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Hammaborg – Pas d’Armes

Die Regeln, wie gekämpft werden soll

Der Zweck

Wir fechten für unsere Ehre und mit unserer Kunst, wir fechten nicht um einen Sieg. Wir zeigen Kunstfertigkeit und wahren ritterliche Haltung. Der Pas d’Armes ist eine würdige Zurschaustellung unserer fechterischen Kompetenz, die wir anhand von Fechtbüchern im Training erworben haben.

Ein gelungener Pas d’Armes zeichnet sich durch Geschicklichkeit, Eleganz und Versiertheit in den Techniken aus, durch Haltung, Selbstbeherrschung und Waffenkontrolle – mit einem Wort: durch Sprezzatura.

Die Teilnehmenden

Tenans

Der Tenans (der Haltende) ist die herausfordernde Partei. Der Tenans signalisiert seine Bereitschaft für den Pas d’Armes durch ein am linken Oberarm getragenes Kleinod. Dieses Kleinod kann beispielsweise ein farbiges Band oder Tuch oder ein anderes Kennzeichen sein.

Venans

Der Venans (der Kommende) ist die Partei, die die Herausforderung akzeptiert. Der Venans berührt mit der rechten Hand das Kleinod des Tenans. Dadurch wird der Pas d’Armes bindend und soll nach Klären aller notwendigen Umstände umgehend ausgeführt werden.
Da bei HEMA-Turnieren mitunter farbige Bänder getragen werden, soll der Tenans im Zweifelsfall entsprechend angesprochen werden: »Ist das Kleinod, das du trägst, ein Zeichen, dass du zum Pas d’Armes einlädst?«
Der Tenans soll antworten: »Das tue ich, ich bin für den Pas d’Armes bereit«, woraufhin der Venans das Kleinod mit seiner rechten Hand berühren soll.

Grieswart

Der Grieswart ist der Unparteiische. Er hat eine lange Stange, mit der er Anfang und Ende eines Gangs anzeigt. Ebenfalls unterbricht er einen Gang, wenn eine Situation gefährdend wirkt, Rüstungsteile der Wartung bedürfen oder eine andere Situation eine Unterbrechung erforderlich macht.
Der Grieswart begleitet seine Aktionen mit laut gerufenen Ansagen, damit sowohl das Publikum, sofern vorhanden, als auch die Fechter:innen in ihren Helmen sie möglichst gut verstehen können.

Warner

Die Warner sind die Sekundanten der Fechter:innen und stehen ihnen zur Seite.
Sie führen die Fechter:innen auf den Kampfplatz.
Sie halten vor und nach den Gängen die Waffen bereit, um sie anzureichen und anzunehmen.
Sie achten auf die Unversehrtheit ihrer Fechter:innen und reichen beispielsweise Wasser an.
Sie assistieren auf Zuruf oder wenn sie selbst sehen, dass eine Rüstung beschädigt wird oder gerichtet werden muss. Dafür ist eine Kampfunterbrechung nötig, die sie beim Grieswart erbitten.
Sie können, wenn sie eine Gefahrensituation erkennen – für gleich welche Partei –, umgehend das Gefecht eigenmächtig unterbrechen.

Die Waffen

Die Waffen beider Fechter:innen sind stets symmetrisch, niemals geht eine Stahl- gegen eine Holzwaffe, niemals eine viel längere gegen eine viel kürzere. Größtmögliche Gleichheit der Waffen ist erstrebenswert, aber nicht verpflichtend.
Bei der Rüstung sind Konzessionen gestattet, da nicht von völlig gleichartigen oder -wertigen Harnischen ausgegangen werden kann.
Alle Abweichungen sollen von den Fechter:innen besprochen werden: Kommunikation hilft.

Axt

Es werden Mord- oder Streitäxte von ungefähr zwei Meter Länge verwendet. Der Schaft ist aus Holz, der Hammer und der hintere Ort sind aus Gummi oder Kunststoff. Es liegt im Ermessen der Fechter:innen, ob beispielsweise eine Hellebarde gegen eine Axt geführt werden darf.
Die Axt wird für einen Streich oder Hieb niemals lang – mit beiden Händen am hinteren Ort – gehalten (eine Stahlaxt soll imaginiert werden); ein Durch-die-Hand-Gleiten oder Einschießen eines Orts jedoch ist statthaft.

Schwert

Die Fechter:innen einigen sich, ob mit Schwertern aus Stahl, Aluminium, Holz, Kunststoff oder einem anderen Material gefochten werden soll. Dünne, schmale oder spitze Örter müssen mit einem Pöpsel versehen werden.

Dolch

Die Fechter:innen einigen sich, ob mit Dolchen aus Stahl, Aluminium, Holz, Kunststoff oder einem anderen Material gefochten werden soll. Dünne, schmale oder spitze Örter müssen mit einem Pöpsel versehen werden.

Rüstung

Wer viel hat, darf viel tragen. Der Pas d’Armes darf und soll auch ein optisches Vergnügen sein.
Es ist nicht davon auszugehen, dass zwei Harnische auf demselben Stand sind und dass Schutzwirkung oder Bewegungsumfang auch nur annähernd gleich sind. So kann ein kompletter Plattenharnisch mit Ringpanzerteilen einer HEMA-Fechtjacke und -Maske entgegenstehen. Im Extremfall ficht eine vollständig gerüstete Person gegen eine gänzlich ungerüstete. Sicherheit ist – nicht nur hier! – das höchste Gebot. Diesem Umstand ist Rechnung zu tragen, indem abgesprochen wird, in welcher Intensität gearbeitet wird.

Der Kampfplatz

Der Bereich, in dem der Pas d’Armes ausgeführt wird, kann flexibel gehandhabt werden. Eine durch Schranken begrenzte Fläche ist ebenso möglich wie ein völlig freies Areal. Die Fechter:innen sprechen sich diesbezüglich ab. Die Fechter:innen können am Rand des Kampfplatzes einen Stuhl oder eine andere Sitzgelegenheit für Ruhephasen haben.

Der Ablauf des Pas d’Armes

Nachdem der Venans das Kleinod des Tenans berührt hat, wählen sie sich ihren jeweiligen Warner und einigen sich auf einen Unparteiischen, der die Funktion des Grieswarts  übernimmt.

Der Standardablauf sind drei Gefechte mit je einer Waffe zu drei Gängen:

  • drei Gänge mit der Axt,
  • drei Gänge mit dem Schwert,
  • drei Gänge mit dem Dolch.

Nach Absprache können auch andere Arrangements getroffen werden.

Ritterliche Haltung

Wir gehen mit würdevoller Haltung ins Gefecht und auch wieder hinaus. Unsere Rüstung allein sollte dafür Sorge tragen. Unerwünscht sind Waffenfuchteln, lautes Rufen, markiges Faustrecken und andere unangemessene Gesten.
Die Fechter:innen diskutieren in keinem Fall darüber, ob ein Treffer zu Recht oder Unrecht erkannt wurde. Es geht nicht um Treffer, es geht um Kunst, Eleganz und Schönheit.
Letztlich wollen wir einem entweder real vorhandenen oder imaginierten Publikum eine bestmögliche Demonstration unserer Fertigkeiten in den ritterlichen Künsten bieten.

Die Gänge

Treffer

Tenans und Venans einigen sich, was als Treffer gilt (Ansetzen des Orts, Mordschlag, Hieb mit dem Hammer oder Blatt der Axt, Immobilisieren etc.). Hier sind insbesondere die Blößen des jeweiligen Harnischs ausschlaggebend. Ein völlig geschlossener Plattenharnisch hat eine größere Schutzwirkung als eine HEMA-Jacke; leichtere Sportausrüstung erschöpft weniger schnell als viel Stahl. Agilität und Größe der Blößen sollen gegeneinander aufgerechnet werden.

Würfe

Tenans und Venans einigen sich, ob Würfe erlaubt sind oder nicht.

Anfang

Tenans und Venans begeben sich an ihren Platz an den jeweiligen Enden des Kampfplatzes und dürfen sich auf einen Stuhl oder andere Sitzgelegenheit (sofern vorhanden) setzen.
Der Grieswart gibt mit lautem Rufen den Beginn der Gänge mit den gewählten Waffen bekannt: »Es beginnen die Gänge mit der Axt« etc.
Der Grieswart bittet die Kämpen, sich zu erheben.
Der Grieswart bittet die Warner, die Waffen auszuhändigen.
Der Grieswart bittet die Fechter:innen, sich zu grüßen. Die Geschwindigkeit und die Gemessenheit, mit der gegrüßt wird, bestimmt das Tempo der Gangs. Etwaige Verstöße sollen vom Grieswart angemerkt werden, und der Gang soll gegebenenfalls unterbrochen werden. Beim dritten Verstoß wird der Gang vom Grieswart kategorisch beendet.
Der Grieswart sagt mit lauter Stimme sagt er den jeweiligen Gang an. Er verfügt über eine lange Stange. Indem er sie zwischen den Duellanten erhebt, zeigt er den Beginn eines Gangs an.

Pausen

Zwischen den einzelnen Waffendisziplinen gibt es eine Verschnaufpause und Ruhephase, in der die Fechter:innen auf ihren Stühlen (sofern vorhanden und gewünscht) ausruhen dürfen. Die Länge der Pause liegt im Ermessen des Grieswarts.

Unterbrechungen

Der Grieswart kann das Gefecht unterbrechen, wenn

  • eine Rüstung der Wartung bedarf,
  • eine Waffe beschädigt ist (beispielsweise durch fehlenden Ortschutz).

Nach der Unterbrechung beginnen die Fechter:innen an ihren Startpositionen erneut. Der Gang gilt nicht als beendet.

Der Grieswart darf die Kämpen bei sehr robustem oder unsauberem Fechten ermahnen und um Mäßigung bitten.

Ende

Wenn der Grieswart seine Stange zwischen den Fechtenden senkt, ist der Gang beendet.

Ein Gang ist beendet, wenn

  • der Grieswart einen Treffer erkannt hat,
  • sich Tenans und Venans geeinigt haben, dass der Verlust einer Waffe das Ende eines Gangs bedeutet und eine Waffe verloren wurde oder eine Entwaffnung erfolgt ist,
  • der Grieswart eine Gefährdungssituation für eine oder beide Parteien erkennt,
  • die Warner eine Gefahrensituation sowohl für die eine als auch die andere Partei erkennen – da sie keine Stange haben, äußern sie sich durch lautes Rufen,
  • der Grieswart unsicheres oder unsauberes Fechten feststellt,
  • der Grieswart eine unklare oder unübersichtliche Gefechtssituation bemerkt,
  • eine:r der Fechter:innen einen selbst empfangenen (keinen ausgeteilten) Treffer anzeigt,
  • eine Partei um das Ende des Gangs bittet – dies kann durch Handheben oder ein anderes vereinbartes oder offenkundiges Zeichen geschehen.

Nach den drei Gängen mit einer Waffe begeben sich die Fechter:innen an ihre Positionen und übergeben die entsprechende Waffe ihren Warnern.

Aufgabe

Tenans und Venans können jederzeit ohne Angabe von Gründen um den Abbruch des Pas d’Armes bitten. Ob dies hohen Temperaturen, versagendem Kreislauf, plötzlicher Schwäche, unbestimmbarem Unwohlsein oder anderen Ursachen geschuldet ist, ist vollkommen irrelevant. Dem Wunsch ist umgehend stattzugeben.

Abbruch

Sowohl der Grieswart als auch die Warner dürfen den Pas d’Armes abbrechen, wenn sie einen Verstoß gegen die obigen Regeln feststellen. Unehrenhaftes Verhalten – und sei es eine unwürdige und unfaire Axthaltung – führen zum Abbruch des Pas d’Armes. Auch wenn Bedenken bezüglich der körperlichen (oder emotionalen) Sicherheit der Fechter:innen bestehen, erfolgt unmittelbar ein Abbruch. Ein abgebrochenes Gefecht kann ehrenvoller sein als ein bis zum peinlichen Ende durchgeführtes.

Beschluss

Nachdem drei Gefechte zu drei Gängen erfolgt sind und nachdem die Fechter:innen ihre Waffen ihren Warnern übergeben haben, können und dürfen sie auf Wunsch die Visiere öffnen oder ihre Helme oder Masken ablegen.
Der Grieswart beendet den Pas d’Armes mit der Feststellung, dass beide Kämpen sich ehrenvoll und auf ritterliche Weise geschlagen haben und der Kunst Ehre erwiesen haben. Er bittet sie, sich einander zu nähern und sich ihrer Freundschaft und Wertschätzung zu versichern. Der Tenans soll fragen: »Wollen wir uns wieder vertragen?« und der Venans soll antworten: »Wir wollen und stets vertragen.«
Sie dürfen sich umarmen oder die Hand geben.
Die Fechter:innen gehen in Freundschaft auseinander.

Wir fechten für unsere Ehre und mit unserer Kunst, wir fechten nicht um einen Sieg.