Anmerkungen
Dieses ist die Transkription einer zum Teil illustrierten Handschrift
aus dem Jahr 1508. Das Original
befindet sich unter der Bezeichnung
E.1939.65.341 in der R. L. Scott
Collection, Glasgow. Aus urheberrechtlichen
Gründen ist es mir bedauerlicherweise nicht möglich, den
Texten die entsprechenden Abbildungen beizugeben. Deshalb finden
sich hier lediglich die Texte.
Die Handschrift
Die Handschrift ist wie andere Manuskripte des ähnlichen Zeitraums
eine Sammlung unterschiedlicher
Autoren zu unterschiedlichen
Aspekten des Fechtens. Der vorliegende
Codex ist insofern bemerkenswert,
als er Ähnlichkeiten zu zahlreichen Handschriften des 15. Jahrhunderts
aufweist:
- Der Text zum langen Schwert in der Fassung Sigmund Emrings ist
zum allergrößten mit derjenigen des Dresdner Sigmund-Ringeck-Manuskripts
(Mscr. Dresd. C 487) identisch.
Interessanterweise nennt
Paulus Kal in der Münchner Handschrift Cgm 1507 auf fol. 2r
einen Meister Sigmund Amring
als der Gesellschaft Liechtenauers zugehörig, im Ringeck-Manuskript
selbst wird der Autor als »Sigmund ain ringeck« vorgestellt.
- Die weiteren Stücke zum langen Schwert erscheinen auch im
Ringeck-Manuskript. Hier werden
sie aus der eisernen Pforte,
dort aus der Nebenhut gefochten.
- Die Techniken
der zweiten Ringen-Abteilung
des Glasgower Manuskripts
gleichen denen von Andre
Lignitzer aus der Handschrift
44 A 8 (sog. Peter von Danzig),
jedoch wird er hier nicht
namentlich als Autor ausgewiesen.
- Die Stücke mit dem Buckler jedoch nennen Lignitzer
als Autor, anders als im
Ringeck- oder auch im Jude-Lew-Manuskript
(Augsburg, Cod. I 6 4° 3).
Diese beiden Handschriften
nennen explizit keinen Namen.
- Martin Sibers Texte zum langen Schwert tauchen ansonsten lediglich
bei Hans von Speyer (Salzburg,
M.I.29) auf.
- Auch die Gefechte anderer Meister (»Andres Juden Jobs
von der Nyssen Nicklass
prewsñ Hans pfaffen Döbringers«) erscheinen
nur in einer einzigen
weiteren Handschrift:
Cod. Hs. 3227a aus Nürnberg. Durch das
Glasgower Fechtbuch wird
nun eindeutig klar, daß der
Pfaffe Hans (oder Hanko)
Döbringer nur ein Meister unter vielen
war und daß somit weiterhin die Handschrift 3227a keinesfalls
seine Urheberschaft beanspruchen
kann.
- Anders als
in den meisten der übrigen Manuskripte (3227a, Ringeck, Jude
Lew, Hans von Speyer) gehen
in der vorliegenden Handschrift
die sogenannten
Figuren – kurze Texte in
26 Kreisen – dem Liechtenauerschen
Roßfechten voran. Einzig die Handschrift 44
A 8 zeigt diese ebenfalls,
das Lew-Manuskript immerhin
stelt sie in Textform voran.
- Anders als in den Fassungen des Juden Jew oder Hans von Speyers
werden Kampf- und Roßfechten Johannes Liechtenauer zugeordnet.
- Das Roßfechten ist weniger ausführlich als das in
der Handschrift 44 A 8 aber
umfangreicher als bei Ringeck
und wiederum anders ausformuliert
als beim Juden Lew.
Das Glasgower Fechtbuch stellt ein Kompendium aus zahlreichen
Quellen dar und bietet Verbindungslinien
zu diversen weiteren Fechthandschriften,
ohne jedoch eindeutig ein einzelnes
Vorbild zu haben.
Aus früheren Fechtbüchern scheinen ganz unterschiedliche
Abschnitte als Quelle zu dienen,
um eine ganz neue Zusammenstellung
zu kreieren.
Die Handschrift ist streckenweise illustriert. Es handelt sich
dabei um zwei Kapitel: Johannes
Liechtenauers Stücke
im langen Schwert in der Fassung
Sigmund Emrings und der erste
Abschnitt eines anonymen Verfassers
zum Ringen (zwei weitere Kapitel
zum Ringen bleiben unillustriert).
Dies stellt eine interessante
Besonderheit dar, denn es ist
die – bisher – früheste bekannte illustrierte
Fassung von Liechtenauers Langschwertlehre
bekannt. Die sogenannte Goliath-Handschrift
(Ms. Germ. Quart. 2020, Krakau
von ca. 1510–1520) bietet ebenfalls
Abbildungen, nämlich
38 im Langschwertteil. Das Glasgower
Manuskript bietet zwar lediglich
31, jedoch fehlen leider die
ersten Blätter, auf denen erwartungs-
und erfahrungsgemäß die
Techniken zum Zorn- und zum Krumphau
behandelt worden wären. Die zwei Illustrationsblöcke sind
von deutlich unterschiedlicher
Qualität: Der Teil zum langen Schwert ist farbenfroh aber recht
roh gehalte, die Ringtechniken
sind anatomisch detaillierter
wiedergegeben, jedoch – bis
auf zwei Ausnahmen – lediglich
in Gelb- und Rottönen. Rainer Leng identifiziert insgesamt
sechs Zeichner.
Die Transkription
Die Transkription orientiert sich so getreu wie möglich am
Original. Der Buchstabe »v« wird nicht in »u« oder »v« aufgelöst.
Abbreviaturen, Verdoppelungs-
oder andere Sonderzeichen oberhalb
eines Buchstabens bleiben (im
Rahmen der eingeschränkten typographischen
Möglichkeiten des Internets) weitgehend erhalten. Häufige
Zeichen über »u« oder »w« um sie vom ähnlichen »n« zu
unterscheiden oder den vokalischen
Einsatz anzuzeigen, bleiben in
der Regel unberücksichtigt, gelegentlich aber sind die Unterschiede
zu anderen Auszeichnungen subtil.
Durch Bindung oder Beschnitt sind gelegentlich kleinere Fehlstellen
entstanden, die ich nach Möglichkeit in eckigen Klammern ergänzt
habe.
Ich bin Jeffrey Hull zu außerordentlichem
Dank verpflichtet, denn ohne
seine unschätzbare Hilfe und Unterstützung
wäre diese Arbeit nicht möglich gewesen. Vielen herzlichen
Dank.
Quelle
Rainer Leng (Bearbeiter): Katalog der
deutschsprachigen illustrierten Handschriften des Mittelalters, Band
4/2, Lieferung 1/2 – 38. Fecht- und Ringbücher. C. H.
Beck’sche Verlagsbuchhandlung, 2008
Dierk Hagedorn, Juli 2009
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Johannes Liechtenauer / Sigmund Emring
Langes
Schwert
Langes Schwert:
weitere Stücke
Martin Siber
Langes Schwert
Messerfechten
Andere Meister
Gefechte
Ringen
Andre Lignitzer (?)
Ringen
Jude Ott
Ringen
Johannes Liechtenauer
Roßfechten
Johannes Liechtenauer
Kampffechten
Martin Huntfelt (?)
Dolch
Dolch
Martin Huntfelt
Harnischkampf
Andre Lignitzer
Buckler
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