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Peter von Danzig – Langes Schwert nach Johannes Liechtenauer 2

Inhalt:

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Johannes Liechtenauer
Einleitung

Johannes Liechtenauer
Langes Schwert 1 & 2

Johannes Liechtenauer
Rossfechten

Johannes Liechtenauer
Zweikampf

Andre Lignitzer
Halbschwert

Andre Lignitzer
Buckler

Andre Lignitzer
Ringen

Andre Lignitzer
Dolch

Martin Huntfelt
Halbschwert

Martin Huntfelt
Unterhalten & Aufstehen

Martin Huntfelt
Dolch

Martin Huntfelt
Rossfechten

Meister Ott
Ringen

Peter von Danzig
Zweikampf

26 v

Merck | Der ander haw das ist der twer haw der pricht die hu°t vom tag Merck | Der dritt haw das ist der schilär der pricht die hu°t die da haist der phlueg ~ Merck | Der vierd haw das ist der schaitlär der pricht die hu°t die da haist alber | vnd wie dw die vier hu°ten mit den hauen prechen solt das vindestu vorñ in den selbigen häwen geschriben ~

Das ist der dext vnd die glos das man nicht vor setzen sol

Vor versetzen huett dich Geschicht das auch sere müetzs dich
| Glosa | Merck das ist das du nicht versetzen solt als die gemainen vechter thuen | wenn die versetzen | So halden sÿ iren ort in die hoch oder auff ein seitten | vnd das ist ze versten das sy in der versatzu~g mit dem ort die vier plöß nicht wissen zw süchen | Dar vmb werden sie offt geschlagen | oder wenn dw versetzen wild | So ver setz mit deinem haw oder mit deinem stich | vnd suech Indes mit dem ort die nächst plöß | So mag dich kain maister an seinen schaden geschlachen

Das ist der text vnd die glos wenn man dir vor satzt hat was dw da wider treiben solt

Der zweite Hieb ist der Twerhau, der die Hut vom Tag bricht.
Der dritte Hieb ist der Schielhau, der die Hut Pflug bricht.
Der vierte Hieb ist der Scheitelhau, der die Hut Alber bricht.
Auf welche Weise die vier Huten mit den Hieben gebrochen werden, findest du weiter oben in den Kommentaren zu den Hieben beschrieben.

Warum man nicht versetzen soll

Hüte dich vor dem Versetzen. Geschieht es dennoch, kann es dir sehr beschwerlich fallen.
Du sollst nicht versetzen, wie es die gewöhnlichen Fechter tun. Wenn diese versetzen, halten sie ihren Ort in die Höhe oder zur Seite. Das bedeutet, daß sie in der Versatzung mit dem Ort nicht die vier Blößen angreifen können. Aus diesem Grund werden sie oft geschlagen.
Wenn du aber versetzen willst, so tu dies mit einem Hieb oder Stich und bemüh dich, »indes« mit dem Ort die nächstgelegen Blöße zu erreichen. Solcherart kann dich kein Meister schlagen ohne Schaden zu nehmen.

Was zu tun ist, wenn dir versetzt worden ist

27 r

Ob dir vor setzt ist vnd wie das dar chömen ist Hör was ich dir rate Reiß ab haw schnell mit drate
| Glosa | Merck das ist | wenn dir einer hat vorsetzt | vnd wil sich vom swert nicht abtzÿhen | vnd meint er well dich zw° chainen stucken lassen kümmen | So reiß mit deinem swert an seiner swertz klingen vber sich auff als dw | Im oben vom swert wöllest abnemen | vnd pleib am swert | vnd haw In slecht an der klingen mit der langen schneid wider ein zu° dem kopff

Das ist der text vnd die glos von vier an setzen

Setz an vier enden pleib dar auf lere wildu enden
| Glosa | Merck es sein vier ann setzen die gehörent zw° dem erñst | die soltu treibñ | wenn dw einen pald slachen wild oder letzen | Die treib also | wenn du mit dem swert zw° fechten zw° Im kumpst | So leg dich mit dem swert Inn die hu°t des ochsens | oder des phluegs | wil er dir denn oben ein hawen oder vnden zw° stechen | So merck die weil er sein swert auff hebt | vnd wil slachen| oder vnden zw° Im zeucht | vnd wil dich stechen | So küm du vor | vnd scheus Im den langen ort

Wenn es dir widerfahren ist, daß dir versetzt worden ist, hör, was ich dir rate: Reiß weg und schlag schnell zu.
Wenn dir jemand versetzt hat und sich vom Schwert nicht abziehen will, um dich so deiner Handlungsfreiheit zu berauben, reiß dein Schwert an seiner Schwertklinge nach oben, so als wollest du oben vom Schwert abnehmen. Bleib aber am Schwert und schlag ihm einfach an der Klinge mit der langen Schneide erneut zum Kopf.

Die vier Ansetzen

Lerne, an vier Stellen anzusetzen und daranzubleiben, wenn du ein Ende machen willst.
Es gibt vier Ansetzen, die zum Kampf gehören. Die sollst du anwenden, wenn du deinen Gegner schnell schlagen oder verletzen willst.
Sie werden folgendermaßen ausgeführt: Wenn du im Zufechten zu ihm kommst, stell dich mit dem Schwert in die Hut Ochs oder Pflug. Will er dann oben zu dir schlagen oder unten stechen, gib acht, wann er sein Schwert zum Schlag hebt oder unten zum Stich zurückzieht. Komm ihm zuvor und stoß ihm den Langort in die nächste Blöße, bevor er noch seinen Hieb oder Stich ausführen kann.

27 v

ein zw° der nagsten plöss | ee wenn er den haw oder den stich vorpringt | vnd wart ob dw ym magst an gesetzen des geleichen thu°e auch | wenn er dir mit vnderhauen zw° haut | So scheus im den ort ein | ee wenn er mit dem haw vnden auff kumpt vnd das treib zw° paiden seitten | Wirt er denn des an setzen gewar | So pleib mit deinem swert an dem seinen | vnd arbait ÿm behendtleich zw° der nagsten plöss ~

Das ist der text vnd die glos von dem nachraisen

Nachraisen lere zwifach oder schneid in die were Zwaÿ eüsserw mÿnne Der arbait dar nach begÿnne vnd prüf die gefert Ob sÿ sind waich oder hert
| Glosa | Merck der nachraisen ist vil | vnd manigerlaÿ | vnd gehört zw treiben auß häwen | vnd aus stichen mit grosser fürsichtigkait gegen den vechterñ die da aus freÿem | vnd langen häwen fechten | vnd sünst von rechter kunst des swertz nicht wollen halden ~

Das nachraisen treib also

| Wenn dw mit dem zw° fechten zw° im ku~pst | So stee mit dem lincken fuess vor in der hu°t vom tag | vnd sich gar eben was er

Achte darauf, ob du ihm ansetzen kannst. Tu das gleiche, wenn er einem Unterhau zu dir schlägt. Stoß ihn mit dem Ort, noch bevor er mit dem Unterhau hochkommen kann. Mach dies auf beiden Seiten.
Wenn er das Ansetzen bemerkt, bleib mit deinem Schwert an dem seinen und arbeite geschickt zur nächstgelegenen Blöße.

Das Nachreisen

Lern das Nachreisen zweifach oder schneide in die Waffe. Trachte nach zwei Äußeren und beginn entsprechend deine Arbeit. Prüf, ob die Angriffe weich oder hart sind.
Das Nachreisen ist vielseitig und von unterschiedlicher Art. Es wird sowohl aus Hieben als auch aus Stichen mit großer Umsicht gegen solche Fechter ausgeführt, die mit freien und ausgreifenden Hieben fechten und ohnehin von der richtigen Kunst des Schwertes nichts halten.

Führ das Nachreisen folgendermaßen aus:

Wenn du im Zufechten zu ihm kommst, steh mit dem linken Fuß vor in der Hut vom Tag und beobachte genau, was er gegen dich unternehmen will.

28 r

gegen dir vicht | Hawt er dir oben lanck ein so wart das er dich mit dem haw nicht erlang | Vnd merck die weil sein swert mit dem haw vndersich gee gegñ der erden | So spring zu° mit dem rechtñ füeß | vnd haw Im oben ein zw° dem kopff | ee wenn er mit dem swert wider auff kumpt | So ist er geschlagen ~

Das hernach geschriben stuck das haist die äussere mÿnn

| Merck | wenn er sich verhaut | vnd dw Im nach raistest mit dem haw zw° der plöss | vert er denn pald auff mit dem swert vñ kumpt dir vnden an dein swert | So pleib starck dar auff | Hebt er denn mit dem swert dein swert fast über sich | So spri~g mit dem lincken fuess hinder seinen rechten vnd slach | Im mit der twer oder f sünst zw° dem kopff seiner rechtñ seitten | vnd arbait pald wider vmb zw° seiner lincken seitten mit dem duplirñ | oder sünst mit anderñ stucken | Dar nach als dw emphindest | ob er waich oder hert am swert ist ~~

Hie merck ein guet nachraisen am swert aus vnder häwen

| Merck | wenn du gegen im vichtest aus vnder hawen oder aus den streichen oder ligst gegen | Im | In der hu°t die da

Schlägt er von oben lang zu dir, gib acht, daß er dich mit dem Hieb nicht erreicht. In dem Moment, da sein Schwert mit dem Hieb nach unten zu Boden weist, spring mit dem rechten Fuß vor, und schlag ihm oben zum Kopf, bevor er mit dem Schwert erneut hochkommt. So ist er geschlagen.

Trachte nach den Äußeren

Wenn er seinen Hieb verreißt, reis ihm mit einem Hieb zu einer Blöße nach. Wenn er sogleich mit dem Schwert hochfährt und unten an dein Schwert kommt, bleib stark darauf. Hebt er dann mit seinem Schwert das deine stark nach oben, spring mit dem linken Fuß hinter seinen rechten und schlag ihm mit dem Twerhau oder einem anderen Hieb auf seiner rechten Seite zum Kopf. Arbeite sofort erneut zu seiner Linken mit dem Duplieren oder einem anderen Stück, je nachdem, wie du spürst, ob er weich oder hart am Schwert ist.

Ein wirkungsvolles Nachreisen am Schwert aus dem Unterhau

Wenn du ihn mit einem Unterhau oder einem Streichen angreifen willst oder dich in der Hut Alber befindest und er dir mit seinem Schwert auf das deine fällt, bevor du damit hochkommst, bleib mit dem Schwert unten an dem seinen und heb es nach oben.

28 v

haist alber | Velt er dir denn mit dem swert auff das dein ee | wenn du do mit auff kumpst | So pleib also mit dem swert vnden an dem seinem | vnd heb übersich | Wint er dir denn am swert den ort ein zw° dem gesicht oder der prust | So lass in vom swert nicht ab vnd volg Im dar an nach | vnd arbait Im mit dem ort zu° der nagsten plöß | Oder slecht er vom swert vmb so volg oder raiß | In mit dem ort aber nach als vor Merck | Dw solt aus allen häwen | vñ aus allen hu°ttñ im nach raisen als pald dw erkenst | wenn er sich von dir verhaut oder emplöst mit dem swert oder wart das du dich mit dem nach raisen selber nicht emplöst noch verhaust | vnd das merck zw paiden seitten ~

Hie merck eben den text vnd die glos von dem fülñ vnd von dem wort das da Inndes haisset

Das fülñ lere Inndes das wort schneidet sere
| Glosa | Merck das fülñ | vnd das wort | Inndes die gröst | vnd die pëst kunst im swert ist | vnd wer ein maister des swertz ist oder sein wil | vnd kan nicht das fülñ | vnd vernÿmpt nicht dar zw das wort | Inndes | So ist er nicht ein maister | wenn er

Wenn er dir dann am Schwert den Ort zu Gesicht oder Brust windet, verlaß sein Schwert nicht, sondern folg ihm daran nach und arbeite mit dem Ort zur nächstgelegenen Blöße.
Schlägt er aber vom Schwert um, folg oder reis ihm mit dem Ort ebenfalls nach wie zuvor.
Du sollst ihm aus allen Hieben und allen Huten nachreisen, sobald du bemerkst, daß er seinen Hieb verrissen hat oder sich mit dem Schwert eine Blöße gibt. Beachte aber, daß du dir mit dem Nachreisen nicht selbst eine Blöße gibst oder verreißt. Beachte dies auf beiden Seiten.

Das Fühlen und das Wort »indes«

Erlerne das Fühlen. Das Wort »indes« schneidet schmerzhaft.
Das Fühlen und das Wort »indes« stellen die größte und beste Kunst des Schwertes dar. Wer ein Meister des Schwertes ist oder sein will, aber das Fühlen nicht beherrscht und außerdem die Bedeutung des Wortes »indes« nicht verstanden hat, der ist kein Meister, sondern nur ein Büffel des Schwerts.

29 r

ist ein püffel des swertz | Dar vmb soltu die tzwai ding vor allen sachen gar wol lernen das dw si recht verstest ~

Hie merck die ler von dem fülñ vnd von dem wort das da haist Inndes

| Merck | wenn du mit dem zu° vechten zw° Im kumpst | vnd einer dem anderñ an das swert pindet | So soltu In dem als die swert zw° sammen klitzñ zw° hant fül | ob er waich oder hert an gepünden hat | vnd als pald dw das emphunden hast | So gedenck an das wort | Inndes | Das ist das dw In dem selbigen emphinden behendlich solt arbaitten am swert so ist er geslagen | ee wenn er sein gewar wirt  

Hie soltu mercken

| Das das fülñ | vnd das wort | Inndes ein dinck ist | vnd ains an das ander nicht gesein mag | vnd das vernÿm also weñ du Im an sein swert pindest | So müstu ze hant mit dem wort | Inndes fülñ | Aber am swert waich oder har hert ist | vnd wenn dw hast gefült | So müstu aber Inndes arbaitten nach der waich | vnd nach der hert am swert | Also sein sÿ paidew nicht wenn ein dinck | vnd das wort | Inndes das ist zw° vor aus In allen stucken | vnd das vernÿm also | Inndes dupliert | Inndes mutirt ~~

Aus diesem Grund sollst du diese zwei Dinge vor allen anderen äußerst sorgfältig erlernen, damit du sie gut verstehst.

Eine Lektion vom Fühlen und dem Wort »indes«

Wenn du im Zufechten zu ihm kommst und einer dem anderen an das Schwert bindet, so sollst du in dem Moment, da die Schwerter zusammenklirren, auf der Stelle fühlen, ob er weich oder hart angebunden hat. Sobald du dies spürst, entsinn dich des Wortes »indes«. Das bedeutet, daß du mit diesem Spüren schnell und geschickt am Schwert arbeiten sollst. So ist er geschlagen, noch ehe er es gewahr wird.

Beachte,

daß das Fühlen und das Wort »indes« eine Einheit bilden. Das eine kann nicht ohne das andere existieren. Das ist folgendermaßen zu verstehen: Wenn du ihm an sein Schwert bindest, mußt du unverzüglich mit dem Wort »indes« fühlen, ob er am Schwert weich oder hart ist. Wenn du das gefühlt hast, mußt du wiederum »indes« dort angreifen, wo er weich oder hart am Schwert ist. Folglich sind diese beiden nur ein Ding. Das Wort »indes« steckt von vornherein in allen Stücken. Das ist folgendermaßen zu verstehen:

29 v

| Inndes wechselt durch | Inndes laufft durch | Inndes nÿmpt den schnit | Indes ringet mit | Inndes nÿmpt das swert | Inndes thuet | was dein hertz begert | Inndes das ist ein scharffes wort | Do mit alle maister des swertz vorschnÿten werden | die das wort nicht wissen noch vernömen | Das ist der schlüssel der kunst ~

Hier merck den text vnd die glos Aber von Nachraysen

Nachraisen zwifach trift man den alten schnit mit mach
| Glosa | Merck das ist das dw die nachraisen solt treiben zw° paiden seitten | vnd des schnitz dar Innen nich ver gessen das vernÿm also | Wenn er sich vor dir verhawt es sey von der rechten oder von der lincken seitten | So haw Im künlich nach zw° der plöss fert er dann auff | vnd pindt dir vnden an das swert | So merck als pald ein swert an das ander klitzt | So schneid Im | Inndes nach dem hals oder val im mit der langen schneid auff sein arm~ | vnd schneid vast

Hie merck den text vnd die glos von den vberlauffen

»Indes« dupliert, »indes« mutiert, »indes« wechselt durch, »indes« läuft durch, »indes« nimmt den Schnitt, »indes« ringt, »indes« nimmt das Schwert, »indes« tut, was dein Herz begehrt. »Indes« ist ein scharfes Wort, mit dem alle Meister des Schwertes verwundet werden, die dieses Wort weder kennen noch verstehen. Das ist der Schlüssel zur Kunst.

Ein weiteres Stück vom Nachreisen

Reis zweifach nach. Trifft man, mach dabei den alten Schnitt.
Das Nachreisen sollst du auf beiden Seiten anwenden und dabei den Schnitt nicht vergessen. Das hat man folgendermaßen zu verstehen: Wenn er seinen Hieb verrissen hat, sei es von der rechten oder der linken Seite, schlag ihm mutig zu seiner Blöße. Fährt er dann hoch und bindet dir unten an das Schwert, beachte, daß, sobald ein Schwert an das andere klirrt, du ihm »indes« zum Hals schneidest. Oder aber fall ihm mit der langen Schneide auf die Arme und schneide mit Kraft.

Das Überlaufen

30 r

Wer vnden rempt Vber lauf den der wirt beschempt wenn es klitzt oben So sterck das ger ich loben Dein arbait mache oder herte druck zwifache
| Glosa | merck das ist | wenn dw mit dem zu° vechten zw° Im kumpst haut er dir deñ vnden zw° den vnderñ plössen | das vor setz im nicht sunder haw Im oben starck ein zw° dem kopff | Oder haut er dir zw° mit vnder hawen | So merck ee wenn er mit dem vnderhaw auff kumpt | So scheüß Im den ort oben lanck ein zw° dem gesicht | oder der prust | vnd setz ÿm oben an so mag er dich vnden nicht erlangen | wenn alle oberñ an setzen prechñ | vnd ledigen die vnder | vert er denn auff | vnd pindt dir vnden an dein swert so pleib mit der langen schneid starck auff dem swert | vnd arbait behentlich zw der nagsten plöss oder lass in arbaitten | vnd kum dw | Inndes so trifestu In

Hier merck das ist der text vnd die glos wie man stich vnd haw absetzen sol

lere absetzen häw stich kunstlich letzen wer auf dich sticht dein ort trifft vnd seinen pricht Von paiden seitten Triff allemal wildu schreitten

Überlauf den, der nach unten zielt; so wird er geschlagen. Wenn es oben klirrt, sei stark, das will ich loben. Mach deine Arbeit, oder drück kräftige Angriffe zweifach.
Wenn du im Zufechten zu ihm kommst und er unten zu deinen unteren Blößen schlägt, dann versetz nicht, sondern schlag ihm oben kräftig zum Kopf.
Oder, wenn er Unterhaue zu dir schlägt, gib acht, daß du, noch bevor er mit dem Unterhau hochkommt, ihm den Ort oben lang zum Gesicht oder zur Brust stichst, um ihm oben anzusetzen. So kann er dich unten nicht erreichen. Denn alle oberen Ansetzen brechen die unteren und befreien dich auch davon. Fährt er dann auf und bindet dir unten an dein Schwert, bleib mit der langen Schneide stark auf dem seinen und arbeite schnell zu seiner nächsten Blöße. Oder laß ihn angreifen, so daß du ihn »indes« triffst.

Wie man Stiche und Hiebe absetzen soll

Lern das Absetzen von Hieb und Stich und geschickt den zu verletzen, der auf dich sticht. Dein Ort trifft und bricht seinen. Triff auf beiden Seiten jederzeit, wenn du einen Schritt machen willst.

30 v

| Glosa | Merck die absetzen die treib also | wenn dw mit dem zw fechten zw° Im kumpst | stelt er sich denn gegen dir als er dich wöll stechen | So setz den lincken fues vor | vnd stee gegen Im in der hu°t des phluegs von deiner rechten seitten | vnd gib dich plos mit der lincken seitten | Sticht er dir denn zw° der selbigen plöss | So wind mit dem swert auff dein lincke seittñ gegen seine~ stich die kurtz schneid an sein swert | vnd setz da mit ab | vnd schreit do mit zu° mit dem rechten füess | vnd stich Im | Inndes zw dem gesicht oder zw° der prust ~

Ein anders stuck

| Merck | wenn dw stest von dein° rechten seitten in dem phlueg | hawt er dir denn ein zu° deiner lincken seitten oben zw° dem kopff | So var (getilgter und überschriebener Buchstabe) auff mit dem swert | vnd wind da mit auff dein lincke seittñ gegen seinem haw das gehultz für dein haubt | vnd schreit do mit zw° mit dem rechten füess | vnd stich ÿm zw° dem gesicht oder der prust die stuck treib aus dem phlueg zw° paiden seitten ~

Das ist der text mit der glos wie man sol durchwechselñ

Durchwechsel lere von paiden seitten stich mit sere wer auf dich pindet Durchwechsel In schir vindet

Führ das Absetzen folgendermaßen aus: Wenn du im Zufechten zu ihm kommst und er dir gegenübersteht als wolle er stechen, setz den linken Fuß vor und steh vor ihm in der Hut Pflug auf der rechten Seite. Gib dir also eine Blöße auf der Linken. Sticht er dann zu dieser Blöße, winde mit dem Schwert gegen seinen Stich auf deine linke Seite, und zwar mit der kurzen Schneide an sein Schwert. Setz auf diese Weise ab und mach gleichzeitig einen Schritt mit dem rechten Fuß. Stich ihm »indes« zum Gesicht oder zur Brust.

Ein weiteres Stück

Wenn du im rechten Pflug stehst und er dann oben links zu deinem Kopf schlägt, fahr mit dem Schwert auf, und winde gleichzeitig das Gehilz auf deine linke Seite gegen seinen Hieb und vor deinen Kopf. Mach dabei einen Schritt mit dem rechten Fuß und stich ihm zum Gesicht oder zur Brust. Dieses Stück kannst du aus dem Pflug auf beiden Seiten anwenden.

Wie man durchwechseln soll

Lern das Durchwechseln auf beiden Seiten. Stich und verletz den, der dich bindet. Durchwechseln findet ihn sofort.

31 r

| Glosa | Merck der durchwechsel ist vil | vnd manigerlaÿ | Die soltu treiben gegen den vechterñ | die do gerñ vorsetzen | vnd die do hawen | zw dem swert | vnd nicht zw° den plössen des leibs | Die soltu gar wol lernen treiben mit fürsichtigkait | das mann dir icht an setz | oder sünst ein kum dieweil du durchwechselst

Die durchwechsel treib Also

| Wenn dw mit dem zw° uechten zw Im kumpst | So haw im oben starck ein | hawt er denn wider gegen dir zw° dem swert vnd nicht zu° dem leib | So lass den ort mit dem haw vnden durch sein swert wischen | ee | wenn er dir an das swert pindt | vnd stich Im zw° anderñ seittñ zw der prust | wirt er denn des stichs gewar | vnd vert mit dem swert dem stich pald nach mit vor satzu~g | So wechsel aber durch | vnd das thue albeg wenn er dir mit vor setzen nach dem swert vert Oder • | Wenn dw mit dem zü fechten zw Im kumpst | So setz den lincken fues vor | vnd halt Im den langen ort gegen dem gesicht | hawt er dir deñ von oben nider oder von unden auff zw dem swert | vnd wil dir das wegck slahen oder starck dar an pinden | So lass den ort vndersich sencken | vnd stich Im zw° der anderñ seitten das treib gegen

Es gibt vielerlei unterschiedliche Möglichkeiten durchzuwechseln. Das Durchwechseln soll gegen solche Fechter angewandt werden, die gerne versetzen und zum Schwert anstatt zu den Blößen des Körpers schlagen. Du sollst das Durchwechseln sicher und umsichtig auszuführen lernen, damit man dir nicht ansetzt oder dich anderweitig trifft, während du durchwechselst.

Führ das Durchwechseln folgendermaßen aus

Wenn du im Zufechten zu ihm kommst, schlag kräftig oben zu ihm. Schlägt er dann gegen dein Schwert und nicht zum Körper, laß den Ort in der Hiebbewegung unter seinem Schwert hindurchgleiten, bevor er an dein Schwert bindet. Stich ihm dann auf der anderen Seite zur Brust. Wenn er den Stich bemerkt und ihm mit einer Versatzung nacheilt, wechsel erneut durch. Mach dies jedesmal, wenn er dir zum Schwert hin versetzt.
Oder, wenn du im Zufechten zu ihm kommst, setz den linken Fuß vor und halt ihm den Langort zum Gesicht. Schlägt er dann von oben herab oder von unten hoch zu deinem Schwert, um es dir wegzuschlagen oder stark anzubinden, so laß den Ort nach unten sinken und stich ihn auf der anderen Seite. Wende dies gegen alle Hiebe an, mit denen man dir zum Schwert schlägt.

31 v

allen häwen | do mit man dir zu° dem swert hawt

Das merck eben

| Wie dw solt durch wechselñ das man dir die weil icht an setz die weil dw durch wechselst | vnd das vernÿm also wenn er dir vor setzt | vnd lest den ort neben dir beseit aus gen | So wechsel kündlich durch | vnd stich ym zw° der anderñ seitten | Oder pleibt er dir mit dem ort vor dem gesicht oder sunst gegen anderñ plössen | So wechsel nicht durch beleib am swert | vnd arbait do mit zu° der nagsten plöss So mag er dir nicht nach geraisen noch ansetzen

Hie merck den text vnd die glos von den zucken am swert

Trit nahent in pünden das zucken gibt gu°te fünde Zuck trift er zuck mer Arbait erfinde Das thuet ÿm we Zuck allen treffen den maisterñ wiltu sy effen
| Glosa | merck das zucken gehört zu° treibñ gegen den maisterñ die do starck an das swert pinden | vnd am pant des swertz beleiben still sten | vnd wöllen warten ob man sich für In ab wolt hawen oder vom swert ab tzÿehen | Das sÿ denn möchten nachgeraisen zu° der plöss | Wiltu die

Beachte im folgenden genau

wie du durchwechseln sollst, daß man dir dabei nicht ansetzt. Das wird wie folgt gemacht: Wenn er dir versetzt, so daß sein Ort neben dir zur  Seite zeigt, wechsel geschickt durch und stich ihm zur anderen Seite.
Wenn er dir aber mit dem Ort vor dem Gesicht oder einer anderen Blöße bleibt, wechsel nicht durch, sondern bleib am Schwert und arbeite damit zur nächstgelegenen Blöße. So kann er dir weder nachreisen noch ansetzen.

Das Zucken am Schwert

Tritt beim Anbinden näher. Das Zucken gibt gute Treffermöglichkeiten. Zuck. Trifft er, zuck erneut. Finde Angriffsmöglichkeiten. Dies schmerzt ihn. Zuck bei jedem Aufeinandertreffen, wenn du die Meister narren möchtest.
Das Zucken soll gegen solche Meister angewandt werden, die stark an das Schwert binden und im Band des Schwertes stillstehen bleiben und darauf warten, daß man sich vor ihnen abschlägt oder vom Schwert abzieht. Denn so können sie zu einer Blöße nachreisen.

32 r

selbigen maister ëffen oder tewschen | So treib die zucken gegen Im also | haw ÿm von der rechten seitten oben starck ein zw dem kopff | vert er denn mit dem swert starck für mit dem haw | vnd wil vor setzen oder haut dir zw° dem swert | So zuck dein swert an dich | ee | wenn er dir an pint | vnd stich Im zw° der anderñ seittñ | vnd das dw gegen allen treffen | vnd an pinden des swertz ~

Merck ein ander zucken

| Wenn er dir an dein swert gepunden hat | Stet er denn gegen dir am pannt | vnd wart ob dw dich vom swert wöllest ab ziehen | So thue als wollest zuchken | vnd pleib am swert | vnd zuck dein swert pis zw halber klingen an dich | vnd stich Im pald am swert wider ein zw dem gesicht | oder der prust triffstu In denn nicht recht mit dem stich | So arbait mit dem duplirñ | oder sunst mit anderñ stucken | was dir | das pëst ist ~

Hie merck den text vnd die glos von den durchlauffen vnd von den ringen Im swert

Durchlauf lass hangen Mit dem knopf greif wiltu rangen wer gegen dir sterck durchlaüf do mit merck

Wenn du diese Meister narren oder täuschen willst, wende das Zucken folgendermaßen an: Schlag von der rechten Seite kräftig oben zum Kopf. Kommt er dann mit dem Schwert mit einem Hieb weit nach vorne, um dir zu versetzen, oder wenn er dir zum Schwert schlägt, so zuck dein Schwert zu dir, bevor er dir anbindet. Stich ihm auf die andere Seite.
Tu dies gegen jegliches Aufeinandertreffen oder Anbinden der Schwerter.

Ein weiteres Zucken

Hat er dir an dein Schwert gebunden, so daß er vor dir im Band steht, und wartet darauf, daß du dich vom Schwert abziehst, so gib vor, als wollest du zucken. Bleib aber am Schwert und zuck dein Schwert nur bis zur Hälfte der Klinge zu dir und stich ihm umgehend am Schwert erneut zum Gesicht oder zur Brust. Wenn du ihn mit dem Stich nicht richtig triffst, greif mit dem Duplieren oder sonst einem Stück an, welches dir das beste scheint.

Das Durchlaufen und das Ringen am Schwert

Lauf durch. Laß hängen. Greif mit dem Knauf, wenn du ringen willst. Beachte, demjenigen durchzulaufen, der stark gegen dich ist.

32 v

| Glosa | merck  die durchlauffen | vnd die ringñ sind zwaierlaÿ Im swert | wenn die durchlauffen das sind die leibt ringen | So sind denn dar nach die arm~ ringen | vnd die gehörent zw° treiben gegen den vechterñ | die do gerñ ein lauffent ~

Die durchlauffen die treib des ersten also

| Merck | wenn er dir ein laufft | vnd vert hoch auff mit den armen | vnd wil dich oben mit sterck vber dringen | So var auch auff mit den armen | vnd halt dein swert mit der lincken hant peÿ dem knopff über deinem haubt | vnd lass die klingen vber deinen ruck hinden nider hangen | vnd lauff mit dem haubt durch die arm~ gegen sein° rechtñ seitten | vnd spring mit dem rechtñ fuess hinder sein rechtñ | vnd mit dem sprung so var Im mit dem rechtñ arm~ gegen seiner lincken seitten vorñ wol vmb den leip | vnd vass In also auff dein rechte hüff | vnd würff In für dich hinden auff sein kopff ~

Aber ein leib ringen

| Merck | wenn er dir ein lauff mit auff gerackten armen | vnd thue im wider | So lauff Im durch mit dem haubt zw° seiner rechten seitten | vnd lass dein swert hinden vber den ruck hangen als vor geschribñ stet | vnd schreit mit dem rechten fuess vorñ für seinen rechten | vnd var Im mit dem rechtñ arm~ vnder seinem rechtñ arm~ durch hinden vmb den leip | vnd vaß In auff dein rechte hüff | vnd würff In

Es gibt zweierlei Durchlaufen und Ringen am Schwert. Denn das Durchlaufen ist gleichbedeutend mit dem Leibringen. Außerdem gibt es das Armringen, welches gegen Fechter angewandt wird, die gerne einlaufen.

Führ das Durchlaufen fürs erste folgendermaßen aus

Wenn er dir einläuft und die Arme hochreißt, um oben mit Kraft auf dich zu drängen, reiß ebenfalls die Arme hoch. Halt dein Schwert mit der linken Hand am Knauf über deinem Kopf und laß die Klinge hinten über deinen Rücken nach unten hängen. Lauf mit dem Kopf durch die Arme zu seiner Rechten. Spring mit dem rechten Fuß hinter seinen rechten und greif ihm im Sprung mit dem rechten Arm zu seiner linken Seite vorne weit um den Körper. Zieh ihn auf diese Weise auf deine rechte Hüfte und wirf ihn mit dem Hinterkopf vor dich.

Ein weiteres Leibringen

Wenn er dir mit gestreckten Armen einläuft, tu das gleiche. Lauf ihm mit dem Kopf auf seiner rechten Seite durch und laß dein Schwert hinten über den Rücken hängen, wie oben beschrieben. Tritt mit dem rechten Fuß vorne vor seinen rechten und greif ihm mit dem rechten Arm unter seinem rechten Arm hindurch hinten um den Körper. Zieh ihn auf deine rechte Hüfte und wirf ihn hinter dich.

33 r

hinder dich die zwaÿ ringen treib zw° paiden seitten ~

Aber ein leib ringen

| Merck | wenn er dir ein lauff zu° deiner rechten seitten | vnd ist hoch mit den armen | und thü auch | So halt dein swert In der rechten hant mit dem knopff gegen perg | vnd stos mit dem gehültz sein arm~ | vnd sein swert von dir | vnd spring mit dem dencken fuess vorñ fur sein paide füess | vnd var Im mit dem lincken arm~ wol hinden vmb den leip | vnd vaß In auff dein lincke hüff | vnd würff In fur dich ~

Aber ein leib ringen

| Merck | wenn er dir ein laufft vnd ist hoch mit den armen | vnd thü ÿm auch | So halt dein swert inder rechten hant vnd stos | Im do mit sein arm~ von dir vnd spring mit dem lincken fuess hinder seinen rechtñ | vnd var ym mit dem lincken arm~ vnden durch für seiner prust yn sein lincke seitten | vnd vaß in auff dein lincke hüff | vñ wurff In hinder dich | Die zwaÿ ringen treib auch zw° paiden seitten ~

Hier merck nw die arm~ ringen Im swert

| Merck wenn er dir ein laufft Im swert | vnd helt sein hentt nider | So verker dein lincke hant | vnd begreiff do mit sein rechte Innwendig zwischen seine~ paiden

Führ diese zwei Ringen auf beiden Seiten aus.

Ein weiteres Leibringen

Wenn er dir auf der rechten Seite mit erhobenen Armen einläuft, tu das gleiche. Halt dein Schwert in der rechten Hand mit dem Knauf nach oben und stoß mit dem Gehilz seine Arme und sein Schwert von dir. Spring mit dem linken Fuß vorne vor seine beiden Füße und greif ihm mit dem linken Arm gut hinten um den Körper. Zieh ihn auf deine linke Hüfte und wirf ihn vor dich.

Ein weiteres Leibringen

Wenn er dir mit erhobenen Armen einläuft, tu das gleiche. Halt dein Schwert in der rechten Hand und stoß ihm damit seine Arme von dir. Spring mit dem linken Fuß hinter seinen rechten und greif mit dem linken Arm vor seiner Brust unten durch zu seiner linken Seite. Zieh ihn auf deine linke Hüfte und wirf ihn hinter dich.
Führ diese zwei Ringen ebenfalls auf beiden Seiten aus.

Das Armringen am Schwert

Wenn er dir mit dem Schwert einläuft und dabei die Hände unten hält, verdreh deine linke Hand und greif damit seine rechte auf der Innenseite zwischen seinen beiden Händen.

33 v

henden vnd ruck in do mit auff dein lincke seitten | vnd mit der rechten slach in mit dem swert vber den kopff | Oder | wiltu In nicht slachen | So spring mit dem rechten fuess hinder seinen dencken | vnd var Im mit dem rechtñ arm~ vorñ vor oder hinden vmb den hals | vnd wurff In also vber dein rechts knÿe ~

Aber ein arm~ ringen

| Merck | wenn er dir ein laufft Im swert || vñ ist nÿder mit den henden | So lass dein lincke hant varñ vom swert | vnd mit der rechtñ var Im mit dem knopff aussen vber sein rechte hant | vnd druck do mit nÿder | vnd begreiff ÿm mit der lincken hant peÿ seine~ rechten elpogen | vnd spring mit dem denckñ fuess fur sein rechten | vnd stos in also dar vber ~

Aber ein arm~ ringen

| Merck | wenn er dir ein laufft im swert | So lass dein swert vallen | vnd ver ker dein rechte hant | vnd begreiff do mit sein rechte auswendige | vnd mit der lincken vaß In peÿ dem rechtñ elpogen | vnd spring mit dem lincken fuess fur sein rechten | vnd stos mit der rechten hant seinen rechtñ arm~ über deinen lincken | vnd heb In do mit vbersich | Also magstu Im den arm~ prechen | oder für dich vber das linck pain werffen ob dw wild

Hie merck ein swert nemen

Reiß ihn so auf deine linke Seite und schlag ihm mit der rechten mit dem Schwert auf den Kopf.
Wenn du ihn hingegen nicht schlagen willst, dann spring mit dem rechten Fuß hinter seinen linken und fahr ihm mit dem rechten Arm vorne oder hinten um den Hals und wirf ihn somit über dein rechtes Knie.

Ein weiteres Armringen

Wenn er dir mit dem Schwert einläuft und dabei die Hände unten hält, laß dein Schwert mit deiner linken Hand los und fahr ihm mit der rechten mit dem Knauf außen über seine rechte Hand. Drück dabei nach unten und greif mit der linken Hand seinen rechten Ellenbogen. Spring mit dem linken Fuß vor seinen rechten und stoß ihn darüber.

Ein weiteres Armringen

Wenn er dir mit dem Schwert einläuft, laß dein Schwert fallen und verdreh deine rechte Hand. Greif damit seine rechte von außen. Faß ihn mit der linken am rechten Ellenbogen und spring mit dem linken Fuß vor seinen rechten. Stoß mit der rechten Hand seinen rechten Arm über deinen linken und heb ihn dabei nach oben. Auf diese Weise kannst du ihm wahlweise den Arm brechen oder ihn vor dich über das linke Bein werfen.

Ein Schwertnehmen

34 r

| Merck wenn man dir ein lauf Im swert | So verker dein lincke hant | vnd var do mit vber sein rechten arm~ | vnd begreiff do mit sein swert zwischen seinen paiden hendñ peÿ der hanthab | vnd ruck do mit auff dein lincke seitten | So nÿmpstu Im sein swert

Aber ein swert nemen

| Merck | wenn er dir vorsetzt | oder sünst an dein swert pint | So begreiff mit der lincken hant paide swert mitten in den klingen | vnd halt sÿ paide vest zw° sãmen | vnd var mit der rechten hant vnden durch mit dem knopf vorñ vber sein pede hendt | vnd ruck do mit vbersich auff dein rechte seitten so peleiben dir paide swert ~

Hie merck den text vnd die glos von abschneÿden

Schneid ab die herten von vnden In paiden gefertten
| Glosa merck | das ist was dw solt treibñ | wenn man dir starck oben auff dein swert pintt oder dar auff velt | vnd das vernÿm also v Wenn du zu° vichtest aus den vnder häwen | oder aus den streichen oder ligst gegen Im In der hu°t alber | Velt er dir denn mit dem swert

Wenn man dir mit dem Schwert einläuft, verdreh deine linke Hand und fahr damit über seinen rechten Arm. Greif sein Schwert zwischen seinen beiden Händen am Griff und reiß es daran auf deine linke Seite. So nimmst du ihm sein Schwert.

Ein weiteres Schwertnehmen

Wenn er dir versetzt oder sonstwie an dein Schwert bindet, greif mit der linken Hand beide Schwerter in der Mitte der Klingen und halt sie beide fest zusammen. Fahr mit der rechten Hand unten durch und mit dem Knauf vorne über seine beiden Hände. Reiß sie dabei nach oben auf deine rechte Seite, so bleiben dir beide Schwerter.

Das Abschneiden

Schneid die kräftigen Hiebe von unten mit beiden Angriffen ab.
Dies ist zu tun, wenn man dir stark oben auf dein Schwert bindet oder darauf fällt. Man hat es sich so vorzustellen: Wenn du im Zufechten mit einem Unterhau oder dem Streichen angreifst oder ihm in der Hut Alber entgegenstehst und er dir mit dem Schwert auf das deine fällt, bevor du es erheben konntest, so bleib unten am Schwert und heb es mit der kurzen Schneide schnell nach oben.

34 v

auff das dein ee wenn du do mit auff ku~pst | So pleib vnden an dem swert | vnd heb mit der kurtzen schneid vast vber sich | Druckt er denn dein swert vast nyder | So streich vnden mit deinem swert mit an seiner swertz klingen hinder sich ab von seinem swert | vnd haw In zw° der anderñ seitten an seinem swert pald wider oben ein zw° dem maul ~

Aber ein anders

| Wenn du zw° vichtest mit vnder häwen oder ligst in der hu°t alber | Velt er denn mit dem swert auff das dein nahent pey dem gehültz ee | wenn du do mit auff chumpst das sein ort zw° deiner rechten seitten auß (*) get | So var behendlich auff mit dem knopff vber sein swert vnd schlag in mit der langen schneid zw° dem kopf | Oder pint er dir auff das swert das sein ort zu° deiner lincken seitten | So var mit dem knopf vber sein swert | vnd slach In mit der kurtzen schneid zw° dem haupt das haist das schnappen ~

(Die unterstrichenen Textstellen sind anhand der textlich sehr ähnlichen »Goliath«-Handschrift ergänzt, da sie durch einen Tintenfleck nicht mehr zu entziffern sind.)

(* An dieser Stelle befindet sich ein Marginalie in anderer Handschrift: rechten seyten aus)

Hie merck den text vnd die glos von den vier schnÿten

Vier sind der schnit Zwen vnden zwen oben mit
| Glosa | Merck die vier schnit wiß des erstñ die zwen öberñ die gehorent zw° treiben

Drückt er dann dein Schwert kräftig nach unten, streich unten mit deinem Schwert an seiner Klinge nach hinten von seinem Schwert weg, und schlag ihm auf der anderen Seite an seinem Schwert sofort erneut oben zum Mund.

Ein weiteres Stück

Wenn du im Zufechten mit einem Unterhau angreifst oder in der Hut Alber liegst und er dir mit dem Schwert auf das deine nahe dem Gehilz fällt, bevor du es noch erheben konntest, so daß sein Ort zu deiner Rechten zeigt, so fahr schnell mit dem Knauf über sein Schwert. Schlag ihm mit der langen Schneide zum Kopf.
Bindet er dir aber auf das Schwert, so daß sein Ort zu deiner linken Seite zeigt, so fahr mit dem Knauf über sein Schwert und schlag ihm mit der kurzen Schneide zum Kopf.
Dies nennt sich Schnappen.

Die vier Schnitte

Es gibt vier Schnitte: zwei untere und zwei obere.
Erfahr als erstes, daß von den vier Schnitten die beiden oberen gegen solche Fechter angewandt werden sollen, die gerne aus der Versatzung oder dem angebundenen Schwert mit einem Twerhau oder anderweitig zur anderen Seite umschlagen.

35 r

gegen den vechterñ die auss der versatzu~g | oder aus dem pant des swertz gerñ vmb slachen mit der twer | oder sünst zw° der anderñ seitten | Das prich also | wenn er dir an dein swert pint zw deiner lincken seitten | vnd slecht do mit pald wider vmb mit dem lincken fuess auf sein rechte seitten | So val im mit der langen schneid oben vber paide arm~ | vnd druck mit dem schnit von dir | Das soltu treiben zu° paiden seitten albeg | wenn er aus der vorsatzung vmbschlecht | oder haut vom swert Merck | Das die zwen vnderñ schnit gehörent zw° treiben gegen den vechterñ die do geren ein lauffen mit aus geräckten armen die treib also | wenn er dir an dein swert pint | vnd vert hoch auff mit den armen | vnd laufft dir ein zw° deiner lincken seitten | So verwent dein swert | das dein daum vnden küm | vnd val im mit der langen schneid vnder dem knopf in sein arm~ | vnd druck mit dem schnit vbersich Oder | laufft er dir ein mit aus gerackten armen | zw° deiner rechten seitten | So verwendt dein swert das dein dawm vnden küm | vnd val ÿm mit der kurtzen schneid vnder seine~ knopf in die arm~ | vnd druck mit dem schnit vbersich | Das sind die vier schnÿt ~

Hie merck den text vnd die glos von der verwandlu~g der schnit

Dein schnidt wende zwflechen druck dÿe hende

Brich dies auf folgende Weise: Wenn er dir links anbindet und sofort mit einem Schritt des linken Fußes auf seine rechte Seite umschlägt, fall ihm mit der langen Schneide oben über beide Arme und drück ihn mit dem Schnitt von dir weg. Dies sollst du jedesmal auf beiden Seiten anwenden, wenn er dir aus der Versatzung umschlägt oder vom Schwert schlägt.
Die beiden unteren Schnitte sollen gegen solche Fechter angewandt werden, die gerne mit gestreckten Armen einlaufen. Führ sie wie folgt aus: Wenn er dir an dein Schwert bindet und mit den Armen hochfährt, um dir zu deiner Linken einzulaufen, so verdreh dein Schwert, daß dein Daumen unten liegt. Fall ihm mit der langen Schneide unter dem Knauf in seine Arme und drück sie mit einem Schnitt nach oben.
Wenn er dir andererseits mit gestreckten Armen zu deiner Rechten einläuft, verdreh dein Schwert, daß dein Daumen unten liegt. Fall ihm mit der kurzen Schneide unter seinem Knauf in die Arme und drück sie mit einem Schnitt nach oben.
Dies sind die vier Schnitte

Die Verwandlung der Schnitte

Kehr deinen Schnitt zur Fläche und drück die Hände.

35 v

| Glosa | Merck das ist wie du aus den vnderñ tzwaÿen schnÿten solt treyben die zwen oberñ | Das vernym also | Wenn er dir ein laufft zu° deiner lincken seitten mit auff gerackten armen | So verwendt dein swert | vnd val ym mit der langen schneid vnder seinen knopf in die arm~ | vnd druck vast vbersich | vnd schreit da mit auff sein rechte seiten | vnd windt den knopf vnden durch | vnd kum mit dem swert nicht von seinen armen | vnd went das swert aus dem vnderñ schnit In den oberñ mit der langen schneid vber sein arm~ vnd druck mit dem schnÿt vber sich Oder | laufft er dir ein mit auff gerackten armen zw° dein° rechten seitten So verwendt dein swert das dein dawm vnden kum v | So wend im dein swert mit der kurtzen schneid vnder dem knopf in sein arm~ | vnd druck vast vbersich | vnd schreit do mit auff sein lincke seitten | vnd lass den knopf mit vnden durch gen | vnd wendt dein swert mit der langen schneid oben vber sein arm~ | vnd druck mit dem schnÿt von dir ~

Hie merck den text vnd die glos von den zwaien vnder hengen

Zwaÿ hengen werden Aus einer hant von der erden In allem gefert Haw stich leger waich oder hert

Dies behandelt, wie du aus den zwei Unterschnitten die zwei Oberschnitte machen sollst. Das hat man sich folgendermaßen vorzustellen: Wenn er dir zu deiner Linken mit hochgereckten Armen einläuft, verdreh dein Schwert. Fall ihm mit der langen Schneide unter seinem Knauf in die Arme und drück sie kräftig nach oben. Mach dabei einen Schritt auf seine rechte Seite und winde den Knauf unten durch. Bleib dabei mit dem Schwert an seinen Armen. Winde das Schwert aus einem Unterschnitt in einen Oberschnitt mit der langen Schneide über seine Arme.
Wenn er dir aber zu deiner Rechten mit hochgereckten Armen einläuft, winde ihm dein Schwert mit der kurzen Schneide unter seinem Knauf in die Arme und drück sie kräftig nach oben. Mach dabei einen Schritt auf seine linke Seite und laß den Knauf dabei unten durchgehen. Winde dein Schwert mit der langen Schneide oben über seine Arme und drück sie mit einem Schnitt von dir.

Die zwei unteren Hängen

Zwei Hängen kommen auf einer Seite vom Boden in allen Angriffen vor: Hieb, Stich, [in den] Legern, weichen oder harten.

36 r

| Glosa | Merck die tzweÿ hengen | von der erden das ist der phlueg zw paiden seitten | vnd wenn dw dar aus vechten wild oder vichtest | So soltu dar Inn auch haben das fülñ In hawen | vnd Inn stichen | vnd in allen an pinden des swertz ob er dar Inn waich oder hert ist | Auch soltu dar aus treibñ vier winden | vnd aus einem yedem winden besunder ein haw ein stich | vnd ein schnit | vnd sünst auch alle gefert treiben als aus den zwaÿen öberñ hengen ~

Hie merck den text vnd die glos von dem sprechfenster

Sprechfenster mache Stant freÿleich besich seine sache Schlach in das er schnabe Wer sich fur dir zeuchet abe Ich sag dir fur war Sich schützet kain man ane var Hastu ver nomen zw schlag mag er klein chumen
| Glosa | merck dw hast vor gehört | wie dw dich vor dem mann mit dem swert solt schicken In die vier hu°tten dar aus dw vechten solt | So soltu auch nw wissen das sprechfenster das ist auch ein hu°t dar Inn dw wol sicher sten magst | vnd die hu°t das ist der lang ort der ist die edelst | vnd die pëst | wer am swert wer do recht dar aus vechten kan der twingt do

Die zwei Hängen vom Boden ist der Pflug auf beiden Seiten. Wenn du daraus fechten willst oder bereits fichtst, sollst du auch das Fühlen in bezug auf Hiebe und Stiche  beherrschen und bei jedem Anbinden des Schwerts erkennen, ob er dabei weich oder hart ist. Außerdem sollst du daraus vier Winden ausführen und aus jedem Winden wiederum einen Hieb, Stich oder Schnitt. Auch alle anderen Angriffe sollst du durchführen können wie auch aus den zwei oberen Hängen.

Das Sprechfenster

Mach das Sprechfenster. Steh unbekümmert und achte auf das, was er vorhat. Schlag ihn, so daß er zu Fall kommt. Ich sage dir wahrhaftig: Wer sich vor dir abzieht, kann sich nicht gefahrlos schützen. Wenn du dies verstanden hast, kann er kaum zu Schlägen kommen.
Weiter oben hast du gehört, wie du vor dem Gegner mit dem Schwert in den vier Huten stehen und daraus fechten sollst. Nun sollst du auch vom Sprechfenster erfahren. Das Sprechfenster ist ebenfalls eine Hut, in der du äußerst sicher stehen kannst. Die Hut ist der Langort und ist die edelste und beste Verteidigung am Schwert. Wer daraus richtig zu fechten vermag, der zwingt mit ihr den Gegner, daß er sich unfreiwillig schlagen lassen muß.

36 v

mit den mann | das er sich an seinen danck schlahen müess lassen | vnd mag vor dem ort wider vor zw° slegen noch zw° stichen kömen

Inn Das sprechfenster schick dich also

| Wenn du mit dem zu° vechten zw ÿm gest mit welichem haw du denn an ÿn kumpst es seÿ vnder oder ein ober haw | So lass ÿm den ort albeg lanck mit dem haw ein schiessen zw dem gesicht oder der prust | Do mit twingstu In das er dir vor setzen mues oder an das swert pinden | vnd wenn er also an gepunden hat so pleib im starck mit der langen schneid auff dem swert | vnd stee freyleich vnd besich sein sach was er für pas gegen dir vechten well zeucht er sich zw ruck ab vom swert | So volg ÿm nach mit dem ort zw der plöss | Oder slecht er vom swert vmb dir zw der anderñ seittñ | So pint seinem haw nach Im starck oben ein zu° dem kopf oder wil er sich vom swert nicht abzÿehen noch vmb slahen | So arbait mit dem duplirñ | oder sünst mit anderñ stucken | Darnach als dw emphindest swech | vnd sterck ÿm swert

Inn das sprechfenster schick dich also ~

Das Ist ein ander Stant | vnd haist auch das sprechfenster Merck wenn dw mit dem zw fechten schir zw ÿm kömen pist | So setz den lincken fues vor vnd halt Im den ort lanck aus den armen gegen dem gesicht oder der prust ee wenn dw Im an das

Vor dem Ort kann er weder zu Schlägen noch zu Stichen kommen.

Begib dich folgendermaßen ins Sprechfenster

Wenn du im Zufechten zu ihm gehst und egal welchen Hieb, sei es ein Unter- oder Oberhau, zu ihm schlägst, so stoß ihm den Ort stets lang aus dem Hieb heraus zum Gesicht oder zur Brust. Damit zwingst du ihn, zu versetzen oder ans Schwert zu binden. Hat er dann angebunden, bleib ihm stark mit der langen Schneide auf dem Schwert. Steh unbekümmert und beobachte, was er weiterhin gegen dich fechten will. Wenn er sich vom Schwert zurück abzieht, folg ihm mit dem Ort zur nächsten Blöße.
Wenn er andererseits vom Schwert zu deiner anderen Seite umschlägt, binde seinem Hieb nach, kräftig oben zum Kopf. Will er sich weder vom Schwert abziehen noch umschlagen, so greif mit dem Duplieren oder sonst einem Stück an, je nachdem, wie du Schwäche oder Stärke am Schwert gespürt hast.

Ein anderer Stand

Er nennt sich ebenfalls Sprechfenster.
Wenn du im Zufechten fast zu ihm gekommen bist, setz den linken Fuß vor und halt ihm den Ort lang aus den Armen gegen das Gesicht oder die Brust, noch bevor du ihm an das Schwert bindest.

37 r

swert pindest | vnd ste freÿlich | vnd besich was er gegen dir vechten wil | haut er dir denn oben lanck ein zw dem kopf | So var auf | vnd windt mit dem swert gegen seinem haw In den ochsen | vnd stich ÿm zu° dem gesicht | Oder haut er dir zw dem swert vnd nicht zw dem leib so wechsel durch | vnd stich Im zu° der anderñ seittñ lauft er ein | vnd ist hoch mit den armen so treib den vnderñ schnit oder lauff ÿm durch mit ringen | Ist er nÿder mit den armen so wart der arm~ ringen | Also magstu allew stuck aus dem langen ort treibñ

Hye merck den text vnd die glos der aus richtu~g der vier hengen vnd der acht winden Im swert da von die zedel helt

Wer wol furet vnd recht pricht vnd endlich gar bericht Vnd prich besunder Iglichs i~ dreÿ wunder wer recht wol henget vnd windñ do mit pringet vnd winden acht Mit rechtñ wegen betracht Vnd zw ir eine Der winden selb dritt ich meine So sind ir zwaintzigk vnd vier zell si entzigk von paiden seittñ Acht winden lere mit schreitten vnd pruf die gefert Nicht mer nür waich oder hert
| Glosa | Merck das ist ein ler vnd ein dermanung der hengen vnd der winden Im swert dor In soltu gar wol geübet | vnd bericht sein | das dw behendlich kündest füren

Steh unbekümmert und beobachte, was er gegen dich zu fechten beabsichtigt. Schlägt er dir dann oben lang zum Kopf, fahr auf und winde mit dem Schwert seinem Hieb entgegen in den Ochs und stich ihm zum Gesicht.
Schlägt er dir hingegen zum Schwert und nicht zum Körper, so wechsel durch und stich ihm zur anderen Seite. Läuft er mit hochgereckten Armen ein, mach einen Unterschnitt oder lauf ihm durch und ring. Hält er die Arme unten, beachte das Armringen. Auf diese Weise kannst du alle Stücke aus dem Langort anwenden.

Die Ausführung der vier Hängen und der acht Winden am Schwert, welches in den Schriften enthalten ist

Wer gut führt und richtig bricht und voll und ganz bereit ist, der kann jedes einzelne [Stück] mit den drei Wundern brechen. Wer sehr gut hängt, soll daraus winden. Es gibt acht Winden und, auf die richtige Weise betrachtet, zu jedem einzelnen derselben eine dreifache Möglichkeit, so sage ich. Insgesamt gibt es also vierundzwanzig, zähl sie einzeln. Lern von beiden Seiten acht Winden mit Schritten. Prüf die Schlagwechsel nach nichts anderem als nach Weiche oder Härte.
Dies ist eine Lektion über und eine Erinnerung an die Hängen und das Winden am Schwert. Darin sollst du sehr gut geübt und gewandt sein, damit du geschickt führen und die Brüche gegen die Stücke eines anderen Fechters richtig daraus ausführen kannst.

37 v

| vnd die prüch gegen eines anderñ vechters stucken recht dar dar aus gegen ÿm kündest treiben | Wenn der hengen sein vier der ochs oben von paiden seitten | Das sind die oberñ zwaÿ hengen | vnd der phlueg vnden von paiden seittñ | Das sind die vnderñ zwaÿ hengen | Aus den vier hengen soltu pringen acht winden | aus dem ochsen vier | vnd aus dem phlueg vier | vnd die selbigen acht winden soltu fürpas also betrachten | vnd recht wegen das thue aus ÿedem winden besunder solt treiben die dreÿ bunder das ist ein haw ein stich | vnd ein schnÿt

Hie merck eben wie du aus den oberñ zwaien hengen das ist aus dem ochsen von der rechten seitten vnd von der linken seitten solt treiben vier winden

| Dÿe ersten tzwaÿ winden aus dem ochsen allai~ von der rechten seitten die treib also | Weñ dw mit dem zw° vechten zu° Im kumpst | So stee mit dem lincken fuess vor | vnd halt dein swert zw deiner rechten seittñ fur dem haubt In dem ochsen | Hawt er dir denn oben ein von seiner rechten seitten | So wind auff dein lincke seittñ gegen seine~m haw die kurtz schneÿd an sein swert aber in den ochsen | vnd stich Im oben ein zw dem gesicht das ist ein winden Merck | Vor setzt er den stich mit sterck | vnd dringt dir das swert auff die seitten so pleib am swert | vnd

Denn es gibt vier Hängen: Der Ochs oben auf beiden Seiten stellt die zwei oberen, der Pflug unten auf beiden Seiten die zwei unteren Hängen dar. Aus den vier Hängen sollst du acht Winden machen: Aus Ochs und Pflug jeweils vier. Diese acht Winden sollst du weiterhin solcherart beachten und richtig abwägen: Du sollst aus jedem einzelnen Winden drei Wunder ausführen, das heißt einen Hieb, Stich und Schnitt.

Wie du aus den oberen zwei Hängen, also aus dem Ochs, von rechts und links vier Winden ausführen sollst

Mach die ersten zwei Winden aus dem rechten Ochs folgendermaßen: Wenn du im Zufechten zu ihm gehst, steh mit dem linken Fuß vor und halt dein Schwert an deiner rechten Seite vor dem Kopf im Ochs. Schlägt er dann oben von seiner rechten Seite, winde auf deine linke Seite, seinem Hieb entgegen erneut in den Ochs, die kurze Schneide an sein Schwert. Stich ihm oben zum Gesicht. Dies ist ein Winden.
Versetzt er den Stich mit Stärke und drückt dir das Schwert zur Seite, so bleib am Schwert, winde wieder zu deiner Rechten oben in den Ochs und stich ihm oben zum Gesicht.

38 r

wind wider auf dein rechte seitten ober Inn den ochsen | vnd stich Im oben ein zw dem gesicht das sein die zwaÿ winden am swert aus dem ainen oberñ hengen von der rechten seitten ~

Hye merck das sind die anderñ zwaÿ winden aus dem ochsen von der lincken seitten die treib Also

| wenn dw mit dem zu° vechten zu° ÿm kumpst | So stee von dein° lincken seitten In dem ochsen haut er dir denn oben ein von seiner lincken seitten | So wind gegen seinem haw auff dein rechte seittñ die lang schneid an das swert | vñ stich Im oben ein zw dem gesicht das ist ein winden Merck | Vor setzt er den stich | vnd druckt dein swert auff die seittñ | So pleib am swert | vnd wind auff dein lincke seitten aber in den ochsen die lang schneid an sein swert | vnd stich ÿm oben ein zw dem gesicht | Das sind die vier winden aus den oberñ zwaÿen hengen von der lincken vnd von der rechtñ seittñ

Nw soltu wissen | Das der phlueg von paiden seitten das sind die vnderñ zwaÿ hengen | wenn dw dich dar ein legst | oder dar aus vechten wild | So soltu dar aus auch treiben von der lincken | vnd von der rechten seitten | vier winden mit allen iren gefertñ als aus den oberñ hengen so werden der winden acht | vñ merck als offtu windest so gedenck in

Dies sind die zwei Winden am Schwert aus dem einem oberen Hängen auf der rechten Seite.

Dies sind die anderen zwei Winden aus dem linken Ochs. Führ sie folgendermaßen aus

Wenn du im Zufechten zu ihm gehst, steh im linken Ochs. Schlägt er dann oben von seiner  linken Seite, winde, seinem Hieb entgegen, auf deine rechte Seite die lange Schneide ans Schwert und stich ihm oben zum Gesicht. Dies ist ein Winden.
Versetzt er den Stich und drückt dein Schwert zur Seite, so bleib am Schwert, winde zu deiner Linken erneut in den Ochs, die lange Schneide an sein Schwert, und stich ihm oben zum Gesicht. Dies sind die vier Winden am Schwert aus den oberen zwei Hängen auf der linken und rechten Seite.

Weiterhin sollst du wissen,
daß der Pflug auf beiden Seiten die zwei unteren Hängen darstellt. Wenn du dich dort hineinbegibst oder daraus fechten willst, sollst du daraus ebenfalls sowohl von links als auch rechts vier Winden mit allen ihren Techniken wie die der oberen Hängen anwenden. So ergeben sich acht Winden.
Beachte, daß du, sooft du windest, bei jedem einzelnen Winden stets jeweils an den Hieb, den Stich und den Schnitt denkst.

38 v

einem iglichem winden besunder an den häw | vnd an den stich | vnd an den schnÿt | Also kumen aus den acht winden vier | vnd tzwaintzigk stuck | Vnd wie dw die vier | vñ tzwaintzigk stuck | aus den acht winden treiben solt das vindestu alles da vorñ In der glosen geschriben ~ ~ ~ ~ ~

Hie merck gar eben

| Das tu° die acht winden nicht magst recht getreiben es seÿ denn mit schreitten von paiden seitten | vnd das dw vor gar eben prüfest nicht mer denn die zwaÿ gefert das sind die | Wenn er an dein swert pindet  ab|er in seinem gefert waich oder hert ist | Erst | wenn dw das emphunden hast | So wind | vnd arbait zu° den vier plössen als vor geschriben stet | Auch wist das alle vecht° die do winden am swert | vnd künnen sÿ nicht das fülñ am swert die werden peÿ den winden geschlagen | Dar vmb so vleis dich das dw das fülñ | vnd das wort Inndes wol merckest | wenn aus den zwaien dingen get alle kunst des vechtens ~

Auf diese Weise ergeben sich aus den acht Winden vierundzwanzig einzelne Stücke. Wie du diese vierundzwanzig Stücke aus den acht Winden anwenden sollst, findest du vollständig weiter oben in den Kommentaren beschrieben.

Beachte das folgende sorgfältig

Du kannst die acht Winden nicht richtig ausführen, es sei denn mit Schritten auf beiden Seiten. Weiterhin sollst du im »Vor« sorgfältig nur zweierlei Angriffsabsichten prüfen: Wenn er an dein Schwert bindet, prüf, ob er in seinem Angriff weich oder hart ist. Erst, wenn du das gespürt hast, winde und greif die vier Blößen an, wie oben beschrieben.
Du sollst außerdem wissen, daß alle Fechter, die am Schwert winden, aber das Fühlen am Schwert nicht beherrschen, beim Winden geschlagen werden. Deshalb bemüh dich, daß du das Fühlen und das Wort »indes« gut verstehst und beachtest, denn aus diesen zwei Dingen entspringt alle Kunst des Fechtens.