zu° w wegen
pringen magstu aber nicht so wind albeg dein swert wider vnder
dein vchsen | vnd setz dein ort wider
an zu° seinem gesicht nach ÿedem schlag | Ist
das er dir zw° maisterlich ist ~
| Annodominimilesimoquadringentesimo
quinquagesimosecundo
* •| M•| H•| I•| T* deo
gratias
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Stich zwischen seinen beiden Armen von oben nach unten nahe
bei den Händen ins Gelenk und drück mit deinem Schwert
nach unten. Dies geht auch von unten nach oben. Faß danach
mit Geschicklichkeit dein Schwert, um erneut zu schlagen. Schlag
ohne Furcht einen kräftigen und bestimmten Hieb mit dem
schlagenden Ort (das ist der Knauf deines Schwerts) auf deinen
Gegner. Wenn er das mit Halbschwert versetzt und wegspringt,
[setz] ihm nach dem Schlag deinen Ort wieder zu seinen Augen.
Schützt er seinen vorgesetzten Fuß nicht ausrechend
mit einem Schritt nach hinten, schlag ihm mit dem Knauf zur
Kniescheibe des Beins. Verreiß nicht, damit du nicht
aus dem Gleichgewicht kommst, ansonsten besiegt er dich im
Rücken und wirft dich nach hinten nieder oder so, wie
er es sonst gelernt hat. Du mußt wissen, daß du
nur einen einzigen Mordschlag machen sollst, es sei denn, du
kannst ihn so treffen, daß er niederfällt oder ihm
einen Arm oder sonst ein bestimmtes Glied lahm- oder abschlagen.
Schlag oder stich in diesem Fall so häufig du es zustandebringen
kannst. Gelingt es aber nicht, winde stets dein Schwert wieder
unter deine Achsel und setz deinen Ort nach jedem Schlag erneut
an seinem Gesicht an, wenn er dir zu meisterhaft ist.
Im Jahre des Herrn 1452
MHIT [?] Gott sei gedankt
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