Transkriptionen | Paulus Hector Mair | Vorrede

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Der Erst
Tail diß
Fechtbu°ch

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Vorred

Es were wol recht vnnd billich Vnnd hette mich auch fu°r gu°et vnnd Ratsam angesehen • Das ich dises Ritterlich Eernbu°ch • dieweil sich Jede ku°nst • beÿ allen verstenndigen • mit gu°tem gru°nd selbs verthedingen vnnd versprechen kan • on alle vorred von mir au°ßgeen lassen • sollte • Dieweil ich aber merckh • sihe vnnd briefe • das dise manliche Ku°nst des Fechten • wie annder ku°nsten mer• so dem geliebten Vatterlannd als fu°r nu°tzlich vnnd Eerlich • den mentschen du°rch die gelerten geprisen vnd zu°lernen fu°rgestellt sein• von den Ihenigen • so au°ß fau°lkait vnnd hinlessigkait • der gu°ten tu°genden vnnd ku°nsten nicht achten • au°ch dieselben zu°lernen kain liebe noch naigu°ng nicht allain nit tragen • sonder dieselben vil mer au°ß vnwissender frechen fau°len leichtu°ertigkait • mit verachtlichen schmachworten • besu°dlen vnnd belegen ( • wie ich dann die lannge zeit • als ich dises Eernnwerckh zu°samen geordnet • selbs erfaren • vnnd solches offtermalen mit verdru°ß hab hören mu°essen • ) Derhalben ich wider meinnen willen veru°rsacht vnnd bewegt worden • das ich der Edlen Ritterlichen ku°nst des Fechtens vnnd allen geliebten Eerlichen vom Adel vnnd su°nst • so sich der manlichen Ku°nst • dem Eerliebenden Vatterlannd zu Eern • nu°tz vnnd wolfart gebrau°chen • ein klaine Vorred vnnd verthedigu°ng vorher hab setzen vnnd ordnen wellen Daran mich au°ch neben annderer mu°he vnnd arbait • so ich au°f dises werckh gelegt • der vncost gar nicht betau°ren soll ungezweifleter hoffnu°ng • das dise Vorrede dem leser zu° gu°tem verstenndigem bericht raichen vnnd gedeichen werde / •

Es haben sich die alten vnnd New°en Griechischen / Lateinischen vnnd Deu°tschen Historici • ob dem Ritterspil des Fechtens • Inn etlichen pu°ncten vnnd Articu°len Namlich au°ß was gru°nd vnnd vrsachen • au°ch zu° welcher zeit • Inn was Lannd vnnd gelegenhait vnd auch du°rch wen sie anfengcklich Jren vrspru°ng empfanngen • vnnd hergeflossen seÿe • seer vast bemu°ehet • aber Inn der vrsach vnnd Jarzal • au°ch Ort vnnd gelegenhait sie alle vast vberain stimmendt • vnnd zu°gleich bekennen Das dise Ritterliche ku°nst des Fechtens • der Ju°gent von hochen vnnd Nidern stennden zu° eernzu°cht vnnd anraitzu°ng gu°ter Mannlicher tu°gent • au°ch zu° schu°tz vnnd erhalltu°ng des Vatterlanndts • sampt aller Redlichkait Im anfanng gefu°ndiert auch die zu° lernen fu°rgenomen worden seÿ Noch werden sÿ allain Inndem • welcher der erst erfinder diser Ku°nst zu°benennen were • etwas mißhellig vnd vngleicher mainu°ng befu°nden •

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Vnnd wiewol etlich der Gelerten sagen das dise ku°nst des Ritterspils • wie annder ku°nsten mer Inn die mentschen zu kumen • seinen einflu°s • begird vnd lu°st • von oben herab • das ist von gott vnnd Himlischer Influ°entz • des Gestirens haben mu°eß • welchs dann au°ch wol zu° glau°ben Hieneben sagen ainstails das Polux • welchen die Römer geeret haben • ein anfenger diser Eerlichen ku°nst gewesen seÿ • Anndere wo°llen solche erfindu°ng vnnd Eher dem Mercu°rio zu° aignen • Es werden aber baider anzaigu°ng • au°ß der vrsach das nicht befu°nden wirt • was nu°tz vnd fru°cht sie Inn diser ku°nst geschafft • au°ch welch herren sie zu° Schu°eler gehabt • die Ku°nst von Inen gelernet • vnd hinder Inen verlassen haben • etwas du°nckel vnnd vnleerhafftig befu°nden •

Aber der merertail Derselben Historiographeÿ sagen vnd zeu°gen • das Probas • welcher beru°empter Fechter • vnnd ain lermaister Teseÿ • des Ku°nigs zu° Athen Inn Griechenlannd • Inn welchem Reÿch die Ritterliche ku°nst Im anfanng • vnnd lannge zeit hernach vast • geplu°eet hat • gewesen ist • der erst erfinder vnnd au°frichter diser Ku°nst gewesen seÿ • Dann diser Probas die Ritterliche übu°ng dem Ku°nig Teseÿ • mit so scho°nen gru°ndtlichen Argu°menten • dem Ku°nigreich vnnd Vatterlannd • au°ch allem ordenlichem wesen vnnd redlichkait • sampt allem was zu° erhaltu°ng der Freÿhait des Vatterlannds diennet • als ain hoch nu°tzliche Artzneÿ wider die vnu°tzen hinlessige faige fau°lkait • vnnd anndrer leichtu°ertigkait • zu° dem ho°chsten geprisen • vnnd gelobet welches bemellter Ku°nig Teseu°s zu° hertzen gefiert • vnnd hat Inn bedenncku°ng • das dise Ritterliche Ku°nst vnnd übu°ng des Fechtens • zu° fridlichen zeiten der Ju°gent ein Eerliche vnnd manliche vbu°ng seÿe Vnnd aber Inn der nott vnnd geferlichkait dem Vatterlannd zu° ehrn • nu°tz vnnd wolfart raichen vnnd gedeihen mo°g • dem Probas • glau°ben geben vnnd darau°f selbs • sampt etlichen der seinen vom hof des po°sten Adels • dise Ritterliche ku°nst des Fechtens zu°lernen vnnderstannden • Inn welchem Probas • hochbeflissen gewesen • Vnnd hat sich also die Eerliche Ku°nst des Fechtens • au°ß vrsachen das Jeder dem Vatterlannd • Inn der not zu° helffen • dester Ku°nnder vnnd geschickter befu°nden wu°rd dermassen so vast zu°genomen • Das bemelter Ku°nig Teseus • etliche ko°stliche heu°ser zu° der übu°ng diser Ku°nst • zu° Athen vnnd annderstwo Inn seinem Reich • nicht mit wenigem uncosten • reichlich gebaw°en hat • Welches dann ein anfanng der lernu°ng des Fechtens Inn gemain gewesen ist • Es haben sich aber dise ding beÿ dem zehenden Ku°nig

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der Athenienser Teseus genannt Welcher nach der Rechnu°ng Vrspergensis 30• Jar • geregiert • vngeu°arlich Anno • 1224 • vor der gebu°rt vnnsers hailannds Jhesu° Christi • sich zu°getragen • vnnd verloffen • vnnd von dannen her dise ku°nst • weliche die Ku°nig fu°ndiert vnnd noch vil von Ku°nigelichem vnnd Fu°rstlichem geschlecht vnnd geblu°et • dasselbig Inen selbs zu° ainner Adenlichen Vbu°ng • dem vatterland zu° Eern nu°tz vnnd nottu°rfft geprau°chen • auch billich ein Adelichs Ritterspil warhafftig genent werden  mag • /

Was aber fu°r fleÿs Vnnd Reichlicher vncosten von den alten au°f dise Ritterliche Ku°nst des Fechtens gelegt • au°ch mit was ernst • vnnd Eerlichem ansehen dise übu°ng gehalten worden • zu°dem was fu°r hohe personnen sich diser ku°nst zu°lernen vnnderfangen • vnd das au°ch dise Ku°nst allen Lannden vnnd Ku°nigreichen zu° gu°tem geraicht habe • will ich au°ch erzelen vnd beschreiben •

Nachdem die mentschliche Nattu°r Inn der plu°eende Ju°gent nicht ru°wen • oder feiren kan • Vnnd aber dise Ritterliche übu°ng • als ain manliche tu°gendt nicht allain Inn • Grecia • sonnder Inn aller weelt größlich gelobt • vnnd Inn hochen Eern gehallten ward Do wu°rden Inn den lannden Grecia • vnnd anndern orten mer • vnnd besonders Inn der Lanndtschafft Boecia von dem starcken vnnd weit beru°embten Fechtmaister Cercioni

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platz vnnd ort • darau°f man Fechten Ringen Kempffen vnnd annder Ritterspil üben sollt erwelt vnnd gefreiet • die den namen Palestra • von Im empfanngen • vnd des die Lateiner noch zu°nennen Im geprau°ch haben • Dennen haben nachgeu°olget • die gewaltigen Stet als Athen • Argis • Sparta • Corinthon • vnnd anndere völcker mer • die ich vmb geliebter ku°rtze willen • zu° beschreiben vnderlassen • will Nachdem aber die Ritterliche Ku°nst Inn Italian eingetreten • seind von den Römern gar ku°nstliche grosse heu°ser • mit vnseglichem vncosten • Reichlich erbaw°et • vnnd • Theatrum • das ist Schaw°heu°ser genannt worden • vnnder welchen erbaw°u°ngen • der Römisch Consul Staurus • welcher ein solichen ku°nstlichen Theatrum • der au°f • 360 • Marbelstainen seu°len stu°nde • vnnd hu°ndert bar fechter darInnen Fechten mochten • dem Gott Jouis zu° eern erbaw°et • den preis erlannget hat Inn welchen Schaw°heu°sern dann die Fechtmaister zu° bequ°emblicher zeit • vnnd sonderlich an den Festtägen • darau°f dann soliche übu°ng des Ritterspils • den Go°ttern zu° ehern gestifftet was • zu°samen kamen • vnnd alsda Ir vbu°ng des Fechtens Ringens lau°ffens • baides zu° Roß vnnd fu°oß hielten • Es wu°rden au°ch der vbu°ng des Fechtens • mit so ainer Eerlichen ansehlichen züchtigen Ordnu°ng zu°gesehen • das Sessiones • wohin Ieder dem Ritterspil zu°zesehen . Namlich • nachdem er geadlet • oder Inn des Rats Ämbtern gewesen • sitzen sollt • gemacht vnnd geordnet wu°rden • dann das Römisch volckh diß Ritterspil dermassen geliebt vnnd das zu°lernen vnnd zu°besu°echen • so hoch beflissen gewesen das sÿ etwann mit so grosser anzal Inn die Theatrum • vnnd Schaw°heu°ser zu°samen • ku°men das die gemellte gebew° • unangesehen • das sie von ku°nst vnd sterck so fleissig gemacht • solchen last des volckhs • nicht hat ertragen mo°gen Vnnd wie Liuius schreibt das zu° Fidena • ein solch hau°s • von wegen des grossen lasts ernider ganngen • zu° boden gefallen • vnnd ob • 2000 • • Mentschen • erschlagen hab Es werden aber noch heu°tigstags an vil orten • solche anzaigu°ng der verganngne vnnd zerfalne Schaw°heu°ser Inn Griechen • Italia vnnd Lombardia • vil gesehen vnnd Innsonders zu° Rom vnd Diethrichs Bern noch heu°tigstags • gu°te anzaigu°ng von sich geben •

Zu°u°or ist gehört Wie das dise Ritterliche Ku°nst • der Mannlichkait • von den geleert verstenndigen au°ch von den Ku°nigen vnnd Fu°rsten • als vorsteeher der lannden vnd Ku°nigreichen • selbes herfu°r gebracht • vnnd fu°ndiert worden seÿ • welchs dann au°ß vrsachen • das Lannd vnnd Lew°t •

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Witwen vnnd Waisen • beÿ friden • ru°w • vnnd Freÿhaiten beleiben • vnnd vor den Tÿrannen • beschu°tzt vnnd errettet werden mögen • beschechen ist • Hat aber solchs seinnen volku°mnen au°ßganng fru°chtbarlich haben söllen • so haben die höchsten ha°u°bter • als Ku°nig • Fu°rsten • Consules vnd Senatores • dise Ritterliche Ku°nst • selbs fu°r die hand nemmen • leernen • vnnd Inn das werckh pringen • vnnd damit also anndern Iren vnnderthanen • ein Exempel der anraitzu°ng • von sich geben mu°essen • vnnd weren Inn disem faal der hochen Potentaten • als • Kaiser • Ku°nig • Fu°rsten vnnd Herren • seer vil zu°benennen • welchs Jch / au°f das der gu°thertzig Leser nicht zu°u°il beschwert werde • Vnnd Innsonders der Griechen zu°melden vnnderlassen • Aber allain die Namhafftigesten Römer • zu° zeu°gknu°ß der sach • zu°dem ku°rtzisten einfiern vnd beschreiben will •/•

Romu°lu°s. der erste Stiffter vnnd Gesatzgeber • der Stat Rom • vnd Ku°nig daselbst • hat sich nach beschreibu°ng Plu°tarche • du°rch sein sterckh • geschwindigkait vnnd ku°nst des Fechttens • Im streit wider die Fidenates • so loblich vnnd Redlich gehallten • das die feind geschlagen vnd dardu°rch • dem Römischen namen grossers lob • Nu°tz vnnd Eer widerfaren ist /

Ju°liu°s der erst Römische Kaiser • Hat seinnes Leibs Gwardia • so geboren Teu°tschen • vnnd beru°embte Fechter • deren au°ch vber vierhu°ndert gewesen • seinen leib allain • vnd su°nst niemand annders vertraw°en wo°llen vnnd zu° Rom au°f dem platz Marcio • selbs gefochten • au°ch etlich Clainat vnnd gewinnet er den Fechtern ku°rtzlich vor seinem Tod au°fgeworffen • Deßgleichen •

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hat au°ch • Augustus • der Kaiser mit grössem Lu°st • selbs gethon • die Fechter angericht • darzu° geholffen . vnnd zu°gesehen • welchem dann Tiberius der drit • Römisch Kaiser Inn liebe der Ritterlichen Ku°nst Reichlich nachgeu°olget hat • welchs alles Suetonius Tranquillus vnnd annder mer Inn Iren beschreibungen melden .

Die Römer • hetten ein gewonhait das Sie Inn Gaistlichen sachen die Götter mit diser vbu°ng des Ritterspils • au°f gewonlichen Festtagen • vereereten • Im monat Martio • haben sie der Palladj • als ainner Göttin des Kriegs • ein gro°ß Fest namlich Fu°nff tag lanng daru°nder dreÿ tag mit Fechten volbracht wu°rden • ganntz Eerlich gehallten • Inn welchen dreien tagen was ein besonderer Hau°ptman verordnet • der die Ju°gent zu°erhaltu°ng der manlichen redlichkait Im Fechten • Inn allen whoren zwaÿmal Im tag zu° mörgens vnnd abents vnnderweisen sollt • als die leicht Brutj. vnnd sein begrebnu°ß beganngen werden sollt • haben seine zwen Su°ne Marcus • vnd Decius • den Fechtern gewinneter vnnd Clainnater • daru°mb zu° Fechten reichlich verordnet • desselben gleichen • als • Probas • der Kaiser wider die Teu°tschen den sig erlanngt vnnd Triu°mphiert • hat er den Göttern zu° Eern • neben anndern vierhu°ndert bar Fechter • vor der gemaind Fechten lassen •

Gleÿchsfals Domicianus • etwann beÿ der Nacht • vnd Gordianus au°f ein zeit Fu°nffhu°ndert Bar Fechter • vnnd hernaher Kaiser Philippu°s • der Arabier • Inn ainnem Schaw°spil • dem Römischen volckh vnnd seinem Triu°mph zu° ehrn Tau°sent Bar Fechter • au°f ain tag hat Fechten lassen • Deren Exempel • vnnd geschichte~ weren noch vil zu°erzelen • aber mich bedu°nckt das dißmals zu° ainer anzaigu°ng gnu°g seÿ •

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Es hat aber Im anfanng Vnnd zu° diser zeit • ein anndere Mainu°ng Inn dem Fechten gehabt • vnnd nachdem ein Jeder verstenndiger Fechter selbs ermessen kan • so haben die Ku°nstliche stu°ckh vnnd verborgne griff • trit vnnd straich Im anfanng nicht wie Jetzu°nd • herfu°rgethan werden mögen • aber mit der Zeit • als sich die gelerten • die ich hernach benennen will • Au°ch die Ku°nig / Fu°rsten vnnd herren • sich der Ritterlichen übu°ng angenommen • alda seind die bösten Ku°nstlichsten stu°ckh vnnd vortail • damit der mann Inn allem thu°n vnnd faellen der nott • gewu°nnen werden möcht • du°rch Iren vleÿß herfu°rku°men • vnnd hat solches so lanng gewehret • das sie zu°letst Inn Zettel oder Bu°echer • mit bossen vnnd schrifften • gebracht worden sein • als man dann beÿ den alten • so die Ku°nst geliebt noch heu°tigs tags • Inn der erfaru°ng sihet •

Zu°dem haben die alten Unnd Innsonders die Griechen • ein solchen lu°st vnnd liebe der Ritterlichen vbu°ng [gehabt an den Rand geschrieben mit Einfügungszeichen an diese Stelle] • das sie sich etlich tag zu°u°or emalen sie haben Fechten wo°llen • etlicher schleckhafftiger speiß vnnd getrannckh • au°ch vor dem wollu°st der weiber • sampt allem was den Leib schwecht vnnd schweren athem machet / enthallten, vnnd sich der speis • als flaisch vnnd annders so den leib sterckt/ gebrau°cht • Derhalben die gelerten • Medicj •vnnd Innsu°nder der weitberu°embt • Galenus • mermalen daru°on Ku°nstlich dispu°tiert haben • ob der abpru°ch vnnd abstinentz • oder die vbu°ng des Fechtens • dem leben des Mentschens nu°tzer seÿe • Der hailig Pau°lu°s meldet solichs Exempels weis au°ch Inn seinner Epistel da er sagt Ir Sehent das sich alle die • welche vmb ein zeitlich zergenngckliche Eer vnnd klainat Fechten vnnd streiten wo°llen • sich von allem wollu°st enthallten • Als wollt er sagen • waru°mb nit Ir als fromen Christen • au°ch , die nit vmb ein Irdisch • sonder vmb ein Himlische Eer Inn diser wellt streitten ?? Vnnd haben derhalben alle liebhaber diser Ritterlichen Ku°nst • wol zu°gedenncken • das es diser Zeit nit volle tru°nckne • vnnd vnbeschaidne • sonnder nu°echtere geschickte • vnnd ganntz Ku°nstliche Fechter geben hat • Man findt au°ch sellten Inn schrifften • das beÿ den vrallten au°ß neid vnd haß • sonder au°ß lieb vnnd Ku°nst gefochten worden seÿ als laider zu° vnnser Zeit vil beschicht • Wann die alten sich gecastigeÿet vnnd also den tag des Fechtens erwartet haben Da hat man dann die Fechter mit Iren gewho°ren darInnen sie haben Fechten sollen • ganntz Eerlich au°f we°gen zu° dem Fechtplatz oder • Theatrum • gefu°ert • vnnd Inen die gewinneter vnnd Clainat fein abgemalt Conterfect •

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vorher getragen • au°ch solchs am marckt zu°u°or Angeschlagen dem gemainen man solches damit zu° wissen gethon • Disen gebrau°ch geben die Historischreiber dem Terencio Lutano • welcher dreÿ tag nachainannder alweg dreÿssig bar Fechter au°f dem platz zu° fechten gehallten • mit grossem lob zu° vnnd wann dann die Fechter • Maister vnnd Ju°nger au°f den Fechtplatz komen • haben sie dann die gewho°ren (• wie dann noch Im geprau°ch ist •) nach ordnu°ng nider gelegt • alß dann seind aller Fechter Namen au°f zettelin von pappir geschriben worden • vnnd darnach das loß ganntz vngeu°arlich mit höchsten vleÿß gehallten • Vnnd welche zwen dann mit dem loß herau°s komen sein • haben dann vmb die klainat • ganntz ku°nstlich vnnd Eerlich Fechten mu°essen • Inndem haben die Fechter Jeder sein gott • ainner den Herculem • der annder den Mercurium • die anndern Polux • vnnd Castorem • vnd also fu°rtan • mit höchstem fleyß angeru°ffen vnnd gebeten • das Inen gu°te ku°nstliche • vnnd nicht vnbeschaidne • die der Ku°nst nicht wol erfaren • Fechter • Im loß zu°geschickt • vnnd beschert werden solt • Welchs dann alles ein anzaigu°ng von sich gibet • Das die alten mer du°rch ku°nst • vnnd von • Ritterlicher Zu°cht vnnd Eern • dann vmb annderer sachen wegen gefochten haben • vmb disen willen den nachkomenden Fechtern • vnnd der Ritterlichen Ku°nst zu° eern • die Fechtschu°olen • wie die gehallten worden • an die Spacierheu°ser vnnd Sael der reichen Contrafectisch abgemalt • vnnd wer die gehalten • vnnd den preis erlangt • fein beschriben worden • seind • vnnder welchen der Libertus des Kaisers Neronis • welcher zu° Ancio • an dem grossen Kaiserlichen pallast vnnd spacierhau°s • die Fechtschu°olen vnnd Fechter gar artlich vnnd zierlich hat abconterfecten lassen • den preiß behallten •

So haben sich au°ch die Geleerten Philosopi von diser Ritterliche Ku°nst zu° schreiben vnnd dieselben selbs zu°lernen gar nicht geschemet • vnnder denen Pithagoras • den man fu°r ein gu°ten Fechter gehabt hat • der erst gewesen sein soll • dann er an dem Fest der XLVIII Olympiadis • mit seinen ku°nstlichen Fechten • den preiß erlanngt hat • deßgeleichen vil anndere treffennlich Philosophi mer, on nott alle zu°melden • gethan haben Marcus Tulius Cicero der Römisch Bu°rgermaister vnnd etwann verwallter des gantzen Römischen Reichs •

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schreibet von dem lob des Fechtens also • Ich achte vnnd setze genntzlich • das niemand vnnd gar kainner Inn die zal der gelerten wolredner gerechnet werden soll • welcher nicht in allen ku°nsten • die den Rittermessigen zu°geho°ren • abgericht • vnnd deren erfaren seind • vnnd ob wirs schon vnnder der Red • die nit gebrau°chen • noch sicht man vnns solchs an • ob wir Inn Ritterlichen spilen geu°bt seinn oder nicht Dann die beweglichkait vnnd geberden • des leibs • sich mit der beweglichkait der stimm • In Frölichen oder kläglichen sachen Concordiern vnnd vergleichen • vnnd solches dem zu°ho°rer vil dester annemlicher erscheinet • Welches der Hochgelert Redner Quintilianus • bestettigt vnnd sagt • das die Personnen • so des Ritterspils des Fechtens sich gebrau°chen • zu° loben • vnnd gar nicht zu°u°erachten seien • vnnd setzt dessen vrsach • das dieselben zu° der ku°nst der wolredenhait der beweglichkaithalben ein grossen vortail vnnd fu°rdernu°s haben • Anarchus • der zu° der Zeit Cresÿ • des Ku°nigs In Lidia • der Zeit als Rom • 194•Jar gestannden • was • gelebt hat • schreibet • das In groß verwu°ndere Dieweil die Griechen so trefflich Richter seien • vnnd darneben die Fechter • so einannder beschedigen • mit plaetzen • heu°sern • gewinneter clainnater • vnnd höchstem lob • so herrlich vnnd wol hallten • als wolte er sagen • Die Griechen halten gu°te Fecht • vnd erziechen Ir Ju°gent Inn aller manlicher Ritterlicher vbu°ng • die zu°erhalltu°ng der Freÿhait diennet • vnnd geben Jedem was sich gebu°rt • baide disem das lob • Jhenem die straff ?? Dergleichen spru°ch so dem Fechten zu° Eern fu°rderlich seind • weren noch vil zu° beschreiben • bedu°nckt mich au°ß vrsachen • das dem Lesterer diser ku°nst Nimmer guu°egsam beschicht • au°f dißmals • Inn disem faal gnu°g sein •

Aber ehemalen vnnd ich vonn • Dem letsten stu°ckh • das ist von dem nu°tz des Ritterspils etwas sage kan ich mich au°ß vrsachen • das der kampff als ein ernstliche zierd des Fechtens • wiewol von dem Kampff Inn disem Bu°ch au°ß wichtigen vrsachen • wenig begriffen • mitnichten enthallten • sonder von demselben ein wenig• vnnd das au°f das ku°rtzest zu°melden mich vnndersahen •

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Der Hochgelert doctor Johannes Auentinus • Zeu°get Inn seinem ersten Bu°ch • seiner Chronica • so er von dem herkomen des altloblichen hau°s zu° Bairn gemacht hat • das zu° der zeit Jacobs des Patriarchen • Inn Teu°tschlannden • ein Ku°nig Gampar • oder Kempffer • aber Sächsisch • welche sprach der Teu°tschen zu°ngen am enlichisten zu°gemessen wirt • der Ku°nig • gemper • genannt wirt • [[d]au°on das wort Kempfen seinen vrspru°ng habe; am Rand geschrieben] welche die alten • als Homerus • Orpheus• Ariostiphus • Diodorus • Siculus vnd Strabo • neben vil anndern mer • clärlich bezeu°gen • diser Gampar • hat mit seinen Teu°tschen das ganntz Asiam bekriegt • vnnd das mit seinnem ernstlichen Namen erfu°llet Daher der nam des kampff • oder kempffer als ainer ernstliche hanndlu°ng • seinnen vrspru°~g haben soll • wer aber sich des kampfs zu° dem ersten gebrau°cht • sagt vorgemellter • Auentinus •das In Hercules • der su°n Osirs • des Ku°nigs der Egiptiern au°ß der Isidis die genannt wirt Ceres • seinem gemahel erborn • den kampff Inn Teu°tschlannden • erstlich gebracht habe • Es seind au°ch etlich die sagen • das lanng vor dem Troianischen krieg In Arcadia • von ainnem lanndsfu°rsten • Licaon • genannt • der kampff gehallten worden seÿ • Damit aber der gu°ethertzig Leser • Inn diser Rechnu°ng nut Irr • oder Zweiffelhafftig gemacht werde • soll er wissen • das diser Licaon • lanng nach dem Ku°nig kampffer vnnd dem Hercule gelebt hat •

Anno Mu°ndi 1484 • Vor der gepu°rt Christi vnnsers Hailannds • hat Hercules • mit dem Antheo • seinen kampff gehallten • In au°ß stercke von der erden au°fgehaben • vnd In mit vmbgreiffu°ng der waich in • krefftigelich ertru°ckt • vnnd also ersteckt • dann er In su°nst mit nichten gewinnen mocht •

Eu°sebiu°s schreibet das Athletes • der erst Ku°nig der Corinthier • Alsdann Abbas Vrspergensis • au°ch bezeu°get • von der gebu°rt Christi vnnsers Hailands • 1088 • Jar • du°rch sein stercke vnd geschicklichkait • das Ku°nigreich der Corinthier mit Fechten vnd kempffen • vberkomen • das Fu°nffu°nddreÿssig Jar glu°cklich geregiert habe •

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Virothmen der Kempffer • hat den Orgmenu°en • Etheu°m In ainnem kampff vberwu°nden • deßgleichen hat • Pitarus Mitilonaus • den Hau°ptman von Athen Phrÿnonem • Inn ainnem kampff erlegt • Hector • ein Su°n des Ku°nigs Priami hat vor Troia mit dem Aiacem • ainnen kampff gehallten vnnd dem Ritterlich angesiget Alexander Magnus hat mit Poro • dem Ku°nig Inn India • ainnen treffenlichen Kampff gehallten vnn den mit seiner geschicklichkait vberwu°nden / •

Deßgleÿchen hat au°ch der Ku°nigelich Prophet Dauid • dem grossen kempffer vnnd Risen • Goliath • eerlich angesiget • Es hat au°ch Antheor • dem Tu°rno nicht on sonndere geschicklichait Im kampff obgelegen • Vnnd nachdem die Albaneser • all Ir alt herku°men • herrlichait vnnd Regiment an die Römer gesetzet • vnnd dreÿ starck kempffer des Albanesischen geschlechts Cru°ciaten genannt • an dreÿ der Römer mit Namen Horacÿ zu° dem kampff erwöllet wu°rden • haben die • Horacÿ • au°f der Römer seiten mit sonnderer geschicklichait • die obhannd genomen • die Cru°ciaten erlegt • vnnd also das ganntz Italien dardu°rch erobert Es ist au°ch der Teu°tsch so den Valleriu°m Eoru°inu°m • zu° dem kampff erfordert • Ritterlich erschlagen worden , Manlius Torquatus • hat au°ch ain Teu°tschen Fu°rsten Inn dem Kampff erlegt • vnd Im sein • halsband abgezogen • damit Im vnnd dem ganntzen Römischen Namen • groß Eer eingelegt • Ich will geschweigen der Kaempff so Inn Teu°tschen lannden allenthalben vor allten Zeiten fu°rganngen sein • Man findt Inn alten Teu°tschen geschrifften • das zu° schwaebischen Hall an dem Kochen • vnd zu° Wu°rtzbu°rg • besondere Kampffrecht gehallten • au°ch vil kämpff alda gehallten worden sein Deßgleichen hat zu° Mu°nchen an der Ÿser • Seitz von Althaim vnnd Diepoldt Giß • Anno 1370 • zu° Roß ainnen Ritterlichen Kampff gehallten • darInnen der Seÿtz von Althaim Ritterlich obgesiget hat • Deßgeleichen hat Diethrich Hachsenacker • mit dem Wigleu°s Marschalckh zu° Au°gspu°rg am Lech • Anno • 1409 • an dem Weinmarckt zu° Fu°ß Inn Hemmeter • Hinder zwaien Schildten • Ritterlich gekempffet • Inn welichem Kampff der Marschalck den Hachsenacker

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tapffer erlegt hat • Es haben au°ch die Kämpff Ire sondere Recht vnnd Statu°ten Im rechten • vnnd daneben • werden Ire ordnu°ngen • wie die gehallten werden sollen • Inn den Statbu°echern allenthalben beschriben • klar befu°nden • welchs aber vmb ku°rtz willen alhie zu°melden • vnnderlassen • Vnnd an anndern orten beschriben vnnd au°ßgefu°ert werden soll •

So man aber zu° der nu°tzu°ng Eer vnnd wolfart diser Ritterlichen übu°ng sehen will • werden allerlaÿ gu°te Exempel vnnd Zeu°gcknu°ssen darInnen befu°nden • Dann waher ku°mmen alle ru°nde gu°ebte vnnd gehorsame Kriegßleu°t, annders dann au°ß erfaru°ng vnnd halltu°ng gu°etter Ordnu°ng • Wer kan aber Inn notsachen • gu°te ordnu°ng bas anrichten • dann die Ihenigen • welchen die mannlichkait angeboren • vnnd dieselben mit bestenndiger Hertzhaftigkait zu°fu°rdern • begeren • Das werden dann eben die sein • so au°ch Inn mannhait • Zu°cht • vnnd Redlichkait anndere vnnderweisen kinden • Haben dann dise Redliche Me°nner • beÿden ho°hen potentaten vnd Regimenten • der Ku°nigreichen • Lannden vnnd Steten platz vnnd geho°r • So werden sie au°ch on zweifel vil • die sich der mannlichait lieben vnnd geprau°chen • zu° discipel vnnd Schu°ler vberkomen • Vnd so dann Inn ainner Stat • geschweigen Inn ainner Lanndschafft • diser Personnen die des vatterland zu° beschu°tzen genaigt • vnnd sich zu° demselben • mit Ritterlicher übu°ng geschickt zu° machen vnndersteen an der anzal vil befu°nden werden • So mu°oß Je warlichen [gewiß am linken Rand mit Einführungszeichen an dieser Stelle] eru°olgen • das dieselben Ku°nigreich Lannd vnnd Staett • so schon an er gelegenhait vnnd gemeu°ren • nicht so starckh vnnd veest erscheinen • aber mit solchen Innwonern vnnd Bu°rgern • Inngewont vnnd besetzt werden • sou°il dester [vesster am linken Rand mit Einführungszeichen an dieser Stelle] stercker vnd who°rhaffter go°gen den feinden erscheinen vnnd befu°nden werden mu°essen • des dann Inn nachu°olgenden Exempel vnnd geschichten wol gesehen vnnd bezeu°gt werden soll •

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Die mannhait der Griechen vnnd In su°nder der Lacedemonier • vnnd Bu°rger der weit beru°embten Stat Sparta seind allen der Historien verstenndig seer wol bekannt • dann Ire Ritterliche tu°gent vor der Stat Troia vnnd vil anndern orten • mer • gesehen worden sein • Plutarchus • Inn seiner Aphotegmata schreibet vil lobs von Irer manhait vnnd sagt • Das dise Spartaner den gebrau°ch gehapt haben • wann sie Inn den Krieg wider Ire feind au°ßgezogen sein • so haben allwegen Ire Ku°nig Inn dem ersten glid vorher geen vnd den feind mit mannlichem gemu°et zu° dem ersten angreiffen mu°essen • Vnnd seiner bössten Ritter ainner ein klainat als ein Kron oder kranntz • so der Ku°nig zu°u°or Inn einer Fechtschu°len gewu°nen hett • fein zierlich hab vor Im her tragen mu°essen • Damit sie anzaigten • das Ire Ku°nig mit Mannhait des gemu°ets versehen vnnd su°nst geu°bte vnnd Redliche Kriegßleu°t beÿ sich hetten • Derhalben sie sich au°ch dest manlicher vnnd Ku°nstlicher au°f den Fechtschu°len vmb die klainater zu°fechten • au°f das sie dardu°rch vil ehr erlanngten• vnnd Inn den Kriegen • zenechst beÿ dem Ku°nig mit eerlichem lob vnnd Ku°nhait vorher an die feind ziehen mochten • gehallten haben • Sie haben au°ch die veeste Platz • als Bolwerckh • Meu°ren vnnd graben • zu° vilmalen verachtet • vnnd aber dargegen die Ritterliche Manhait seer gelobt • Agis • der annder Ku°nig der Lacedemonier • als er zu° einner zeit beÿ der Stat Corintho • fu°r zohe • vnnd sahe das dieselb Stat mit starcken lanngen meu°ren vnnd Bolwercken vmbgeben was • sagt er ach wer seind dise weiber • so den vessten platz Innhaben vnnd bewonen • Als wolt er sagen • das Redliche waidliche leu°t • solcher starcken beu°estigu°ng nicht achten sollten • su°nder das die ku°nhait des hertzens • Redlichait des gemu°ets • vnnd Enndlichkait der Fau°st • Inn der Nott zu° loben • vnnd aller beu°estigu°ng fu°rzu°setzen were, Es hat au°ch du°rch solche Redlichkait diser Ku°nig Agis • das reich der Spartaner Fu°nffzig Jar eerlich geregiert • vnnd bestenndig verlassen • Agesilau°s • der Sechst • Ku°nig der Spartaner • au°f ein zeit befraget • waru°mb die Stat Sparta mit Mau°ren • vnd Bolwercken • nit bas bewart • vnnd so vbel versehen were Dem antwu°rt de Ku°nig vnnd sprach secht dise gewapnete • vnnd Inn den Ritterspilen wol erzogne Bu°rger an • dise seind der Stat Sparta Bolwerckh vnnd Mau°ren • damit er gemaint hat • das die Mannhait fu°r alle beu°estigu°ng • Zu° loben seÿ • • Diser Ku°nig Agesilaus • hat au°ch das Reich der Spartaner Vieru°ndu°iertzig Jar Inn eerlichem wesen erhallten vnnd geregiert •

Herodotu°s schreibet Inn seinnem sibenden Bu°ech Himnia • genannt • wie das Xerxes • der Ku°nig der Persier vnnd Medier • au°ß anweisu°ng vnnd anraitzu°ng ainnes ver-

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tribnen Griechen • Demarathus • genannt Ainen treffenlichen grossen Krieg • mit ainer gar hohen anzal volcks • Zu° Roß vnnd fu°oß • als zu°u°or kau°m erhört worden • au°f wasser vnnd zu° Lannd • wider die Griechen gefiert hab • Als aber der Ku°nig Xerxes die Grenitzen der Griechen an ainner Clau°sen Termopilen • genannt • mit seinem volcke erlanngt het • verordnet er die Namhafftigisten vnnd sterckisten Männer vnnd Hau°ptleu°t der Persier mit gro°sser anzal • dasselb ort • zu° ainnem einganng des lands Greciæ • zu°erobern • Es hetten aber diß ort die Griechen • mit • 300 • Spartanischen Bu°rgern zu°u°or besetzet welche Irer gewonhait nach • Iren Ku°nig• Leonides • zu° sich genomen • vnnd allso au°f den feind mit allen begirden Ime den einganng zu°whern • alda wartende • vnnd darneben gu°te wach vnnd achtu°ng mit aller Ritterlichen vbu°ng vnnd anschlaeg au°f die Persier hetten • Als aber die Persier an diß bemellt Ort komen haben sie so ainen ernstlichen vnnd Mannlichen widerstand von der Griechischen besatzu°ng befu°nden • das sie etlich vnnd vil Stu°rm vnnd anleu°ff • vnnd au°ch ein merckliche anzal • Namlich biß Inn zwainzig Tau°sent • daru°nder zwen Ku°nig • dreÿ Fu°rsten • vnnd seer vin von dem Perschischem adel • au°ß der Legion der ontödlichem genant • sampt der pössten Kriegßleu°t • daru°or verloren haben Inn dem der Ku°nig seines vnglu°cks wargenomen • Vnnd mit lau°ter stimm geschrien • O • Ju°pitter Ich bin Inn dem betrogen worden • das ich gar zu°u°il . aber wenig gu°ts geu°bts Kriegsfolckh • mit mir so ainen weitten weeg au°ßgefu°ert hab • als wollte er sagen • Es ligt der sig vnnd victorj nicht an der menge vnnd anzal des volckhs sonnder an der Ritterlichen Mannhait der Krieger • Er hatte au°ch ainen solchen grossen • schaden von disen • 300 • Personnen an bemelltem Ort erlitten • das In der Krieg • den er wider die Griechen fu°rgenommen • zu° vilmalen geraw°en • vnnd offtermalen daru°ber erseu°ffzet hat • zu°dem hat er diß Ort • Inn etlichen Monaten mit allem seinem volckh nicht gewinnen mo°gen • biß Er zu°lesst sein gemu°et • au°f die verrettereÿ begeben hat • Dann Ime ist du°rch ainen hirten : den er mit Reichlichem uncosten vnnd verhaissu°ngen vberredt : ein haimlichen vnnd vnbekannten weg • von oben an dem gebu°rg herab verku°ndtschafft worden Durch welchen weeg • vnnd verretereÿ die Redlichen Spartaner hinden vnnd vornen • mit grossem gewallt vnnd hoher anzal volcks vmbringt vnnd vmb geben worden sein • das sie alle nach lannger Redlicher who°r • biß au°f den letsten Man • ( • dann kainer von Irem Ku°nig hat weichen wollen • ) von den Persier erschlagen worden sein Vnnd wie die Clau°sen erobert • vnnd Ku°nig Xerxes • mit etlichen seiner Hau°ptleu°t au°f die Waldstat komen • vnnd zu° ainem verwu°ndern die Spartaner hat sehen wollen • hat er sie au°f den Beu°chen • vnd nicht au°f dem Ru°ggen fu°nden ligen • vnnd das Ire angesichter Jämerlich Zerhaw°en gewesen • ersehen • hat er sie • wiewol seine feind • treffenlich seer gelobt vnnd gesagt • O • wie sellig ist diß lannd • des diser geu°bten Redlichen Leu°t vil erzeu°gt vnnd darau°f befragt • was doch solche Leu°t fu°r handtieru°ng vnnd Ku°rtzweil triben • Ist Ime geantwu°rt worden • das sie Nimmer mu°essig vnnd grosser abstinentz weren • Darau°f wider gefragt • was doch Ir belonu°ng daru°mb seÿ • Ist Ime zu° antwu°rt du°rch die Arcadier gefallen das sie stets

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9r [Pdf-Seite 21]

Inn den Fechtschu°len • vnnd au°f den Kampffplatzen • zu° Ro°ß vnnd Fu°eß sich vbten • vnnd welcher das po°sst darInnen thete • der wu°rd dann mit ainem Krantz au°ß Ölpau°men gemacht • verert • des beÿ Inen das höchst lob were • Als solches der Ku°nig gehört • hat er abermaln sich zu° seinnen Hau°ptleu°ten gewenndt • vnnd gesagt • O Demarathe Demarathe • ( • vermaint den • welcher In wider die Griechen • zu° kriegen angehetzt hette • ) au°f was Männer hastu° vns angeraitzt zu° kriegen • die nicht vmb gu°et vnnd geelt • sonnder vmb Mannliche Eer vnnd tu°gend : Ire Kampff • vnnd Ritterspil treiben vnnd vben vnnd hat sich hoch beclagt • das er sich wider solche Redliche Leu°t zu°bekriegen au°f gelainet hette • Er hat au°ch nach vilen schlachten zu° wasser vnnd Lannd • mit Inen gethan • angeschafft • allerding mit grossem verlu°st seines volcks • Ja • au°ch mit schannden • widervmb au°ß dem Lannd Grecia • weichen vnnd ziehen miessen • Diser vnnd dergleichen Eerlichen thaten • so au°ß der Ritterlichen übu°ng des Fechtens • entspringen vnnd hergeflossen • weren noch vil • baides beÿ den Griechen vnnd Römerern fu°rganngen vnnd beschehen • zu°erzelen • es will mir sein aber zu°u°il werden Vnnd derhalben au°f das der Leser nicht verdrossen werde • solches vnnderlassen •

Wiewol ich aber dise Vorred geren hiemit beschliessen wollte / so kan ich mich • allen Redlichen vnnd gu°ethertzigen Fechtern zu° eern • mit nichten enthallten • sonder • mich ainner Eerlichen verthedigu°ng etlicher vnhoflicher anrede • mit abgleichu°ng der alten vnd Jetzigen New°en Fechtern gewonhait • art vnnd gepreu°chen • beschließlich zu° hanndlen vnderfahen •

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Corneliu°s Tacitu°s Vnnder den alten • vnd Johannes Auentinus • vnnder den New°en • haben meines erachtens • die art • aigenschafft der vralten Teu°tschen•  vnnd der Römer • wie die Inn der Ju°gent au°ferzogen • vnnd die Ritterspil geu°bt haben • am aller Cleristen • herfu°rgethan • vnnd beschriben • Inn welchen beschreibu°ngen klar gesehen wirt wie die alten Teu°tschen vonn Jugent au°f Inn aller Ritterlichen vbu°ng • erzogen worden sein /

Gar kainnen wein Haben sie beÿ Inen wachssen vnnd au°ch kainen zu° Inen fieren lassen • Ire klaider seind vast dem leib nach geschniten • vnd gar enng gemacht worden, Sie haben au°ch kainnen Kau°fman frembde gezierd • klainat oder klaidu°ng zu° Inen zefiern • gar nit gestattet • Ire gewho°rn • seind schwerter • Mordagst • aletspies • vnnd schmale ku°rtze eisen • die sie frim~en • das seind sto°ßdegen vnnd Tolchen beÿ Inen gewesen • kaine • helm • oder eÿsenhu°et haben sie anfengklich gehabt • aber Schiltlin Tartschen vnnd Bafesen • darhinder sie sich tapffer enthu°elten • vnnd dieselben fein mit farben geziert Daher die Schilt vnnd Wappen herkomen • pfeil zu° dem werffen vnd schiessen • au°ch Scheflin haben sie au°ch gebrau°cht • Es hat aber [kain am Rand mit Einführungszeichen an dieser Stelle] Ju°nger gesell kain seitenwho°r an Im tragen do°rffen • Er habe dann von seinen Nachbau°ren • das er ein Redlicher Mann • vnnd tau°glich zu° der who°r were • gu°te zeu°gknu°ß zu°u°or gebracht • Solche zeu°gknu°ß mu°ste diser so die gehwo°re tragen wollt • au°f der nechsten versamlu°ng vnnd Lanndstag fu°rpringen Alßdann gu°rtet Ime die Oberkait • oder nechste freu°nd • die who°r vmb • vnnd hiengen Im ain schildt an den hals • wu°nschten Im glu°ckh • als Dann ward Er au°ch ainer von der lanndtschafft • ernennt • Inn dem Krieg vnnd streit • hiellten sie disen gebrau°ch • das sie Ire weib vnnd Kinder • vnnd ob die schon Inn der wiegen lagen • mit sich fu°erten • die mu°sten den mannen kochen • das essen vnnd trincken zu°tragen • die wu°nden Ölen • tru°cknen • binden • hailen vnnd zaigten dann • Iren Mu°ettern • vnnd weiben Ire wu°nden • darab sÿ gar kainen grau°sen hetten • sonder sie vasst daru°mb lobten • vnnd wann sie ain schlacht hiellten mit den feinden • So mu°sten die weib vnd kinder nicht weit von Inen hallten • au°f das die mann die Ju°ngen vnnd klaine kinder horten wainen • alßdann schrien vnnd ermanten die Weiber die männer • das sie tapffer vnnd keckh nicht allain fu°r

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10r [Pdf-Seite 23]

Lannd vnnd Leu°t • sonnder au°ch fu°r Ire Weib vnnd kinder streitten • vnnd nicht fliehen sollten • Welchs Inen offtermalen • als Tacitu°s meldet • zu° dem sig diennstlich gewesen sein soll • Von dessen wegen sie Ire heirat nachu°olgender mainu°ng beschlossen haben • Kainer hat ain Weib du°rffen nemen • er habe dann ein volkomen alter au°f Ime • Deßgeleichen mu°esten die Ju°nckhfraw°en au°ch Inn gu°tem alter sein • welchs dann groß lanng starckh Leu°t geben hat • Vnnd wann man sie zu°samen gab • so hu°lten sie den gebrau°ch • das des weib dem Mann gar nichts • weder von gelt oder gu°et • zu° heirat gu°t zu°bracht • oder gab • annders dann ein Schwert • das sie Im gab zu° ainer anzaigu°ng • Das er sie • Ire kinder vnnd das Vatterlannd • damit beschu°tzen solt • Der mann aber mu°ste haben etliche stu°ckh • das aber nicht gellt • seiden gewand oder klaider waren • damit er die Praw°t het mu°gen schmu°cken vnnd ziern • sonder es mu°sten sein zwaÿ Rinder vnnd ain Ochs • Inn ain Joch zu°samen gespannet • ain gesatlet Pferd • ain Bafesen oder Schildt • ain messer • vnnd ain Alspieß • Mit disem gab man Im die Prau°t an die hand • Diß alles was Ir heiratgu°t • haimsteu°r • morgengab • krantz vnnd Mahelring • Stu°lfestin vnnd hochzeit • kirchgang vnnd einsegnen • Die nechsten freu°nd besichtigten • au°ch alle vorbemellte stu°ckh vnnd wann sie gu°t waren • hetten sie ain gefallen darab • vnnd wu°nscheten Inen vil glu°ckh • vnnd fru°chtbarkait der gebu°rt • vnd wu°rden von stu°nd an zu°samen gelegt • vnnd der heirat hiemit beschlossen • Sie haben aber hie mit disen stu°cken anzaigen • mainnen • vnnd bedeu°ten wollen • Namlich • Das • sie • wie die zu°samen gespanten Rind • einannder • Ir lebennlang • weder • Inn lieb noch laid • Inn kriegen • oder su°nst Nimmermer verlassen sollten • sonder miteinannder heben vnnd legen ziehen • vnnd raisen • vnnd alles kecklich wagen • welchs • das gesatlet Pferd bedeu°tet hat • Es mu°esten au°ch solche zu°geprachte • Schwert • Schildt • Messer • Spieß • nach absterben des Manns • von dem weib behallten werden • au°f das Iren Su°nen vnnd kinder • solch Ires Vatters heiratgu°t zu° seiner zeit au°ch zu°gestellt wu°rde • vnnd also bis Inn das drit gelid au°ß getailt vnd behallten werden •

An den hochzeÿtlichen Festtagen hetten sie dise ku°rtzweil • wann die alten beÿ ainannder waren • so mu°sten die Ju°ngen • ainen Schwerttanntz hallten • vnnd über die plossen Schwerter fein artlich Tantzen • Vnnd wölcher dann das pösst thet • der hets mechtig wol geschafft • Sie heten au°ch den gebrau°ch • wann ainer seinen feind • der ain grosser herr gewesen • Inn dem Krieg erlegt hette /

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das sie Im sein hau°pt abschlu°gen vnnd sein Hirnschal Inn Silber oder Gold • nach Jedes vermögen • einfasten • vnnd an den Festtagen • darau°s tru°ncken • vnnd liessent au°ch Ire kinder • vnnd su°nst niemand darau°s trincken • Er hette dann zu°u°or zeu°gknu°ß • das er ein tau°gennlicher mann zu° der gew°hor were • vnnd Im krieg ainen oder mer vom leben zu° dem tod gebracht hette • Diser vnnd su°nst kainer • dorft au°s disem Erngeschirr trincken • Gar kainen kau°fman haben sie zu° Inen komen lassen • der frembden klaidu°ng oder Kirsenwerckh Clainater vnnd anndre gezierd • zu°fieren wollen • seÿndt au°ch au°s Ier manier der klaidu°ng nie komen • haben kain frembde zu°geprau°chen nicht gestattet • Mit diser gewonhait seind die Teu°tschen anfengcklich herkomen • vnnd haben sich dermassen • so vesst vnnd tapffer darinnen gehallten • das sie du°rch Ir mannliche redlichkait • gar nahe • alle Lannd • Als Hispanien • Franckreich • Italien • Grecien • Asien vnnd Aphrica • du°rchzögen • bekriegt • bewont • vnnd vesste Stät dar Innen gebau°t haben Vnd den Römern • du°rch ettlich hu°ndert Jar • grossen abpru°ch mit Irer Ritterlichen übu°ng vnnd streiten bewisen • an mer Orten vil schlachten mit Inen gehallten • Jetz ob dann vnnden gelegen vnnd zu°letst au°ß Teu°tschen Lannden gar vertriben biß zu°letst Ju°liu°s • der erst Kaiser • das tail so Jetzu°nd Frannckhreich genannt wirt • aber derzeit ( • wie Auentinus • schreibt • ) Teu°tsch gewesen • du°rch siben Jar lanng bekriegt vnnd erobert Vnnd also den Reinstram zu° ainer grenitzen des Römischen Reÿchs gemacht hat • Es haben au°ch die Kriegßweiber • so die Lateiner Amazones nennen Iren vrspru°ng von den Teu°tschen • die mit grossem hau°ffen das Lannd Scithia eingenomen • vnnd lannge zeit darInnen gewont • vnnd anndre lender darau°s bekriegt haben • Sie seind au°ch vnnder Irer Ku°nigin • Pentasalia • vor Troia Im streit wider die Griechen Inn allen Ritterlichen Ru°stu°ngen • zu° Roß vnnd Fu°oß • mit grossen eern gesehen worden • • Das ist nu°n vngefarlich mit ainer ku°rtzen Su°mmarien das herku°men vnnd gesatz vnnserer alten Teu°tschen • so Inen von dem Ku°nig Tuiscon • dem Engcklin • Noe • vnnd Herman • Irem Ku°nig • fu°rgeschriben vnnd zu°hallten au°fgesetzt worden sein •

Au°ß disem gu°thertziger Fechter vnnd Leser • kanstu° abnemen was dise harte Ritterliche vbu°ng • so vnsere vralten Teu°tschen so veest gehallten • allem Teu°tschland • für ain grosse Freÿhait • Eer • vnd ewigs lob geben hat • Vnnd wann es noch also Inn Teu°tschen lannden ( • der Ritterliche vnd Manliche übu°ng halben • ) stu°ende • vnnd die Ritterliche Ku°nst • Inn so hohem werdt gehallten • vnnd daneben andere •

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Laster • Als wu°cher • Spil • überessen • vnnd trincken • Gotßlöstern vnnd verachtu°ngen • aller gu°ten Ku°nsten • sampt annderer Leichtu°ertigkait • vermitten vnnd gestrafft wu°rden• was grosser nu°tz • lob • vnnd eer • allem Teu°tschlannd noch heu°tigstags darau°s wideru°mb erspriessen • möcht Es seind aber alle Laster Erstlich an der Fu°rstenhofe • auch Inn den Steten vnnd Dörffern dermassen so gewalltig eingerissen • dardu°rch die mißpreu°ch dahin gewachssen • das die Irrsal vnnd vntu°gend au°ß allter böser gewonhait • laider wie ain gesatz gehallten werden • des dann offentlich am tag ligt • vnnd menigelich sihet • wie die sach ein Jämerliche gestallt hat •

Vnnser vralten Fromen Teu°tschen • haben lanng kainen frembden kau°fman • frembde klaidu°ng vnnd kostliche Ru°stu°ng zu° Inen zefieren gestatet / noch vil minder dieselben beÿ Inen zemachen vnnd zetragen • zu°gelassen • Ja sie hetten sich geschembt • das sie au°ß Irer Teu°tschen Ritterlichen art vnnd gewonhait ganngen weren • Die Spartaner schlu°gent ainen Irer kriegsleu°t zu° tod • Allain daru°mbe • das er sein klaidu°ng etwas verendert • vnnd sein schildt mit Pu°rpu°rseiden gezieret het • So gar haben sie sich ab dem frembden pracht entsetzt • Carolus • der erst des Namens • der groß genannt • welcher ein recht geborner Teu°tscher gewesen • vnnd das Römisch Reich erstlich an die Teu°tschen • gebracht hat dise gewonhait gehapt • das er sich Je vnnd allweg der alten Teu°tschen klaidu°ng vnd su°nst kainer anndern gebrau°cht hat • vnnd all sein leben lanng • nicht mer dann zu° dreÿmalen • vnnd das dannocht dem Pabst zu° lieb • ainen welschen lanngen mantel • vnnd brait Bantoffel angelegt hat • des In hernach zu° vilmalen geraw°en hat • Etlich seiner Fu°rsten vnnd Reich Edelleu°t • hetten Inn den Italischen kriegen • etliche kostliche gefild gezierd vnnd frembde klaidu°ng • gekau°fft • Als sie aber au°f ein Hochzeitlich Fest • dieselben anlegten • vnnd sie der Kaÿser ersahe • schri er vor allem volckh • mit lau°ter stimm an • verspotet sie • vnnd sprach • waher • [waher am Rand mit Einführungszeichen an dieser Stelle] Ir freÿen Schwaben vnnd Frannckhen • wie habt Ir eu°ch so gar verkert • Der teu°tschen art vnnd Manier mit der Frembden klaidu°ng verendret • Tragt Ir nicht die klaidu°ng deren • so Ir Ritterlich bestritten • eu°ch zu° diennen gezwu°ngen haben • an eu°rm leib wie wollt Ir eu°er gemu°et au°ch also verkeren • pfu°ch der schannden• das Ir also dem Teu°tschen namen • der allen anndern völckern erschrockenlich ist • mit diser eu°er

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11v [Pdf-Seite 26]

verenderu°ng ein ewigs vnlob erschöpffen • Secht eu°ch selbs an • wie Ir geklaidt • sein • Es kan doch eu°ren kainer • wann er der nottu°rfft der Natu°r • seinen weg au°ßlasset sich selbs bedecken • waru°mb gebt Ir eu°r gold vnnd silber • au°f das Ir Ew°ere vätter verderben wo°llen • vmb so schandtliche wharen • vnnd klaidu°ng • oder wollt Ir nicht mer freÿ sonnder Sclaw°en wie ew°ere feind • deren klaidu°ng Ir antragen • werden • Er hat au°ch dieselben Fu°rsten vnnd Edelleu°t • mit allem fleiß • Sommers vnnd winters zeiten • mit Im au°f das geiaid gefu°ert • vnnd haben vorbemellte gezierd vnnd klaidu°ng an haben mu°essen • die er dann du°rch die grössen hegken vnnd gestreu°ß gefu°ert hat • vnnd nachdem geiaid sich neben Inen zu° dem feu°r gesetzt • alda Inen Ire frembde klaider Inn stau°den zerrissen • vnnd das ÿberig beÿ dem feu°r besengt vnnd verbrent worden sein Dermassen das sie nicht lanng gewheret haben • Aber des fro°men Kaisers klaidu°ng • das ein wolffsbeltz gewesen ist • ganntz vnd frisch beliben • darbeÿ Er Ir gar hoflich gespottet • au°f Mainu°ng was sie doch fu°r kostliche aber vnnu°tze klaidu°ng • vmb ein hoch geelt erkau°fft haben • • Diser fru°m Kaiser Carolu°s hat mit solchem seinem ku°enen vnd steiffen gemu°et • ein so groß herrlich vnnd allen völckern so erschrecklich ansehen gemachet • das In alle haidnische Ku°nig geforcht • Die Ku°nig au°ß Asia • Persia • vnnd Aphrica • haben Botschafften zu° Im geschickt • In mit geschennck verert • vnnd sou°il von Inen zuw°egen bracht • Das Ime der Egiptisch Ku°nig • das gantz Jheru°salem • mit sampt dem Grab Christi • von allen haiden gerau°mbt • vnnd den Christen von seinetwegen freÿ übergeben • vnd geschennckt hat • allain das er In zu° freu°nd Inn seiner verainigu°ng hallte • Wann er die frembden Potschafften verhort • hat er alweg sein Kaÿserliches Schwert • das mit gold beschlagen • vnnd an ainer gu°ldin Rittergirtel gehanngen • an der seiten • vnnd die hand au°f dem knopff gehabt • vnnd also sein manhait damit sehen lassen • Wie vnnd aber die klaidu°ng vnnd Ru°stu°ng der alten mit den New°en klaidu°ngen zu° vnnser zeit • sich gögen einannder vergleichen ist on not zu°schreiben • Dann allain Inn mentschen gedencken • sich dieselben manigfelltig verendert haben • vnnd noch heu°tigstags Im prau°ch ist • Wer nu°r vil new°es erfinden mo°cht • der ist den herren ein lieber man • also geet es zu° • das sich die Mannhait In wollu°st vnnd hoffart verendert • vnnd das lob der Deu°tschen darau°ff zu° scheittern geet Gott woll es ain mal bössern •

Wie es aber vnnsere Teu°tschen diser zeit • den alten teu°tschen mit dem weintrincken • spilen • vnnd übu°ng des Ritterspils • au°ch Ire heirat vnnd Malzeiten beschließlich nachku°men vnnd hallten • Dau°on were vil zu°schreiben • dann laider die sachen • so man sie gögen

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einannder hallten • gar ein seltzame vnnd Abscheu°liche abgleichu°ng geben wu°rd • die alten • so sie Inn Iren Malzeiten vnnd gastereien • beÿ Iren freu°nden hohes oder niders stands gesessen • sein • habendt sie von Irer alt vorfaren redlichen thaten gesagt • welches die Ju°ngen gehört • vnnd Inen zu° hertzen ganngen • lu°st vnnd liebe zu° der Ritterlichen kunst des Fechtens • darau°s den Rittermessigen das Lob eru°olgt • getragen • Das mit ku°nstlichem vleÿß • stettigs geu°bt vnnd anndre vntu°gend als trinckhen spilen wollu°st der weiber hochfart der klaidu°ng • sich enthallten • Plu°tarchu°s schreibet Inn seiner Apophtegmata dz der Ku°nig Antigonus • den Philosophu°m Menedemu°m au°f ain zeit fraget • ob er zu° gu°ten gesellen zu° ainem vnndertru°nckh gen sollte Menedemus • antwu°rt Im mit ainem wort vnnd sagt Eÿ • er ist aines ku°nigs Su°ne • wollt damit anzaigen • das den Ku°nigen • Fu°rsten • vnnd obern zu° dem wein zu° geen • vbel anstu°ende • vermaint sie hetten wol annder Exercitiu • vnnd vbu°ng • die Inen vil lo°blicher au°ch nu°tzlicher dann das zu°trincken weren • deren sie sich geprau°chen sollen • Deßgleichen thet Alexander • der groß au°ch • als er Inn seiner Ju°gendt au°f ain zeit beÿ dem wein gewesen • vnnd wider haim zu° hof kame ward seinem Vatter Phillippe angesagt • wie das sein Su°ne Alexannder beÿ dem wein gewesen • vnnd so wol gesu°ngen hette • dessen der Ku°nig Phillippu°s vbel zu°friden was • vnnd strafft In mit disen worten • vnd sagt • Schämbst du° dich nit vor dir selber • das du° so wol zechen vnnd singen kanst • als wolt er sagen • Bist du° nicht aines ku°nigs Su°n • was geest du° dann mit solchen schno°den übu°ngen vmb • wilt du° du°rch solche leichtu°ertigen vbu°ngen • deine Ku°nigreich nach meinem Tod erhalten • oder hastu° an den Stetten Athen, Corinthu°m, Argis, Cvreira • vnnd annder mer • so schlecht kindische Nachbau°ren, wende dein gemu°et • zu° anndern Ritterlichen Ku°nsten die zu° erpawu°ng deines Reÿchs • eern vnd wolfart • diennen • ab welcher leer vnnd straff sich Alexannder dermassen entsetzet • Das er den Ritterlichen vbu°ngen • so fast ist obgelegen • das er hernacher • au°f vilen kampffpletzen • den dannckh erlanngt • vnnd zu°letst dahin ku°men das er Inn zwelff Jaren die ganntz wellt mit seinem Ritterlichen gemu°et • bezwu°ngen •vnnd bestritten hat • Vnnd warlich wie mich die sach ansicht • So ist genntzlich zu° achten • wann solche Ritterliche vbu°ng nach der alten art vnnd gebrau°ch anstat annderer leichtu°ertigen vbu°ngen • welche du°rch lennge der zeit • nicht allain an den Ku°nigelichen vnnd Fu°rstlichen ho°fen • sonder au°ch Inn den Stetten • vnnd su°nst allenthalben • so gwalltig eingerissen vnnd die vbu°ng gu°ter tu°genden vertru°ngen • haben • wideru°mb beÿ den hochen vnnd Nidern Potentaten • seinen gang gewinnen möchte Das solchs allem Deu°tschlannd an seiner verfalnen Repu°tacion • vnnd herrlichem ansehen • hochnu°tzlich vnnd dienstlich sein wu°rde / •

Disem Eerliebenden gebrau°ch des Ritterspils • hat • Heinricus • des Namens der erst Römischer Kaÿser • au°f das er nicht gar verfiele mit gu°tem zeitigem Rath seiner Fu°rsten • vnd andern herrn •

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nach allen seinen lu°sten vnnd begirden nachu°olgen Vnnd zu° hilff ku°men wo°llen vnnd das hochloblich Ritterspil den Tu°rnier au°fgerichtet • vnnd denselben anno • 938 • mit Rath seiner Fu°rsten vnnd herrn • zu° erhalltu°ng Eer zu°cht vnnd erbarkait Im hailigen Reich Teu°tscher Nation • mit zwelff loblichen Eerlichen vnnd Christlichen Articu°len geziert • Dergestallt • das Niemand von dem Adel • Fu°rsten oder Grafen • das Ritterspil den Tu°rnier hat gebrau°chen do°rffen • der wider bemellte zwelff Articu°l gehandelt hett • Welcher aber solchs vberfu°er • ward vor allen Fu°rsten herrn vnnd Fraw°en zu° spot gemacht vnnd au°f die Schranncken gesetzt • Roß • whör vnnd harnasch genomen • vnnd offenlich du°rch die Herold als ein vbeltheter au°ßgeru°efft • Dardu°rch dann die Fu°rsten herrn vnnd Edelleu°t • dermassen zu° gu°ten tu°genden geraitzt vnnd vil grosser laster vnnderlassen haben • /

Es seinnd aber die Benannten zwelff Articu°l • du°rch den Kaÿser vnnd die Fu°rsten des hailigen Reichs mit grossem ernst gestellt • vnnd mu°ndtlich fu°rgetragen worden • Der erst ward du°rch den Kaiser selbs angezaigt • Dergestallt • welcher den Christenlichen glau°ben die hailig Triu°altigkait lestert • die Kirchen Christi berau°bet vnnd schmehet • Der Pfaltzgraff / • welcher wider das gebot oder verbot des Kaÿsers • freu°enlich handlet • Hertzog zu° Schwaben • welcher Fraw°en oder Ju°nckhfraw°en an Iren Eern enteeret oder schwechet : Hertzog zu° Bairn • welcher Sigelpru°chig Mainaid vnnd Eerlos erkannt ist • Hertzog zu° Franncken • der seinen aigen herrn verratet • vnnd von Im Feldflu°chtig wirdt • Vnnd also fortan anndere herren mer Wer sein Betgnossen zu° Tod schlecht • oder zu° todschlag Ratet • Item welcher Kirchen • vnnd Clau°sen • witwen vnnd waisen berau°bt • das Ir • Inen mit gwallt vorhelt Item wer den anndern • on abgesagt• vnnd Rechtlich erforderu°ng Rau°bt • brent vnd beschedigt • Item welcher mit New°eru°ng des Reichs gesatz vnnd Ordnu°ng verendern • vnd die Straffen mit vnru°ewig macht • Item welcher sein selbs oder ains andern Ehe • verbrecher ist • Item welcher vom Adel erborn • vnnd seinen Adelichen stand nicht von seinen Renten gilten vnnd einkomen • vnd herrn solden erhielte • Sonder sich Inn kau°fmanßhaendel vnnd wu°cher begebe • Item das kainer • er seÿ dann von seinen vier Anherren vnnd Anfraw°en her recht Edel erborn / • Dise alle so mit disen lastern befleckt • sollen das hoch eerlich Ritterspil

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den Thu°rnier meiden vnnd beÿ hoher straff gentzlich verbotten sein • Es seind au°ch Jeder zeit beÿ allen Turnieren • der der erst zu° Magdenbu°rg Anno Neu°nhu°ndertachtvnnddreissig • vnnd der letst zu° Wormbs Anno Tau°sentvierhu°ndert • Sibenvnndachzig • Nämlich • 36 • gehallten worden • Die Erbristen vnnd Edlisten Fu°rstine : Gräfine • Freÿin • von Fraw°en vnnd Ju°nckfrawen vnnd wittiben stands • beÿ den Tu°rniern gewesen • die helm vnnd Wappen helffen besichtigen Die schaw° au°ftragen • Klainater vnnd gewinneter au°ßgeben vnnd geschenckt • das lob vnnd dannckh vereert • die vortaenntz mit Inen gehapt • Des alles zu° erhalltu°ng Eer vnnd tu°gent erdacht fu°rgenomen vnnd gehallten worden ist •

Es hat aber Inn die lennge Au°ch nicht besteen • vnnd der Ritterlichen vbu°ng zu° pflantzu°ng nicht helffen wo°llen • vnnd wie dann die Ju°risten sagen • Das In den Legibus • der Kaiserlichen Rechten clar verfast • vnnd au°fgerichtet sein soll • Namlich so alle spil verbotten • werden • So soll doch das Ritterspil • der Ku°nst des Fechtens • nicht allain menigelich vnu°erbotten • sonder Jederman freÿ erlau°bt sein vnnd pleiben • Welchs zu° au°fzau°ffu°ng vnnd pflantzu°ng der Ritterlichen übu°ng diennet aber mit grossem verwu°ndern ist zu° ho°ren • das alle welt stellet • wu°tet • vnnd tobt • nach dem verbotnen • so zu° kainem gu°ten diennet • vnnd das Ihenig • welchs menigelich lieben soll • lassen farn • vnnd ganntz au°ß der achtu°ng ku°men • Damit dann gar nahent alle gu°te tu°genden erleschen • wie dann Inn Frids vnnd kriegszeiten laider offt gesehen wirt •

Es werden aber su°nst allerlaÿ New° erfu°ndnen ku°nsten • als des

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verderblich Geschoß ainnes ist • diser vnnser zeit gesehen Welcher sich die Fu°rsten vnnd herren Inn kriegen dißmals vast gebrau°chen • du°rch welches stu°ckh dise Ritterliche Ku°nst au°ch fast bekrennckt • vnnd die tapffern helden au°ch fast Inn abnemmen ku°men sein • Dann du°rch dise strennge ku°nst • manchem ku°enen helden sein leben haimlicher weis von weitem her abgestolen wirt der sich su°nst mit seinem Ritterlichen gemu°et wol errettet • vnnd Im ein vnsterblichen Namen des lob hett machen mögen • Archidamus • ersahe au°f ain Zeit als Plu°tarchus schreibt • ainen werffzeu°g • so allererst au°ß Sicilien ku°men was • Da fieng er mit lau°ter stimm an zu° schreien beÿ dem gott Hercu°les der Männer tapfferkait werden zu° scheitern geen • Als wollte er sagen • wenn dise vnnd dergleichen Instru°ment mer erfu°nden vnnd Inn den kriegen gebrau°cht werden soll • so wirt kain vnnderschaid zwischen den vnflängen fau°len vnnd den lu°stigen vnd endlichen kriegßleu°ten mer sein werden • Vnnd werden allso alle Exercition der Ritterlichen vbu°ng fallen vnnd dargegen alle list • fau°lkait vnnd vntu°gend vberhannd nemen • Des dann laider beschehen vnnd Jetzu°nd gwaltig Im schwanck get • Darau°ß dann mit der zeit warlichen eru°olgt ist • das an Redlichen tapffern starcken leu°ten die weil das geschitz Mörser • werffzeu°g vnnd anndere dergeleichen mer erstannden • grosser mangel erscheinet • Socrates ward von den Spartanern gefragt • wa doch die starcken helden vnnd Redliche geu°bte kriegßleu°t weren Ja sagt Socrates vor Troia waren sie • damit er zu°u°ersten hat geben wo°llen • wie vor Troia so ritterliche übu°ng gehallten worden • vnd aber daselbs der recht keren der Griechischen Ritterschafft vmb redligkait willen gestritten mit der zeit gefallen • das diser zeit Nu°n ein schein oder schatten von derselben lob mer vorhannden seÿ Was soll ich aber sagen • man hat diser Ritterlichen ku°nst • vnnd besonnders die Römischen Kaÿser vnnd Ku°ng offtermalen zu° hilff ku°men wo°llen • Es hat aber nie recht von statten geen wo°llen • als dann oben vil dau°on gehört ist • vnnd ist die Ritterliche Ku°nst letstlich dahin ku°men Das nu°n ein Bru°derschafft Sannt Marxen genannt • darau°s worden ist • Welches die Allerdu°rchleu°chtigsten Großmechtigsten Römischen Kaiser Hochloblichster gedechtnu°s Fridericu°s des Namens der drit, Maximilianu°s, vnnd Jetz der Vniberwindtlichister Fu°rst • Carolus • selbst • aller dreÿ au°ß dem altlöblichen hau°S Osterreich loblichen erborn damit doch dise Ritterliche übu°ng nicht gar verfielle • vnnd mit der zeit wideru°mb geholffen werden mo°cht • mit Priu°ilegien vnnd Freÿhaiten zu° dem bosten allergnedigister mainu°ng fu°rsehen vnnd begabt Nämlich das alle Franckforter herbstmeß die Maister des Schwerts sein • vnnd werden wo°llen • du°rch verordnete vnnd darau°f geschworne Maister Sannt Marx Bru°derschafft • Ire Maisterliche Prob Inn der Eisenfart vnnd gu°ldin ku°nst • probiern vnnd also was zu° dem Ritterlichen Fechten gehorig mit aller zu°cht begeren • vnnd das mit Aidßpflicht zu°u°olnziehen bestettigen • also zu°u°or erlanngen mu°essen Dise mögen dann so weit das Römisch Reich Teu°tscher Nation sich erstreckt Schu°len halten • vnnd annder leu°t so es begern • nach des Schwerts gerechtigkait lernen Es wirt aber dise vbu°ng au°ß zwaien stu°cken gar gering geachtet Das erst das die Spiler zu°trincker, wu°cherer vnnd liebhaber schöner weiber an den höchsten orten als Fu°rstenho°fen vnnd au°ch Inn den grösten Steten des Reichs • grossen platz haben vnnd die Ritterliche ku°nst • vnnd übu°ngen vor Inen nicht au°fkomen • sonder alweg hinder der Thu°r beleiben mu°ß, Das annder • das au°ch ettliche Maister des Schwerts • vnnd andre angelobte Maister • au°ch Freÿfechter • vnd etliche su°nst Fechter sich Inen • vnnd der loblichen alten ku°nst • zu° schaden vnnd nachtail so vngeschickt vnd vn- top

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loblich mit allerleu°chtu°ertigkait selbs hallten • Inn Irrm Fechten • au°f den Schu°len den neid vnd haß herfu°rprechen • vnnd das die Ju°ngen • die alten • au°f den Fechtschu°len etwann gar verachtlich halten • vnnd Inen also Iren mu°twillen zu° gebrau°chen verhenngen • Vnnd zu° dem sich selbs des weins gar zu°u°il mißbrau°ch~ Derhalben vil leichtu°ertiger vnainigkait darau°ß erwachset • der Oberkait grossen verdru°ß • vnnd der edlen ku°nst mercklichen abganng mit sich pringet • Welches dann alles diser Edlen vralten Ritterlichen ku°nst • mer zu° ainer au°ßreitu°ng • dann zu° ainner pflantzu°ng diennet • Des mir von hertzen laid • vnnd solchs zu° melden ( • der edlen ku°nst zu°lieb • ) mit schweigen lieber vmbgeen wo°llte • dann dise vntu°genden au°ch zu° kainem Bu°rgerlichen Regiment gar nicht diennen So wollte ich au°ch alle fromen Redliche Fechter • gern zu° dem nu°tz vnnd fro°men des vatterlannds raitzen vnnd anfu°eren • Inn hoffnu°ng das es Inen mit ewigem lob vergolten werden sollt • /

Plu°tarchu°s schreibet Inn seinnen Hoflichen spru°chen das der treffenlich hochgeleert man Caxiltu°s befragt wu°rde • welchs doch die loblichisten Stet weren • denen er au°f dise weis geanntwu°rt hat • Das dise Stet • Inn welcher sich die Bu°rger • nicht vmb Eergeitzigkait noch oberigkait miteinannder zanncken sonder so ainer den anndern mit Mannlicher tu°gendt ( • doch on au°fru°r • ) begerte zu° u°bertieffen • vnnd den gemainen Nu°tz zu° fu°rdern • gern der maist sein wollte • am allerbesten vnnd sicheristen weren • Derhalben die Götter der Spartaner alle mit harnasch vnnd wheren angethan • gemacht wu°rden • als wollten sie damit zu°u°ersteen geben • das au°ch die Götter selbs der fau°lkait vnnd mu°essigganng Feind • vnnd gehessig weren • Es will sich aber schier Jederman au°f den wollu°st vnnd fau°lkait verantwu°rten vnnd fu°rgeben • man ku°ndt dannocht land vnd Leu°t Regieren vnnd erhallten • wann schon das Ritterspil des Fechtens nicht wie Im anfang also gar Im schwanckh gange • Dann dise Ku°nst pringe au°ch freche stoltze • vnnd verwegne leichtu°ertig leu°t mit sich derhalben wol darau°f zu° schaw°en seÿ, Dennen wais ich nit bas zu° antwu°rten • dann wie die warhait selbs ist • das laider vil personnen • so sich diser Ritterlichen ku°nst • mit aigner frecher mu°twilligkait zu° lernen anmassen • vnnd das

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14v [Pdf-Seite 32]

allain daru°mbe • das sie Iren gewallt freu°enlich prau°chen Vnnd anndern leu°ten du°rch zorn schaden zu°fu°egen wie dann Inn Röm au°f ein zeit zu°ganngen do zwen Fechtmaister ein gro°sse anzal Fechter an sich hennckten • vnnd Inn Italien dermassen • Ru°morten vnnd dem gemainen man so grossen schaden bewisen • das au°ch die Bu°rgermaister zu° Rom ganntze heer • wider sie au°ffierten • bestriten • vnnd dieselben erlegen mu°sten • dennen so solche leu°t seind • achte ich nicht wirdig das sie redliche fechter • noch kains lobs mitnichten wirdig sein • Will Inen au°ch dises Ernwerckh mitnichten zu° lob sonder mer zu° raitzu°ng gu°ter tu°genden • an tag begeben haben Dann dise vnbesinte Fechter keren nicht mit Erbarn Leu°ten sonder mit Lewen Beren Leobarden Tigerthier Au°rochsen vnnd Biffel • oder argen veru°rtailten bo°sen leu°ten • wie dann etwann der Römer gebrau°ch gewesen Ir Fechten vnnd verwegenhait zu° gebrau°chen vnnd soll Inen kain lob von mir mitnichten widerfaren •

Es wirt aber kain Facu°ltet • Inn aller wellt Befu°nden • die solchen gefard vnnd besorgu°ng nicht trage • Dann es lerne der mentsch was er wo°lle • das zu° gu°tem raichet Es seÿ geleich ein Theologu°s • Ju°rist • Medicu°s oder anndrer mer • wann sein hertz nicht redlich fromb vnnd sein gemu°et nicht au°frecht ist • So wirt alles was er kan vnnd gelernet hat Ime selbs vnnd seinem nechsten zu° schaden vnnd nachtail raichen Derhalben kainner so dise Ritterliche ku°nst zu° lernen lu°st hat • gar kain entsitzen • ab solcher fau°llen einred haben soll Mich bedu°nckt aber das dise fau°le einred • allain von fau°len schimpffischen leu°ten • die nicht mer • dann wie die Epicu°rer au°f alle fau°lkait vnnd wollu°st des leibs Ire achtu°ng • haben • herfliesse, vnnd wann sie nu°n gu°tte fau°lle tag • ru°wigs wesen die bösten schleckbislen • den pösten wein vnnd getrannckh nach allem Irem gefallen • mit der vo°lle hetten • Gott gebe wie es vmb die Redliche Mannhait vnnd Ritterspil • dardu°rch Lannd vnnd Leu°t erhallten wirt zu° gienge vnnd wann sie schon gar zu° gru°nd su°ncke • were Inen nicht vil daran gelegen Ja sie liessendt sich von des gemainen Nu°tz wegen • nicht ain nestel tru°cken • noch vil minder das wenigest tail des wollu°sts vnnderwegen • Dise seind eben die rechten gesellen • so Inn dem Ku°nigreich Schlau°raffenland erborn seind die allten haben der Ju°gent zu° • ainer abschrecku°ng der mu°essigen Fau°lkait • ein Fabel von dem Schlau°raffenlannd erdichtet • dar-

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15r [Pdf-Seite 33]

Innen die heu°ser mit lezelten gebawen • mit Fladen gedeckt • Die zaeu°nn au°ß pratwu°rsten geflochten • vnnd seÿ der hagel vnnd Regen von zu°cker • die fliessenden wasser au°ch Pru°nnen seiend mit gu°tem geschmachem wein erfillet • deßgeleichen seiend alle gefu°gel gebraten vnnd beda°rff sie nicht fahen • sonder fliegen Jedem wann er nu°n wolle also gebraten Inn das mau°l zu° dem weer zu° dem lengisten schlaffen • vnnd sich fau°lklich hallten kinde au°ch sich mit vberflissigem essen • vnnd trincken • das es au°ch wider die natu°r seÿ, dermassen so vnlu°stig hallten ku°nde • Dieselben werden mit reichlicher Prou°ison Ja°rlichen vnnderhallten • vnnd anndre fau°len stu°ckh mer • so die ordnu°ng vnnd Statu°ta diß Schlau°raffenlannd Inn sich hallten • Aber wie die allten das widerspil himit gemaint • vnnd dardu°rch die fau°len mentschen spotßweiß zu° der endlichkait haben raitzen wo°llen • also stellen sich solche gesellen dermassen dargögen • als ob sie das schlau°raffenlannd gar besitzen • das Regiment vnnd obrigkait darInnen gar ein nemen • vnnd alle gu°tte ku°nsten zu° bescho°nu°ng Irer fau°lkait • mit Irer fau°len einred • vnnd trägem vngottseligem leben verachten • besu°dlen • vnnd gar au°f reitten wo°llen •

Allerlaÿ Exempel der Redlichait Werden Inn den Historien hin vnnd wider befu°nden • das dorfon anzaigen • das die Reich Lannd vnnd Stett • du°rch die Redlichkait des gemu°ets • vnnd endtlichkait der fau°st • erhallten • aber du°rch die fau°len hinlessigkait • zergeen vnnd zu°nichten werden • Das Assirisch Reich • welchs das erst Reich au°f diser wellt gewesen • hat sein anfanng von dem Ku°nig Nino empfanngen • vnnd ist du°rch Sechsonnddreissig Ku°nig au°f Tau°sent zwaihu°ndert vnnd vierzig Jar lanng ganntz eerlich geregiert worden • Als aber Ir letster Ku°nig • Sardanapolu°s • Inn das Regimment ku°men • hat er dergestallt geregiert • das er Inn seinem Regimment der fau°lkait • wollu°st der weiber • dem vberessen vnnd trincken vnd spilen • so fast abgelegen dardu°rch er In den bemellten lastern sogar ertru°ncken dargögen der Redlichkait so wenig geachtet das Im sein aigen volckh ganntz vngehorsam worden von Im abgefallen • Inn Rotten vnnd parten getailt vnnd endtlich von seim ganntzen reich vertriben vnnd veriagt worden ist Vnnd hat also das Assirisch Reich • du°rch sein hinlessige fau°lkait • vnnd nit achten Ritterlicher vbu°ng • au°ch vble Regieru°ng Inn Im sein end-

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15v [Pdf-Seite 34]

schafft genomen • Diser Ku°nig ist offtermalen • Wann er sollte der Ritterschafft obgelegen sein • Inn seinem Fraw°enzimer gefu°nden worden vnnd Inen zu° lieb an der gu°ngkel gespu°nen • Sein • grab hat er vor seinem tod kostlich zu°richten • vnnd darau°f dise schrifft machen lassen • Namlich Sardanapolus Anecendarases . Ede • bibe, lude • welches zu° teu°tsch also lau°tet • Sardanapolu°s von Anecendarasis • Iss • trinckh • spil / hier Innen der gu°thertzig leser wol sehen mag • was vnnderschids der • au°fnemu°ng vnnd verderbu°ng zwischen fau°len vnnd endlichen herren erscheinet • Alls Xerxes der Ku°nig au°ß Perrsia • die Stat Babilonia Nachdem sie vonn Im abgefallen was wideru°mb erobert vnnd Inn sein gewallt bracht hett • gedacht er wie er die grosse Stat Babiloniam au°f das sie nicht wideru°mb von Im abfielle • statlich erhallten mo°chte • Vnnd verbott deßhalben allen Babilonischen Bu°rgern vnnd Innwonnern • das sie kain gewhor mer tragen • au°ch kain Ritterspil mer vben • sonnder erlau°bt Inen dargögen Das sie Inn die wirtheu°ser zu° dem wein Inn täglichen abent zechen geen singen vnnd pfeiffen • au°ch scho°ne weiber mo°chten vnnd Rockh mit vil fallten tragen sollten • Diß alles von Im daru°mbe angesehen was • das er au°ß Redlichen Männern • waiche weiber machen wolt vermaint / als Dann au°ch beschahe • wann sie des wollu°sts gewonten das die mannhait beÿ fallen wu°rde / vnnd er sie dester bas an dem zau°m reiten möcht • welchs au°ch also beschehen /

Das gott aber die fau°len hasse • wirt au°ß dem Exempel Vedionis wol offenbar • dann gott sein herrlichkait vnnd Sig an den Madianitern nicht du°rch die fau°len • deren ganntz hau°ffen verhannden waren • sonder durch die [endlichen am Rand mit Einführungszeichen an dieser Stelle] kecken vnnd ku°ndigen • deren kau°m dreihu°ndert was • vnnd das wasser mit der hand zu° dem mu°nd zu° trincken • prachten • haben wolt • Der hailig Dau°id lobet Gott den almechtigen zu° vilmalen • das er Ime gnad vnnd sterckh verlihen • das seine finger wider seine feind zu° streiten berait sein Er sagt au°ch wie das sein hilff oder hoffnu°ng nit stand Inn seinem schwert • bogen oder pfeil • su°nder sein hoffnu°ng stee Inn den herrn • Er wirfft aber weder seine schwerter noch pfeil oder bogen von Im hinweg • sonder gebrau°cht sich dern alls ainer Mu°nemeÿ •

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16r [Pdf-Seite 35]

gottes • daru°nder Gott sein herrlichkait erzaigen werd • Welchs dann ainnem Jeden Christenlichen fromen redlichen fechter • au°ch billichen zu° steet • Namlich das er gedenncke das er Inn der zeit der nott • fu°r den glau°ben vnnd ware Religion • wider den Tu°rcken vnnd vnglau°bigen • au°ch fu°r die Freÿhait des vatterlannds • zu° schu°tz vnnd schirm • witwen vnnd waisen • seinen Leib mitnichten sparen • vnnd die Ritterliche Ku°nst Jeder zeit zu° solchen loblichen sachen gebrau°chen wölle

Au°f dise art form vnnd weÿß habe • Ich mich der Ritterlichen vbu°ng des schwerts vnnderwu°nden • vnnd das Fechten Inn Manncherlaÿ whören gelernet • vnnd das au°f etlichen schu°len zimlich probiert • vnnd darInnen ain solchen lu°st vnnd liebe empfangen • Das ich mich dises Ritterlichen Eernbu°chs zu° machen vnnderfanngen • was mu°he vnnd arbait aber ich du°rch vier ganntze Jar damit gehabt • wirt Jeder verstenndiger Leser diß Bu°chs wol sehen vnd erkennen • Ich habe mich au°ch kaines unkostens • au°ch weder mu°he noch arbait • so ich darau°f gelegt • mit nichten betau°ren lassen • vil allte vnnd new°e bossierte stu°ckh • wo ich die von Fu°rsten vnnd herren Ju°den vnnd Christen • vnnd allten Fechtmaistern • habe gewist die habe Ich nicht on ein besondere vereru°ng zu° handen pracht • etlich gar kau°ffen mu°essen • Darau°s ich allain die allerpo°sten • vnnd der Ku°nst gemessisten nu°tzlichisten • gezogen • vnnd dieselben du°rch zwen dapffere waidliche Fechter so mit mir lu°st vnnd liebe zu° der Ritterlichen Ku°nst gehapt • vnnd darau°f nicht mit geringer belonu°ng erhallten • vorbemellte stu°ckh Inn allen whören • wie sie Inn disem Bu°ch begriffen • Maisterlich au°ß vnd eingefochten • au°ch dieselben mit allen stu°ckhen vnnd Articklen ganntz fleissig vnnd gerecht also schreiben lassen hab wie dann Inn Jeder whör von stu°cken zu° stu°cken Inn disem Bu°ch (welches Ich Inn zwen tail gesondert vnnd getailt • vnnd mit zu°gethonen ganntz gebreu°chlichen Registern fu°rsehen vnnd gezieret • ) geschen wirt • Vngezweifleter hoffnu°ng das sich die rechten liebhaber diser Ritterlichen ku°nst • dises Ritterlichen Ku°nstbu°chs zu° dem pössten gebrau°chen • vnd sich dargegen dem almechtigen vmb alle wolfart leibs vnd seel / mit danckbarem gemu°et willig erzaigen werden • Zu° welchem ich allen redlichen Ku°nstliebenden Fechtern • sterck vnnd gnad von Gott dem Almechtigen wu°nsche vnnd begert Amen •

Pau°lu°s Hector Mair
Ratsdiener zu° Au°gspu°rg

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